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Wieviel Kirche braucht die Stadt Düsseldorf?

Kirche : Evangelische Kirche will es wissen: Wer braucht sie noch?

Das Projekt „Bürgergutachten“ versucht mit breit angelegten Foren, Laien und Experten neue Impulse zu setzen. Die dann Konsequenzen haben sollen.

Die einleitende Bestandsaufnahme von Superintendent Heinrich Fucks zur Lage der evangelischen Kirche fällt frustrierend aus: „Wir verlieren weiter Mitglieder, unsere Möglichkeiten, in Kontakt mit Menschen zu kommen und zu bleiben, verkürzen sich.“ Bei Presbyterwahlen in den Gemeinden gebe es meist allenfalls so viele Kandidaten wie Plätze in dem Gremium. „Und zu Gemeindeversammlungen kommen nur dann ein paar mehr Mitglieder, wenn wir eine Kirche aufgeben wollen – aber so viele Kirche haben wir gar nicht“, sagt Fucks fast sarkastisch. Und dennoch oder gerade deshalb wagt die evangelische Kirche in Düsseldorf noch einmal einen großen Wurf: Sie holt über eine breit angelegte Befragung und dann im Dialog ein Bürgergutachten ein zu der Frage: „Wieviel Kirche braucht die Stadt?“

Das ist zeit- und arbeitsaufwändig und mit rund 200 000 Euro auch teuer. „Wir wollen mit den Bürgern dieser Stadt, mit kirchennahen und kirchenfernen, getauften und ungetauften in einen intensiven Dialog kommen zur Entwicklung der Kirche und der Stadtgesellschaft“, sagt Fucks. Dies geschieht mit Hilfe eines schon in den 70er-Jahren entwickelten Beteiligungsverfahrens der Universität Wuppertal mit dem Leiter des Instituts für Demokratie- und Partizipationsforschung, Professor Hans Lietzmann. Zunächst werden nach dem Zufallsprinzip 200 Düsseldorfer für eine umfassende Befragung ausgewählt, dafür werden gerade bis zu 3000 Menschen angeschrieben. Darunter sind evangelische Christen wie Nicht-Kirchenmitglieder.

In der ersten Runde im April arbeiten dann vier „Planungszellen“ mit je 25 Mitgliedern an vier Tagen je acht Stunden mit Experten zusammen an der Entwicklung von Themen und Aufgabengebieten der Kirche: Wo soll/muss sie mehr präsent sein, wo weniger? Welche kirchlichen und sozialen Angebote werden wo benötigt? Was wünschen sich Familien mit Kindern, was Jugendliche, was ältere Menschen? Während in dieser Runde drei der vier Gruppen vor allem bürgerschaftlich besetzt sind, dominieren in der zweiten Runde im August dann die Protestanten drei der vier Gruppen, die sozusagen auch Gebrauch von ihrem Glauben machen. Auch dann geht es wieder über vier volle Tage im Haus der Kirche an der Bastionstraße. Teilnehmer können übrigens dafür Bildungsurlaub nehmen, für eine Kinder- oder sogar Haustierbetreuung wird auch gesorgt.

Längst nicht alle Themen für die „Planungszellen“ sind vorgegeben, die Teilnehmer selbst können sich verständigen, was sie bearbeiten wollen. Dass es dann auch um den Klimawandel oder die Digitalisierung gehen wird, liegt auf der Hand. Aber natürlich auch um Gott, religiöse und kirchliche Fragen, um Spiritualität und die Rolle des Sonntags. Fucks möchte nicht, dass die Kirche immer mehr ein „Kulturverein mit sozialem Engagement“ wird.

Münden soll das Ganze in einem Bericht, der am Reformationstag Ende Oktober öffentlich vorgestellt wird. Heraus kommen werde auf jeden Fall mehr als eine bloße Bestandsaufnahme, ist Fucks überzeugt: „Wir glauben, dass es wesentliche Impulse für das Verhältnis von Kirche und Stadtgesellschaft geben wird, die Konsequenzen nach sich ziehen werden.“

Auftakt: Am Donnerstag, 13. Februar, findet der „Kick-Off“ ab 19 Uhr im Plenarsaal des Rathauses statt. Nach der Begrüßung durch OB Geisel folgen  eine Einführung in das Bürgergutachten durch Prof. Lietzmann und eine Podiumsdiskussion zur Hauptfrage: „Wie viel Kirche braucht die Stadt?“ Es nehmen teil Präses Manfred Rekowski, Pfarrerin Hanna Jakobs aus Essen, Polizist Dirk Sauerborn sowie Maria Fischer vom Bund katholischer Unternehmer und Jonas Einck von der Evangelischen Jugend.