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Zehn Jahre Glasverbot zu Karneval: Eine Erfolgsgeschichte

Brauchtum : Zehn Jahre Glasverbot zu Karneval sind eine Erfolgsgeschichte

An 16 Stellen wird die Altstadt wieder abgesperrt. Für andere Veranstaltungen eignet sich das Konzept nicht.

Im zehnten Jahr wird die Düsseldorfer Altstadt in diesem Jahr an den Karnevalstagen glasfrei sein. „Das hat sich absolut bewährt“, so Ordnungsdezernent Christian Zaum. Die Zahl der Verletzungen durch Scherben sei seitdem massiv zurück gegangen. Eine Ausweitung des Glasverbots auf andere Großveranstaltungen in der City sei allerdings nicht gedacht, unter anderem, weil dazu die rechtliche Grundlage fehlt.

„Wir hatten vor 2011 an den Karnevalstagen massive Probleme mit Schnittverletzungen“, so Zaum. Um ein Glasverbot rechtlich durchzusetzen, muss es eine konkrete Gefährdung für Leib und Leben geben: „Das war in diesem Fall gegeben.“ Seitdem habe sich die Situation erheblich verbessert.

Zahl der Verletzungen ging
bis auf sechs zurück

Das kann Feuerwehrsprecher Stefan Gobbin auch in Zahlen belegen. Vor dem Glasverbot im Jahr 2009 musste der Rettungsdienst noch 166 Schnittverletzungen behandeln. Nicht erfasst sind darin die Personen, die sich selbst in ärztliche Behandlung begeben haben. Bis zum Jahr 2017 ging die Zahl der Verletzungen durch Scherben auf zwölf zurück, im vergangenen Jahr waren es sogar nur noch sechs Fälle.

Obwohl das Glasverbot eine Erfolgsgeschichte ist, lässt es sich auf andere Großveranstaltungen nicht so einfach übertragen. Das hänge zum einen mit dem enorm hohen Aufwand zusammen. Zaum: „Wir sperren die gesamte Altstadt an 16 Stellen ab. Das ist nur mit sehr viel Personal möglich. Wir haben an den Karnevalstagen rund 160 Mitarbeiter von privaten Security-Diensten im Einsatz.“ Das verursache auch sehr hohe Kosten. „Rund eine Viertelmillion Euro“, schätzt der Beigeordnete.

Das sei bei anderen Veranstaltungen nicht zu rechtfertigen, zumal das Problem der Schnittverletzungen ein Phänomen sei, das nur über Karneval auftrete: „Bei der Jazz Rally oder dem Japan-Tag haben wir ein ganz anderes Publikum. Das kann man nicht vergleichen.“ Eine ähnliche Lage wie zu Karneval gebe es allenfalls noch Silvester: „Da haben wir aber ein Böllerverbot, das durchgesetzt werden muss.“ Tatsächlich habe man in der Vergangenheit immer wieder erlebt, dass Mitarbeiter des Ordnungs- und Servicedienstes mit Feuerwerkskörpern angegriffen wurden. Die wären an den möglichen Kontrollstellen „wie auf dem Präsentierteller“. Außerdem sei es zum Jahreswechsel kaum möglich, Personal von privaten Sicherheitsdiensten zu bekommen, weil die alle ausgelastet sind.

Gegen das Wildpinkeln: So
viele Toiletten wie noch nie

Unterbunden werden soll an den tollen Tagen auch das Wildpinkeln. Zum einen mit einem Bußgeld von 70 Euro für alle, die keine Lust oder keine Zeit haben, eine normale Toilette aufzusuchen. Zum anderen aber mit einem ausgeweiteten Angebot von 463 Toiletten-Einrichtungen. „Das sind 180 mehr als noch im Vorjahr. So viele wie noch nie“, erklärt der Ordnungsdezernent.

Zusätzlich zu den Toiletten des Carnevals Comitees stellt die Stadt drei Toilettencontainer (á 16 Kabinen), 98 Cross-Urinale (mit je 4 einzelnen Urinalen) sowie 23 sogenannte Dixi-Klos in der Altstadt auf. Standorte sind St. Lambertus (Alte Stadt, Stiftsplatz und Stiftsplatz/Emilie-Schneiderplatz), Schlossufer (Sperrblöcke), Unteres Rheinwerft (nördlich Freitreppe), Burgplatz (Goldener Ring), Stadterhebungsmonument, Kay-und-Lore-Lorentz-Platz, Platz hinter Karnevalsmuseum vor ehemaliger Kämmerei, Mühlengasse/Ratinger Straße, Lieferplätzchen/Mühlenstraße, Ratinger Straße/Kreuzherrenkirche, Alter Hafen und die Südliche Rheinuferpromenade.