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WZ mobil in Hassels: „Die Polizei lässt uns im Stich“

WZ mobil in Hassels: „Die Polizei lässt uns im Stich“

Diskussion bei WZ mobil: Die Brandserie macht den Menschen Angst. Anwohner fordern Schutz, aber auch mehr Eigeninitiative.

Düsseldorf. Die junge Frau schüttelt den Kopf. Nein, sie darf nichts sagen. Infos gibt es nächste Woche. Die Verschwiegenheit hat ihr der Arbeitgeber auferlegt. Die Centuria will sich in der nächsten Woche zum Zustand ihrer Häuser in Hassels, zu den Bränden dort äußern. Bei WZ mobil fehlte der Vermieter gestern als einziger. Anwohner, Polizei und Stadt hingegen nahmen kein Blatt vor den Mund.

„Ich habe Angst“, sagte Thomas Hanel, der seit sechs Jahren in der Fürstenberger Straße 41 lebt. Das letzte Feuer ist nicht einmal eine Woche her. Hanel, der in der 13. Etage seine Wohnung hat, mag sich gar nicht vorstellen, was passiert, wenn es einmal in seinem Stockwerk brennen sollte. „Bis dahin reicht die Feuerwehrleiter doch gar nicht.“ Ausziehen? Ja, daran habe er gedacht. „Aber das ist finanziell schwierig.“

Menschen wie Thomas Hanel leben viele in dieser Gegend. Sie müssen mit wenig Geld auskommen, viele haben keine Arbeit, kommen mit dem Leben nicht klar. „Sie wollen keine Verantwortung übernehmen“, sagt Ingrid Heinz, die seit mehr als 20 Jahren an der Potsdamer Straße wohnt. Ihr geht es gegen den Strich, dass nicht die Anwohner, sondern „immer andere“ in die Pflicht genommen werden. „Wie kann es sein, dass ein Aufzug repariert wird und zwei Tage später wieder kaputt ist. Dass der Monteur wochenlang einem Mieter hinterher rennen muss, um seine Heizung zu reparieren.“ Abmahnungen fordert sie für diejenigen, die „immer alles kaputtmachen“.

Das Elend fing mit dem Verkauf der Häuser an, meint Lehrer Hans-Joachim Krause, der an der ehemaligen Hauptschule an der Fürstenberger Straße gearbeitet hat. „Früher gehörten die Häuser der LEG, die dem Land gehörte. Dann wurden sie an anonyme Investoren verkauft. Jetzt soll die Polizei den Kopf für einen Verkauf herhalten, den eine konservative Regierung durchgesetzt hat. Typisch.“

Jacek Franecki sieht das anders: „Die Polizei hat uns im Stich gelassen. Sie müsste viel häufiger Präsenz zeigen.“ Auch Lieselotte Henzelmann denkt so: „Die Polizei macht nichts, das einzig Richtige wäre, wenn der OSD hier Wachen aufstellen würde,“ sagt die 78-Jährige. Seit 2003 wohnt sie in der Fürstenberger Straße 41, damals sei das Hochhaus ein „Vorzeigegebäude“ gewesen. Sie wäre bereit, Extrageld für einen Sicherheitsdienst zu bezahlen. Wegzuziehen kommt für sie nicht infrage: „Ich will hier bleiben.“ Über eine Mietminderung will sie jetzt Druck auf die Vermietergesellschaft ausüben und hofft, dass viele ihrem Beispiel folgen werden. Auch Ronald Gordon pocht auf einen Wachdienst, jedoch fordert er auch mehr Engagement vom Vermieter Centuria: „Man muss ihn zwingen, sich um die Häuser zu kümmern.“

Anita Akthar findet ihre Wohnung trotz aller Vorfälle schön, hat sich aber für alle Fälle einen Feuerlöscher angeschafft: „Mein Vater ist bettlägerig, wenn es hier brennt, ist die Feuerwehr so schnell nicht da.“ Beim letzten Brand löschte sie selbst eine Matratze und verhinderte Schlimmeres. Doch die Sorge bleibt: „Was wäre gewesen, wenn wir das Feuer nicht bemerkt hätten? Wir wären verbrannt.“ Ihrer Meinung nach arbeitet die Vermietergesellschaft zu schlampig. Das sieht auch Andrea Scherf so: „Da der Vermieter sowieso nichts macht, kann man die Hochhäuser eigentlich auch direkt abreißen.“