WZ-Leser bekamen eine Führung bei Henkel in Düsseldorf

WZ-Aktion: Spannender Blick hinter die Kulissen von Henkel

18 WZ-Leser bekamen eine Führung über das Werksgelände in Holthausen. Und erlebten zum Beispiel, wie ein Waschmittel hergestellt und verpackt wird.

Hat die Gelbwesten-Bewegung jetzt auf Holthausen übergegriffen? Wird bei Henkel der Aufstand geprobt? Nein. Es waren „bloß“ 18 WZ-Leser, die die Warnwesten trugen, als sie jetzt eine exklusive Führung auf dem riesigen Werksgelände genießen konnten, nachdem sie beim Gewinnspiel dieser Zeitung erfolgreich teilgenommen hatten.

Früher gab es regelmäßig Führungen bei dem 1876 gegründeten Großunternehmen für jedermann, jetzt beschränkt sich Henkel auf ausgewählte Gruppen. Das hängt auch mit dem enormen Sicherheitsaufwand zusammen, der auf dem 140 Hektar großen Areal mit seinen fast 400 Gebäuden betrieben werden muss. Und so beginnt Martin Pätzold, der technische Leiter im Bereich Wasch- und Reinigungsmittel, den gut zweistündigen Nachmittag mit der „Kurzunterweisung Arbeitssicherheit“. Die WZ-Gewinner ziehen neben den Gelbwesten dicke Sicherheitsschuhe und -brillen an. Der letzte Satz auf dem Merkblatt ist lustig: „Unsere Produkte sind nicht zum Verzehr geeignet.“ In der Tat mögen  Wasch- und Putzmittel oder Klebstoffe gut riechen, schmecken tun sie eher nicht. Ein chinesischer Werksbesucher mochte einst trotzdem nicht auf den „Qualitätstest mit der Zunge“ verzichten, wie Pätzold sich erinnert.

Gut zwei Stunden geht es durch die Flüssigwaschmittel-Produktion und das gewaltige Hochregallager. Im Produktionsgebäude heißt es erst einnmal, viele Treppen hinaufzusteigen zu den Aufbereitungsanlagen, wo die Rohstoffe zusammengerührt werden (vom Parfumöl bis zu Enzymen). Eine Etage tiefer rotieren die Abfüllmaschinen, 180 Plastikflaschen „Weißer Riese“ in der Minute füllen, verschließen und etikettieren sie, andere Produktionslinien schaffen sogar 250. Ein Gebäude weiter durchlaufen 5000 Geschirrspül-Tabs pro Minute eine Maschine. Daneben besorgen Roboter die Abfüllung von Pulver-Waschmittel in „Groß-Gebinde“, also Kartons für 100 Waschgänge. Früher haben Mitarbeiter per Hand acht Stunden lang die Packungen auf Paletten gehievt, eine extreme körperliche Belastung war das. Überhaupt: Arbeitende Menschen sieht man in der Waschmittelproduktion nicht mehr viele, das meiste läuft automatisiert. Drei Schichten 24 Stunden am Tag, fünf Tage in der Woche sind Mensch und Maschine bei Henkel im Einsatz, bei besonderer Nachfrage in der Urlaubszeit im Sommer, wenn die Leute vor und nach der Reise im Waschrausch sind, wird auch mal am Wochenende gearbeitet.

Das gilt auch im Hochregallager, das 2014 und 2017 in zwei Bauabschnitten errichtet wurde und der ganze Stolz der Henkelaner ist. Hier übernimmt Oliver Wittig, der Leiter der Logistik, die Führung. 8000 Tonnen Stahl wurden verbaut, so viel wie im Eiffelturm. Mehr als 200 000 Paletten können hier gelagert werden, fast alles läuft automatisiert über Aufzüge und Bänder. Lauter und mit arbeitenden Menschen belebt geht es in der Lager-Abfertigung zu, wo Dutzende Männer von Subunternehmer Cretschmar Cargo jeden Tag bis zu 200 Lastwagen befüllen, die dann die Drogerie- und Supermärkte in Deutschland und Europa beliefern.

Und wie fanden es die Leser? „Toll“, sagt Claudia Wego, man sieht, wo die Produkte, die man dauernd im Alltag nutzt, herkommen.“ Horst Esselborn, früher Maschinenbau-Ingenieur, hat besonders die „Automatisierung im Hochregallager gefallen“. Und Susanne Gierth: „Ich  fand sehr interessant, einmal den gesamten Prozess von der Abmischung der Rohstoffe bis zum Verladen der Waschmittel-Paletten auf Lkws nachzuvollziehen.“

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