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Wie Studieren in Düsseldorf bald auch aussehen könnte

Wie Studieren in Düsseldorf bald auch aussehen könnte

Seit dem 1. April ist Roland Schröder neuer Präsident der privaten EBC-Hochschule an der Grafenberger Allee. Für das nächste Semester will er neue Wege des Lernens entwickeln. Erste Lektion: Improvisieren.

Die Digitalisierung betrifft auch die Hochschulen. Was bedeutet das jenseits von Tablets in der Vorlesung und papierloser Verwaltung?

Roland Schröder: Ich mag das Wort Digitalisierung schon gar nicht mehr, weil es nur eine der Veränderungen ist, die die Wirtschaft erfährt. Unser Verständnis von Wandel sollte tiefer gehen, wir sollten uns anschauen, was da gerade mit der Welt passiert und was das mit uns gesellschaftlich macht.

Wie wirkt sich dieses Verständnis auf die Lehre aus?

Schröder: Wir stellen alle Studiengänge an unseren Standorten Düsseldorf, Hamburg und Berlin im Sommer noch einmal neu auf und machen agiles Lernen sowie die digitale Transformation zu einem wesentlichen Teil des Stoffs. Das heißt: Auch die Dozenten müssen sich hinterfragen und kreativ mit ihrem Fach umgehen. Wir dürfen die Transformation nicht nur hinnehmen, wir sollten sie mitmachen und Trendsetter werden.

Was bedeutet das für die Studenten?

Schröder: Unser Ziel ist es, die Studenten für die neue Welt auszubilden, ohne die alte Welt zu vergessen. Buchhaltung bleibt Buchhaltung, das müssen sie lernen. Aber die digitale Ökonomie funktioniert nicht wie die klassische Volkswirtschaft. Das Angebot ist nicht begrenzt, also gibt es auch kein klassisches Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Wie kann ein Lehrplan mit dem rasanten Wandel mithalten?

Schröder: Die Frage ist sehr berechtigt. Der Wandel ist so rasant, dass das, was man in den ersten Semestern lehrt, am Ende des Studiums schon überholt sein kann. Deshalb wollen wir neue Module wie die digitale Transformation einführen. Die Studenten sollen lernen, wie sie sich auf neue Situationen einstellen, wie sie ihre Kompetenzen weiter entwickeln und verändern können.

Wie kann man das jemanden beibringen?

Schröder: Indem Sie nicht von Traditionen her denken, sondern von Kompetenzen. Wenn wir den Lehrplan neu aufstellen, richten wir ihn nach einer Frage aus: Was muss ich mitbringen, um in der Unternehmenswelt zu bestehen? Das bedeutet in einer digitalisierten Welt vor allem, wie man Wissen nachhaltig generiert und absichert statt sich darauf zu verlassen, dass man alles nachgucken kann.

Wie sieht der Lehrplan dann im Herbst aus?

Schröder: Am Anfang wird ein Modul stehen, in dem wir Kreativität und Improvisieren lernen. Dazu gehört auch die Lektion Skeptik.

Warum?

Schröder: Studenten gehen die Dinge sehr euphorisch an. Wir müssen ihnen auch sagen, dass zur Wirklichkeit beide Seiten gehören und dass sie deshalb auch zweifeln sollen und müssen.

Wie kann man sich eine Lehrveranstaltung ab Herbst vorstellen?

Schröder: Von oben runter lehren, den Frontalunterricht, wird es nicht mehr geben. Studenten wollen partizipieren. Folglich sind wir als Dozenten weniger Wissensvermittler als Wissensbegleiter. Wir müssen den Studenten beibringen, wie sie selektieren, wie sie relevante Dinge von nicht-relevanten unterscheiden. Zu den Fähigkeiten, die wir vermitteln, gehören auch noch solche, die bisher nicht Gegenstand waren: soziale Fähigkeiten oder Führungsqualitäten.

Gibt es dann noch einen normalen Stundenplan?

Schröder: Es wird jedenfalls nicht zwingend künftig so sein, dass man montags von 10 bis 12 Uhr einen bestimmten Stoff lernt. Wir arbeiten daran, wie wir die Inhalte den Studenten grundsätzlich zur Verfügung stellen, etwa über Bewegtbild. Dieses Wissen müssen sie sich dann aneignen und die Lehrveranstaltung selbst, am Montag von 10 bis 12 Uhr, wird dann mehr Diskurs und ein Ort, an dem wir praktische Fälle behandeln.

Wie verändert das die Prüfungen?

Schröder: Ich kann mir gut vorstellen, dass das am Anfang des Studiums auch noch Klausuren sein können. Aber je weiter das Studium voranschreitet, desto mehr werden wir unternehmensgerechte Leistungen bewerten. Dann werden die Aufgaben eher an kleine Gruppen als Ganzes gestellt. Die Gruppe muss zum Beispiel eine Präsentation erstellen, für die sie alles in maximal 15 Minuten packen darf, oder einen Businessplan mit allem Drum und Dran entwickeln. Sie sehen: Dann kommt es auf Gesellschaftsrecht, aber eben auch ganz wesentlich auf Selektion und Teamfähigkeiten an.

Und der Prüfer ist dann ein Risikokapitalist?

Schröder: Ja, warum eigentlich nicht?