Wird Holthausen das neue Flingern?

Wird Holthausen das neue Flingern?

Nach dem „40 Grad Urban Art“-Festival gastiert mit dem „3TageRaum“ ein neues Kunstprojekt in Holthausen. Zeichen für einen Hype?

Düsseldorf. Im vergangenen Sommer initiierte der Düsseldorfer Street-Art-Künstler Klaus Klinger das „40 Grad Urban Art“-Festival in Holthausen. Angefragt hatte ihn der „Arbeitskreis Holthausen“, ein Netzwerk aus sozialen Einrichtungen im Stadtteil. Das Ziel bestand darin, Holthausen wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Foto: S. Lepke

Zwei Wochen dauerte das Festival. Klinger lud Holthausener Bürger dazu ein, mit ihm zusammen den Kamper Acker in ein buntes Bodenkunstwerk zu verwandeln. Damit wollte Klinger den Platz in einen attraktiven Ort verwandeln, ja zu einem neuen „Markenzeichen“ der Stadt machen. Es hat funktioniert. Mit Spezialfarben schufen der Künstler und die Bürger ein abstraktes Bild auf dem Asphalt, das bis heute sofort ins Auge sticht. Auch die umliegenden Stromkästen wurden farbig gestaltet. Ebenso wurden zwei Wandbilder an der Bonner Straße kreiert, eines von dem zimbabwanischen Künstler Charles Bhebe, seines Zeichens Teilnehmer an der Biennale von Venedig. Hinzu kamen öffentliche Diskussionen mit den Bürgern über die weitere Gestaltung des Platzes. Keine Frage: Das „40 Grad Urban Art“-Festival hat Holthausen belebt und eine auf Dauer sichtbare „Farbmarke“ erzeugt. Klinger wollte Holthausen aus seiner „grauen Anonymität“ herausholen.

Denn der Stadtteil im Düsseldorfer Süden gilt gemeinhin als vernachlässigt, gesichtslos, anonym. Und wenn wir uns fragen, was denn die Identifikationspunkte von Holthausen sind, kommen nur wenige zusammen: Erstmal natürlich das Henkel-Werk, das den Stadtteil geprägt hat und immer noch prägt. Als zweites der Kamper Acker, der aber als Alkoholiker-Treffpunkt verschrien ist. Als drittes die unwirtliche Nord-Süd-Verkehrsachse, die den Stadtteil zerschneidet. Hier endet die Liste der Holthausener „Highlights“ meistens.

So ging es auch Cornelius Schaper und Sabine Reimann, Initiatoren des „3TageRaums“ auf dem Kamper Acker. Auf die Frage, was sie daran reizte, ihr Kunstprojekt in Holthausen auszurichten, gesteht Schaper: „Grundsätzlich erstmal gar nichts. Und das war genau der Grund, warum wir hierher wollten.“ Sie selbst wollen erkunden, was Holthausen wirklich ausmacht und ihre Rechercheergebnisse wiederum den Besuchern vermitteln.

Ein neuer Hype um Holthausen? Das neue Flingern? Nicht auszuschließen. Denn der Stadtteil hat attraktive Seiten, wie Bürger und Bürgerinnen vor Ort betonen. Die 74-jährige Helma Baumgart etwa schwärmt von Holthausen: „Es ist grün, die Kinder können schön spielen. Man hat die Straßenbahn, die Verbindung ist super. Ich bin richtig glücklich, dass ich hier wohne.“ Sie gehört dem Arbeiter-Samariter-Bund an, der unweit vom Kamper Acker seine Niederlassung hat. Baumgart bildet zusammen mit Eva Schmitz (68), Ingrid Möller (67), Rainer Winkels (75) und Künstlerin Anne Mommertz (52) ein Team aus Spaziergangsforschern, die den Bürgern die Vorzüge Holthausens näherbringen. Mit Platzkonzerten oder „Urlaub-Performances“ mit Zelten und Planschbecken auf dem Kamper Acker.