Ehrenamt Der Mann, der die Wünsche erfüllt

Düsseldorf · Der Garather Lucas Broda fährt ehrenamtlich mit dem Wünschewagen zu schwerkranken Menschen und unternimmt außergewöhnliche Touren mit ihnen.

 Der Rettungssanitäter Lucas Broda (22) ist Düsseldorfer, hier vor der Kulisse der Eisbahn an der Kö.

Der Rettungssanitäter Lucas Broda (22) ist Düsseldorfer, hier vor der Kulisse der Eisbahn an der Kö.

Foto: Lepke, Sergej (SL)

Nein, dem Weihnachtsmann sieht Lucas Broda nun wirklich nicht ähnlich. Kein Rauschebart, kein roter Mantel, kein Sack voller Geschenke. Lucas Broda ist einfach nur ein junger Mann mit Jeans, Hemd und adretter Kurzhaarfrisur. Trotzdem, an entscheidender Stelle hat der 22-Jährige tatsächlich eine Menge gemeinsam mit dem Weihnachtsmann, zumindest mit Blick auf die ihm stets zugeschriebene Kernkompetenz. Denn: beide machen Wünsche wahr.

Lucas Broda kommt dazu natürlich nicht mit dem Schlitten. Der Garather steigt dazu in den so genannten Wünschewagen. Touren mit ihm bietet der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) allen Menschen an, die schwer krank sind, sich aber unbedingt noch einen Wunsch im Leben erfüllen wollen. Und da versucht das Team aus Ehrenamtlern so ziemlich alles zu ermöglichen.

Broda ist eigentlich Rettungssanitäter, hat eine halbe Stelle beim ASB und studiert im siebten Semester Rettungsingenieurwesen, was den Weg etwa für den gehobenen Dienst bei der Feuerwehr freimachen soll. Ein Freund aus dem Studium erzählte ihm von seinen ehrenamtlichen Touren mit dem Wünschebus. Broda war begeistert, bewarb sich und wurde genommen. Drei Fahrten hat er mittlerweile unternommen, bei denen verpflichtend ein Rettungssanitäter und ein Krankenpfleger dabei sein müssen. Und Broda ist immer noch begeistert.

Wie das? Sind die Fahrten denn nicht überlagert von der Last der Krankheit, vielleicht sogar der Konfrontation mit dem nahenden Tod? Brodas Erfahrung ist eine andere. „Unsere Gäste erleben zumeist eine unvergesslich schöne Zeit. Die Krankheit wird da meist zur Nebensache, und das ist auch gewollt. Es sei denn natürlich, unser Fahrgast möchte darüber sprechen.“ Broda erlebt diese besonderen Tage hautnah mit. „So entsteht natürlich ein viel engerer Kontakt zu den Menschen, als bei einem normalen Krankentransport.“ Das sei das Schöne daran. „Wir erfahren ganz viel Dankbarkeit.“ Als er ein älteres Ehepaar am Timmendorfer Strand abholte, sei ihm die Frau eines schwerkranken Mannes direkt um den Hals gefallen, weil sie beide mit Hilfe des Busses noch einmal eine schöne Zeit an ihrem Lieblingsurlaubsort verbringen konnten. Broda und sein Kollege wurden sogleich zum Mittagessen eingeladen und saßen bei Sonnenschein im Hafen. „Das war auch für uns einfach ein schöner Tag.“

So blickt Broda eigentlich auf alle seine Fahrten. Ob das der Junge im Rollstuhl war, den er ins Ferienlager im Sauerland fuhr, oder der krebskranke Dortmund-Fan, den er mit seiner Familie noch einmal zu einem Champions-League-Spiel des BVB ins Stadion begleitete. „Wer erlebt so etwas schon? Und dazu noch gratis?“, sagt Broda.

Selbstverständlich, uneitel und natürlich auch ein bisschen egoistisch folgt hier ein junger Mann seiner Berufung, die er selbst als Grund für sein Tun nennt. „Das ist mehr als ein Beruf.“ Er habe zwei Slogans des ASB verinnerlicht, wie er sagt: „Wir helfen hier und jetzt.“ Und: „Helfen ist unsere Aufgabe.“ Broda sagt: Das ist das, was ich mir und meinen Kollegen oft sage. Die nervt das manchmal sogar ein bisschen.“

Broda hingegen reicht dieses Ehrenamt noch nicht. So leitet er auch Jugendcamps der katholischen Kirche, eine „klassische Messdienerkarriere“ liege hinter ihm, wie er schmunzelnd sagt. Es gehe ihm aber nicht nur ums Helfen. Das mache ihm alles auch einfach Spaß. Trotz der psychischen Belastungen, die sein Job als Sanitäter mit sich bringe. „Aber wir sind ein junges Team und tauschen uns viel aus. Damit ist es dann auch gut.“ Ihm gefalle es einfach, jeden Tag mit anderen Menschen zu tun zu haben, neue Probleme gestellt zu bekommen, verbunden mit elementaren Lebensfragen.

Wer einen allerletzten Vergleich zum Weihnachtsmann ziehen will, der ja auch seiner Berufung folgt, stößt dennoch auf einen entscheidenden Unterschied: Denn im Gegensatz zu Broda macht Santa Claus mit seinem Glockengebimmel und „Ho-ho-ho“-Gerufe ja stets ein großes Bohei aus seinem Schaffen.

Auch auf den Touren des Wünsche-Busses versuchen sich die Begleiter des ASB möglichst zurückzuhalten. Sie sitzen auf der Fahrt vorne, die Familienmitglieder hinten. Dort kann auch eine andere Musik als vorne gespielt werden. Eine Sternendecke mit LED-Lämpchen, richtige Bettwäsche und Kopfkissen, kein Milchglas in den Fenstern, und auch bequeme Sessel sollen für eine angenehmere Atmosphäre sorgen, als sie normalerweise in einem Krankentransportwagen herrscht. Die ehrenamtlichen Begleiter sind zudem angehalten, private Hosen zu tragen, möglichst wenig medizinische Berufskleidung.

Ein letzter Wunsch, der sich laut Broda wiederholt, ist eine letzte Fahrt ans Meer. Aber auch zum Musical „König der Löwen“ führte schon eine Tour. Für die Fahrgäste sind die Ausflüge kostenlos. Sind Eintrittspreise fällig, werden sie oft mit Hilfe der Veranstalter finanziert. Tragen soll sich der Wünschewagen möglichst mit Hilfe von Spenden. Die fehlen laut Broda vor allem, da das Angebot noch nicht so bekannt ist. Wer es in Anspruch nehmen will, kann die Erfüllung seines Wunsches auf der Internetseite des ASB beantragen. Auch ehrenamtliche Begleiter, nicht nur mit fachlicher Qualifikation, werden gesucht.