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Wo leere Läden schon in Ateliers verwandelt worden sind

Wo leere Läden schon in Ateliers verwandelt worden sind

Die Kreativwirtschaft will Künstler in verlassene Geschäfte einquartieren. Die Künstler sind allerdings schneller und haben schon agiert.

Düsseldorf. Die CDU blitzte im Kulturausschuss mit ihrem Antrag ab, leerstehende Ladenlokale für Künstlerateliers bereitzustellen. Sie wollte das Kompetenzzentrum Kultur und Kreativwirtschaft dafür gewinnen, die Zwischennutzung leerstehender Gebäude zu koordinieren. Vielleicht brauchen gewiefte Künstler im Ernstfall weder die Kreativwirtschaft noch ein Kompetenzzentrum, um Ladenlokale zu mieten. Die WZ bringt Beispiele aus mehreren Stadtteilen, wo praktisch gleich hinter dem Schaufenster das Studio beginnt.

Wo leere Läden schon in Ateliers verwandelt worden sind
Foto: Judith Michaelis

An der Ackerstraße 15, im besten Szene-Viertel also, in der Bannmeile mehrerer Galerien, ist Claus Föttinger vor vier Jahren vor Anker gegangen. Ungeniert darf ihm jedermann in seine Werkstatt schauen. Das Schöne für ihn aber ist, dass auch er eine gute Sicht nach draußen hat. Er erzählt, wie er zur Location kam:

„Ich habe mich bei dem Vermieter vorgestellt. Er ist ein kunstsinniger Mensch. Er hat über mich in der Zeitung gelesen.“ Vorher befand sich in dem Laden eine Malschule, und davor gab es dort ein Kaffee. Beides rentierte sich nicht. Es war die Zeit, wo die Ackerstraße noch nicht angesagt war. Dementsprechend moderat ist die Miete (plus Mehrwertsteuer). Flöttinger sagt: „Mein Vermieter fand es gut, dass ich als bekannterer Künstler seinen Laden miete. Und ich bin dankbar, dass ich einen Platz gefunden habe, nicht auf einem Hinterhof, nicht auf dem Land, sondern in der Stadt, an einem der besten Plätze in Düsseldorf.“

Sein Lob gilt dem Worringer Platz: „Das ist mein Thema. Ich arbeite über Deutschland, das Deutschsein, die Migranten und die Gentrifizierung. Deshalb fühle ich mich hier an der Ackerstraße besonders wohl.“

Föttinger ist in der Tat bekannt. Internationales Aufsehen erregte seine WM-Bar 2014 im brasilianischen Campo Bahia, dem Basisquartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Heute steht sie im Fußballmuseum in Dortmund. Eine Bar ist es auch an der Ackerstraße. Sie dient dem Künstler als Raumteiler. An der Bar sitzend kann er nach draußen schauen, zu den Pinten und den Passanten.

Aber die Fußgänger können auch ungeniert in sein Inneres blicken. Dort entdecken sie die bunte Welt aus Fotos, die er mit fester Kordel zusammennäht, um daraus Lampen zu machen. Wer hineinblickt, sieht den großen Arbeitstisch, die fünf Computer, die fertigen Lampen, mehrere DJ-Sets, DVD’s und Bücher. Dazu gibt es passende Musiksysteme, denn bei Föttinger spielt auch die Musik eine große Rolle.

Dem Vermieter zuliebe hat er über die Toreinfahrt eine alte Leuchtreklame reaktiviert. Zu sehen ist der Athene-Tempel von Assos. Und unterhalb des Tempels liegt das Theater, in dem der große Philosoph Aristoteles gesessen hat. Heute ist das Gebiet die Hauptflüchtlingsroute und mithin ein Brennpunkt Europas.

Zwei Häuserzeilen weiter liegt an der Ackerstraße 67 die „Gallery Bespoke“. Der Name ist nicht ganz richtig, denn auch hier handelt es sich in erster Linie um ein Studio. Ulli Maier bleibt Maler. Aber beispielsweise heute räumt er den vorderen Teil seiner Werkstatt aus, zieht sich einen dunkelblauen Anzug an, hält eine Zigarre bereit und bittet zur Ausstellung Ben Addison. Den Namen „Bespoke“ hat er gewählt, weil die englischen Herrenschneider darunter eine Maßanfertigung verstehen.

Um die Ecke, an der Birkenstraße 43, fühlt sich die Galeristin Linnn Lühn wohl. Sie gibt den Blick in ihr kleines Handelsimperium nur fü´r einen Spalt frei. Erst beim Eintreten hat der Besucher den Überblick über ihre Ausstellungs- und Verkaufsräume.

Auch in Bilk und Eller werden Ladenlokale umgewidmet. Petra Nostheide-Eycke logiert an der Kirchfeldstraße 84. Das einstige Lager im Keller nutzt sie für Videos. In Eller übernimmt es die Werbegemeinschaft, leerstehende Geschäftsräume durch Bilder und Objekte zu verschönern. Kreative Menschen brauchen also offensichtlich keine Kultur- und Kreativwirtschaft, die sich einmischt. Dennoch wird im Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Liegenschaften am 27. September ein Konzept zu den leeren Ladenlokalen vorgestellt.