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Zahl der Düsseldorf-Pendler steigt immer weiter

Zahl der Düsseldorf-Pendler steigt immer weiter

Seit dem Jahr 2000 sind es 20 Prozent mehr geworden. Für die Stadt sind vor allem die vielen Auto-Pendler eine Belastung.

Düsseldorf. Überschlägt Florian Leser die Zeit, die er bisher pendelnd im Zug verbracht hat, kommt er auf knapp 5600 Stunden. Seit Mai 2010 fährt der 42-Jährige jeden Tag mit dem Zug von Frankfurt nach Düsseldorf.

Zahl der Düsseldorf-Pendler steigt immer weiter
Foto: Lepke

Ähnlich wie ihm geht es hier etwa 245 000 Menschen, die in Düsseldorf arbeiten aber nicht leben — das sind etwa zwei von drei Arbeitnehmern. Das zeigen Zahlen, die das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) für 2016 zur Verfügung stellt. Zwischen dem Jahr 2000 und 2015 hat demnach die Zahl der Einpendler in Düsseldorf um 20 Prozent zugenommen. Die Zahl der Düsseldorfer, die die Stadt zum Arbeiten verlassen ist deutlich geringer. Sie liegt bei 81 000.

Zahl der Düsseldorf-Pendler steigt immer weiter
Foto: Lepke

Rechnet man die neue Zahl der Einpendler auf die Einwohner hoch, liegt der Anteil bei 40 Prozent. Damit steht Düsseldorf an Platz zwei in Deutschland — nur in Frankfurt ist mit 49 Prozent im Vergleich zur Einwohnerzahl das Verhältnis noch stärker ausgeprägt. München ist bei der absoluten Pendlerzahl mit 365 127 zwar an der Spitze — im Vergleich zu den Einwohnern liegt die Isarmetropole allerdings weiter hinten (siehe Grafik).

Die Gründe fürs Pendeln sind unterschiedlich. Bei Leser waren es praktische. Seine Frau arbeitete in Stuttgart, er bei Ergo am Victoriaplatz — die beiden einigten sich auf die Mitte: Frankfurt. Unter der Woche getrennt zu wohnen, kam nicht in Frage — vor allem, als die gemeinsame Tochter zur Welt kam. „Ich hatte es mir stressiger vorgestellt“, sagt Leser. Die Bahn sei pünktlicher als erwartet, die Zeit im Zug — täglich fast anderthalb Stunden pro Strecke — nutze er zum lesen, schlafen, Musik hören oder arbeiten. „Ich bin durch die Zeit im Zug sortierter und habe so auch abends noch mal eine Stunde für mich — das ist fast eine Art Privileg.“

Ein Großteil der Pendler nutzt anders als Leser den Individualverkehr — also das Auto, heißt es von der Stadt. Bei einer Zählung in einem Zeitraum von 16 Stunden (6 bis 22 Uhr) seien 420 000 Wagen stadteinwärts über die Stadtgrenze gezählt worden. Sicher wisse man natürlich nicht, ob dies alles Berufspendler seien — ein großer Teil sei es aber wahrscheinlich schon. Vor allem für den Verkehr und den Parkdruck sei die große Zahl an Pendlern eine Belastung.

Bart Creemers fährt seit 21 Jahren jeden Tag mit dem Auto aus Belgien nach Düsseldorf. „Früher habe ich etwa eine Stunde gebraucht, mittlerweile bin ich oft bei fast zwei Stunden“, sagt der 43-Jährige Osteopath. Bei ihm war das Stellenangebot Grund fürs Pendeln — als er 1996 mit seiner Ausbildung fertig war, habe es in Düsseldorf einfach mehr Stellen gegeben. Dann sei er geblieben — zumindest was den Arbeitsort angeht.

Seinen Wohnort habe er aber nicht wechseln wollen. Auch wenn das Autofahren für ihn oft mit Stress verbunden ist, ist er damit doch flexibler und schneller unterwegs als mit der Bahn.

Pendeln bedeutet in den Statistiken des BSSR nicht unbedingt, so weite Strecken auf sich zu nehmen wie Leser und Creemers, sondern lediglich, in einer anderen Stadt zu arbeiten als gemeldet zu sein. „Aufgrund der in der Peripherie ausgedünnten oder teilweise unattraktiven ÖPNV-Angebote liegt der Vorzug trotz Stauanfälligkeit oft bei der Nutzung des Kraftfahrzeuges“, sagt Stadtsprecher Michael Buch. Hier sei ein Ansatzpunkt, die Belastung zu verringern. Der öffentliche Nahverkehr müsse attraktiver werden — Arbeitgeber versuche man mit günstigen Jobtickets zu locken, Taktfrequenz und Pünktlichkeit wolle man verbessern.

Auch der Ausbau von Park-and-Ride-Plätzen sei eine Maßnahme, den Innenstadtverkehr zu entlasten. Laut Stadt zeige die hohe Anzahl an Pendlern aber auch eine andere Problematik: „Sie ist ein Indiz für ein Ungleichgewicht zwischen Wohnraum- und Arbeitsplatzangebot“, sagt Buch. Auch da sehe die Stadt den dringenden Bedarf, nachzubessern und mehr Wohnraum zu schaffen. Verschiedene Projekte seien hierfür bereits angestoßen worden.