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Wohnprojekt Ulmer Höh' in Düsseldorf ist gescheitert

Wohnen in Düsseldorf : Horst Wackerbarth äußert sich zu gescheiterter Quartiersidee

Das Mehrgenerationen-Wohnprojekt auf dem Ulmer-Höh’-Gelände ist Geschichte. Jetzt meldet sich der Initiator zu Wort.

Fast zehn Jahre hat die Gruppe um den Künstler Horst Wackerbarth dafür gekämpft, in der alten Kapelle auf dem Gelände der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Ulmer Höh’ in Derendorf ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt mit Künstlerateliers und einem öffentlichen Kultur- und Bürgerraum umzusetzen. Mit der Auflösung der Baugruppe „Kunst und Leben Ulmer Höh’“ erklärt Wackerbarth das Unterfangen jetzt selbst für gescheitert. Zuvor hatte der Projektentwickler Interboden, der zusammen mit Hamburg Team ein Mischquartier mit gefördertem Wohnraum, Eigentums- und Studentenwohnungen, Gewerbe und Handel an der Ulmenstraße realisieren will, mit der Vorstellung eines neuen Nutzungskonzepts für die Kapelle bereits Fakten geschaffen.

Wackerbarth listet
„Meilensteine des Scheiterns“ auf

Chronologisch listet Wackerbarth in seinem „Abschiedsschreiben“ die, wie er ganz unumwunden zugibt, „Meilensteine des Scheiterns“ auf – vom Verkauf des Gesamtareals durch den Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (BLB) an einen Investor über die Festlegung des Grundstückspreises von 1,5 Millionen Euro im Rahmen der Ausschreibung, in deren Folge die Baugruppe für eine Realisierung Hilfe von außen benötigte bis hin zu den Versuchen, die nicht gedeckte Finanzierungslücke über Mäzene, Investoren, Geldgeber oder öffentliche Förderungen zu schließen. „Wir standen mehrmals kurz vor dem Erfolg. Es scheiterte letztlich an den Rahmenbedingungen, an Auflagen, mangelnder Rendite und nicht gewährten Fördermitteln“, hadert Wackerbarth und fügt hinzu: „Hätte der BLB das Objekt ausparzelliert und für einen symbolischen Preis an die Gruppe übergeben, wäre das Gebäude aus eigener Kraft heute saniert und das Projekt realisiert.“

Aber es kam eben anders: Wegen der in der Ausschreibung hinterlegten Frist und deren Ablauf fielen Grundstück und Gebäude wieder an Interboden zurück. Damit sei das ambitionierte Vorhaben endgültig vom Tisch. „Wir empfinden dieses Scheitern eines ambitionierten sozialpolitischen Projekts mit Leuchtturmcharakter als schwere Niederlage“, so Wackerbarth. Letztendlich bleibe offensichtlich wenig oder kein Raum für „das politisch Gewollte, aber finanziell nicht unterstützte und privatwirtschaftlich nicht Profitable. Ein historisch, sozial und ökologisch nachhaltiges Projekt für die Stadtentwicklung ist in einem überhitzten Bau- und Wohnungsmarkt wie in Düsseldorf offensichtlich utopisch“, sagt der Künstler, der dennoch neue Ziele anstrebt: Aus dem „Kunstverein Ulmer Höh’“ werde der Verein „Kunst und Haltung“, der mit seiner Spielstätte in Oberkassel nun zu seinen Wurzeln zurückkehren will. Eröffnung an der Hansaallee 159 soll im Oktober sein.

In der Kapelle soll nun eine Art Mischnutzung umgesetzt werden: Es soll normale und geförderte Mietwohnungen geben, dazu Gewerbe, unter dem Dach soll ein Großraumbüro entstehen und im Erdgeschoss ein öffentlicher Raum für Veranstaltungen.