Wie Tanja Schwarzer Sicherheit aus Düsseldorf exportiert

Sicherheit : Wie Tanja Schwarzer Sicherheit aus Düsseldorf exportiert

Die Geschäftsführerin des Kriminalpräventiven Rates ist eine international gefragte Expertin. In dem Gremium laufen viele Fäden zusammen. Einer ihrer Schwerpunkte ist Gewalt unter Kindern und Jugendlichen.

Im Vergleich mit anderen Großstädten auf der Welt ist Düsseldorf eine ziemlich sichere Stadt. Wie groß der Anteil des Kriminalpräventiven Rates daran ist, kann man nicht messen. Fest steht aber, dass Düsseldorf als vorbildlich gilt, wenn es um die Koordination der verschiedenen Sicherheitspartner geht. Darum ist Tanja Schwarzer, die Geschäftsführerin des Gremiums, auch eine international gefragte Expertin. Sogar in den Vereinigten Staaten.

„Das war ein Austausch im Rahmen des Programms ‚Strong City Network’, an dem sich Düsseldorf beteiligt. Dabei geht es um die Extremismus-Bekämpfung“, erklärte sie. Insgesamt sechs Sicherheitsexperten aus NRW nahmen an der Reise nach San Diego und Anaheim teil und brachten von dort auch interessante Anregungen mit. „Es gibt in den USA so genannte ’Fusion Centers’, in denen Informationen zum Thema Extremismus gesammelt werden“, so Schwarzer, „dabei geht es unter anderem darum, wie man zum Beispiel Behörden oder die Privatwirtschaft einbeziehen kann.“ Dazu gehört zum Beispiel die Schulung der Mitarbeiter von Baumärkten, wie sie erkennen können, wenn größere Mengen eines bestimmten Materials gekauft werden, das möglicherweise einem terroristischen Anschlag dienen könnte. „Das wäre auch eine Idee für Düsseldorf“, meint die Geschäftsführerin des Kriminalpräventiven Rates, „wenn es gewünscht wird.“

Im internationalen Einsatz ist die Düsseldorferin auch beim „Europäischen Forum für urbane Sicherheit“, das sich in verschiedenen Städten wie Wien oder Brüssel trifft. In dem Rahmen plant sie zurzeit zwei Projekte, für die es auch finanzielle Unterstützung geben wird: „Wir wollen junge Leute ansprechen, die sich gegen Diskriminierung engagieren wollen. Das können Jugendliche mit verschiedenen Religionen sein oder generationsübergreifende Projekte mit Senioren. Da sind wir mit der Planung noch ganz am Anfang.“

Überhaupt ist die Präventionsarbeit in Schulen und Kitas einer der Schwerpunkte von Tanja Schwarzer. Unterstützt werden zum Beispiel Theaterprojekte wie „Faustlos“. Dabei sollen Kinder und Jugendliche lernen, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. In den Stücken „Mein Körper gehört mir“ und „Die Nein-Tonne“ der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück geht es um sexualisierte Gewalt und wie man sich dagegen wehren kann. Jungen und Mädchen sollen „Nein“ sagen lernen, wenn Grenzen überschritten werden.

Eine wichtige Aufgabe des Rates ist: Netzwerken

Eine andere große Aufgabe des Kriminalpräventiven Rates, der 1994 gegründet wurde, ist das, was man heute Networking nennt. Insgesamt 42 Mitglieder hat das Lenkungsgremium. Neben dem Ordnungsamt, das den Rat federführend leitet, sind das unter anderem verschiedene städtische Ämter, die Polizei, die Bundespolizei, die Staatsanwaltschaft, aber auch die Kirchen oder Organisationen wie die Frauenberatungsstelle oder die Bezirksbürgermeister. Schwarzer: „Das ist einfach gut, wenn man sich untereinander kennt und nicht nur telefoniert. Wir bringen die Fachleute an einen Tisch.“ Daraus entstanden zum Beispiel eine K.o.-Tropfen-Kampagne oder die Aktion „Respect for all People“, die sich an lesbische oder schwule Migranten richtet und ihnen Hilfsangebote vermitteln will. Der Rat organisiert auch Fachtagungen zu Themen wie Demokratie oder „Hatespeech“.

Die eigentliche Arbeit findet dann in den neun verschiedenen Fachgruppen statt. In der Gruppe Extremismus werden zum Beispiel Entwicklungen wie im Düsseldorfer Süden beobachtet, wo sich vor etwa zweieinhalb Jahren die rechte Bruderschaft Deutschland gegründet hat.  Andere Fachgruppen befassen sich mit Themen wie „häusliche Gewalt“, „Opferschutz“ oder „Sport und Sicherheit“.

Dass Tanja Schwarzer eine gefragte Gesprächspartnerin ist, kommt nicht von ungefähr. Denn eine Einrichtung wie der Kriminalpräventive Rat, der alle Fragen der Sicherheit koordiniert, ist in vielen Städten nicht selbstverständlich: „Das wird in den Kommunen völlig unterschiedlich gehandhabt. In Hildesheim macht das zum Beispiel ein Verein.“ Viele Städte haben ein ähnliches Gremium überhaupt nicht. Also gibt es noch viele Reiseziele für die Sicherheitsexpertin aus dem Düsseldorfer Rathaus.

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