Düsseldorf: Wo Ampeln Rot-Geher provozieren

Düsseldorf : Wo Ampeln Rot-Geher provozieren

Fußgänger gehen los, wenn sie lange Rot haben, obwohl kein Auto kommt. Die Politik will, dass sie und Radfahrer bei Ampelschaltungen mehr bedacht werden.

Düsseldorf. Wie auch gutwillige Fußgänger zu „Rot-Gehern“ werden, kann man täglich mitten in der Stadt beobachten. Am Überweg Kasernen-/ Ecke Grabenstraße haben die Fußgänger nur kurz „Grün“ und lange „Rot“. Für die Autofahrer gilt das Gegenteil. Dabei fahren hier fast nie viele Autos, Fußgänger hingegen laufen reichlich von der Kö in die Altstadt — und sind genervt vom unnötigen Warten. Ein Fall von sinnloser Ampelschaltung. Und nicht der einzige in Düsseldorf: „Die Verkehrsplaner haben da in letzter Zeit sicher viel verbessert, aber insgesamt wird immer noch der Autoverkehr bevorzugt gegenüber Fußgängern und Radfahrern“, sagt Martin Volkenrath, der Vorsitzende des Verkehrsausschusses.

Allein in der Innenstadt finden sich dafür einige Belege: Wer zu Fuß oder mit dem Rad an der Ampel Duisburger-/Ecke Jägerhofstraße in den Hofgarten will, braucht viel Geduld und muss nicht selten Doppel-Grün-Phasen für abbiegende Autos abwarten. Breitere Straßenübergänge (z.B. Kö/Graf-Adolf-Straße oder Friedrichstraße zwischen Arcaden und Real) können Fußgänger nur in zwei Etappen queren, weil sie in der Mitte eine zweite Ampel stoppt. Holger Odenthal, derzeit Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, lässt pauschale Kritik an den Ampelschaltungen nicht stehen: „Wir überprüfen jede Anlage alle sechs Monate, bei Problemen oder Beschwerden auch früher.“ Und das betreffe stets auch die Verkehrslage: „Unsere Prüfer kontrollieren, ob die Rot- und Grünphasen noch passen.“ Allerdings gebe es Einiges zu berücksichtigen, vom gewollten Vorrang für Bus und Bahn bis zur Grünen Welle für die Autofahrer, die nicht beliebig unterbrochen werden sollte: „Irgendeine Gruppe leidet am Ende fast immer“, sagt Odenthal. Man gehe auch Bürgerbeschwerden und -anregungen nach, „oft sind die Leute dann zufrieden, wenn wir ihnen das Kalkül hinter einer Ampelschaltung erklären“.

Politiker Volkenrath ist indes überzeugt, dass da mehr geht. Seit Jahren kämpft er dafür, dass zum Beispiel die Schüler des Goethe-Gymnasiums mehr Zeit bekommen, die Lindemannstraße zu überqueren. „Stets heißt es da: Das ist der Lastring, da darf die Grüne Welle nicht gestört werden“, sagt er. Dabei habe die Stadt gute Rechner, mit denen Ampeln zeitlich flexibel, etwa zu Schulbeginn und -ende geschaltet werden könnten.

Immerhin: Nicht nur Bus und Bahn genießen Vorrangschaltungen, auch Radler dürfen an immer mehr Kreuzungen drei Sekunden vor den Autos los. Sie müssen nur sehr genau auf ihre kleinen Extra-Ampeln schauen. Denn manchmal zeigen die selbst für sich kreuzende Richtungen zugleich Grün an — etwa an der Graf-Adolf-/ Ecke Friedrichstraße.

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