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Düsseldorf: Wissmannstraße lieber in Boatengstraße umbenennen

Düsseldorf : Wissmannstraße lieber in Boatengstraße umbenennen

Schüler fordern eine Umbenennung der Wissmannstraße. Grund: Wissmann soll in den damaligen Kolonien Verbrechen begangen haben.

Düsseldorf. Nach der Zappa-Straße könnte Düsseldorf demnächst auch eine Boateng-Straße bekommen. Das ist zumindest der Vorschlag einer Schülergruppe der Hulda-Pankok-Gesamtschule, die sich nun mit ihrem Anliegen an die Bezirksvertretung 3 gewandt hat. „Uns geht es zunächst darum, den Namen Wissmann aus dem Straßenregister zu tilgen. Das mit der Widmung für Jerome Boateng war eine lustige Idee, die uns nach der Äußerung von Gauland gekommen ist“, schildert Timur Linden das Interesse der Zwölftklässler. „Wir würden jedenfalls lieber in der Nachbarschaft einer Boateng-Straße leben als in einer Straße, die nach einem rassistischen Kolonialoffizier benannt wurde.“

Im Geschichtsunterricht wurde das Thema Kolonialismus behandelt, und da stießen die Schüler auf den Namen Herrmann von Wissmann. „Einige von uns kannten die Wissmannstraße, und wir haben beim Stadtarchiv nachgefragt“, erläutert Jasmin Kittler den Beginn der Initiative. Das Ergebnis bestätigte den Verdacht der Gruppe.

Tatsächlich wurde die Straße 1908 nach dem Mann benannt, der den Widerstand der Afrikaner gegen die Kolonialmacht Deutschland rücksichtslos mit Waffengewalt unterdrückte. Schüler Adelsy Makuntima ist fassungslos, „Meine Eltern stammen aus dem Kongo, auch dort hat Wissmann sein blutiges Regiment geführt. Es kann doch nicht sein, dass so einer heute immer noch mit einer Straße geehrt wird.“ Vielen Anwohnern der kleinen Straße, die den Friedensplatz mit der Bilker Allee verbindet, ist gar nicht bewusst, wer der Namenspatron ihrer Straße eigentlich war. Vor zehn Jahren hatte die Fraktion der Linken schon einmal eine Anfrage zur Umbenennung gestellt. Dieser war aber im Rat an der Ablehnung von CDU und FDP gescheitert. Die Anwohnerinitiative „Friedensplätzchen“ begrüßt den neuerlichen Vorstoß. Mitglied Jens Howorka findet die Idee gut, aber ist skeptisch, ob die Politik diesmal mitzieht.

Die Fraktion der Linken hat den Antrag der Schüler gleich übernommen und will ihn in den Rat bringen. Doch der betreuende Lehrer Philipp Koep ist darüber nicht recht glücklich. „Wir haben zwar kein Urheberrecht auf den Antrag, aber wir fühlen uns politisch vereinnahmt. Die Unterstützung der Linken löst in der Kommunalpolitik dann fraktionelle Reflexe aus, die unserem Anliegen eher schaden könnten. Für uns steht im Vordergrund, dass der Name Wissmann nicht auf das Straßenschild einer toleranten, weltoffenen Stadt gehört.“

„Wir haben sicher noch die eine oder andere Altlast im Straßenregister“, räumt Thorsten Graeßner ein, der für die Grünen in der Bezirksvertretung sitzt. „Die Politik hat zunächst den Fokus auf Nazi-Verbrecher gelegt. Ich persönlich finde es gut, das Thema Kolonialverbrechen aufzugreifen. Wir können ja nicht den Türken den Völkermord an den Armeniern vorhalten und dann selbst noch solche ,Leichen’ im Keller aufbewahren.“

Und Jerome Boateng? „Aus unserer Sicht hat er in den letzten Spielen mehr für das Ansehen Deutschlands getan als Wissmann. Ich fände es toll, wenn er zur Einweihung käme und würde ihn als ,Nachbarn’ begrüßen“, meint die Schülerin Celine Berger. „Ich glaube, dass wäre ein starkes Signal gegen Rassismus und ein kleines Stück Wiedergutmachung für die Versäumnisse der Vergangenheit“, sagt Marcus Herys.