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Zeitreise durch Düsseldorf aus Sicht einer Marktfrau

Zeitreise durch Düsseldorf aus Sicht einer Marktfrau

Anlässlich des 725-jährigen Stadtjubiläums geht es Sonntag am Rathaus durch 400 Jahre Marktgeschichte.

Düsseldorf. Eine Führung durch die Stadtgeschichte muss nicht dröge sein. Wenn zum Beispiel Mechthild Langohr vom Verein Düsseldorfer Stadtführer als Betty Heine unterwegs ist, erfährt der Besucher nicht nur viel über die napoleonische und nachfolgende frühe Preußenzeit, sondern als geplagte Mutter schildert sie auch die neuesten Streiche ihres Sohnes.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass normale Führungen über Heinrich Heine auf eher bescheidene Resonanz stoßen, ist seine Lebensgeschichte in ein Zeitbild eingepackt, so fasziniert das die Leute“, so Langohr. Vor allem die Jugendstreiche des jungen Harry kommen an, zum Beispiel wenn er aus Jux dem Bronzeross des Jan Wellems auf den Rücken klettert, um Seit an Seit mit dem Kurfürsten zu reiten.

„Ich wage die These, das Adolf Vagedes damals einen anderen Sockel für Jan Wellems Denkmal baute, um solche Jungenstreiche zu unterbinden“, sagt Antje Kahnt, die auch hin und wieder als Betty Heine unterwegs ist.

Historisch belegt ist das zwar nicht, aber die Vorstellung amüsiert. Zwar orientiert sich die Truppe um Kahnt und Langohr an den historischen Tatsachen, schiebt aber gerne persönliche Interpretationen ein. Was dabei herauskommt, konnten Pressevertreter schon gestern erfahren. Am Sonntag um 11 Uhr gibt es dann an den Rathausarkaden ein volles „Marktweiberprogramm“.

Das „Leben auf dem Markt“ hat der Bundesverband der Gästeführer, dem der Düssseldorfer Verein angeschlossen ist, diesmal zum Motto erkoren. Da die Anzahl der Märkte in Düsseldorf übersichtlich ist, begibt sich das fünfköpfige Team auf eine Zeitreise.

Den Auftakt macht Antje Kahnt als Marktfrau der Renaissance. In ihrem braunen Kittel und einem braunen Saum am Rock stöckelt sie eher unbeholfen durch die Gegend. „Das liegt an den Trippen, die man sich damals unter die Schuhe schnallte, um nicht im Matsch stecken zu bleiben“, sagt Kahnt. Auch der braune Rocksaum ist diesen widrigen Straßenverhältnissen geschuldet. Schließlich gab es um 1550 gerade eine Markthalle.

150 Jahre später, zur Jan-Wellem-Zeit, ging es gepflegter zu. „Die Straßen waren gepflastert und sogar beleuchtet, außerdem hatte unser Kurfürst ein Marktgesetz erlassen, dass die Händler zwang, ihre Waren zwischen sieben und zwölf Uhr ausschließlich den Düsseldorfern anzubieten“, berichtet Brigitte Salem aus der Barockzeit.

Ute Pannes dagegen, als einfache Marktfrau des 19. Jahrhunderts, die sich bei der wohlhabenden Bürgerschaft auch für Hilfeleistungen verdingt, weiß Kurioses aus Schuhmanns Eheleben zu erzählen, und Dorothee Spelberg geht als französische Touristin auf die Suche nach den legendären Kaufhäusern der Stadt. Eine Mixtur, die vergnüglich zu werden verspricht.