Wie Studenten Düsseldorf neu bebauen wollen

Stadtplanung : „Wir dürfen die Stadt nicht Bauträgern überlassen“

Wie entwickelt sich Düsseldorf in den nächsten Jahren und Jahrzehnten? Darum ging es bei einem neuen Projekt der Hochschule - Studierende und Professoren haben dazu zur Diskussion eingeladen.

Wie sieht die Stadt von morgen aus? Schon jetzt zieht es immer mehr Menschen in die größeren Städte, immer schwieriger wird es, eine Wohnung zu finden. Wie können Stadtplanung und Stadtentwicklung auf so einen Wandel reagieren? Und wie wollen die Bürger morgen eigentlich leben?

Einige Ideen, wie das Leben in der Stadt – und konkret in Düsseldorf – in Zukunft aussehen könnte, hatten Studierende zur Diskussionsveranstaltung am vergangenen Mittwoch mitgebracht. Die Veranstaltung in der Hochschule ist Teil des auf mehrere Semester angelegten Projektes „75 000 neue Wohnungen für Düsseldorf“ im Rahmen des neuen Master-Studiengangs „Civic Design“, an dem derzeit 30 Studierende unter der Leitung der Professoren Pablo Molestina, Oliver Thill und André Kempe arbeiten. Das absehbare Stadtwachstum werde dabei nicht nur als quantitative Aufgabe, also möglichst viel Wohnraum zu schaffen, gesehen, sondern sucht, nach Aussage der Beteiligten, nach stadträumlichen Potentialen.

Es sei immer schön, bei solchen Gelegenheiten Studierende ihre Arbeiten und Ideen vorstellen zu lassen, sagt Oliver Thill. Oft seien die noch sehr naiv und unschuldig – auf eine positive Art. Denn sie sind noch nicht verstellt von Machbarkeit oder anderen Grenzen, an die man bei der Umsetzung stoßen kann. Die Studentinnen Lena Katharina Bach und Franziska Niepenberg etwa haben eine „Wasserstadt am Rhein“ erdacht. Überflutungsgebiete am Rhein – in Hamm oder Himmelgeist – könnten für Wohnbebauung erschlossen werden. Die Wohnhäuser sollen so gebaut werden, dass die Viertel bei hohem Wasserstand wie von Grachten durchzogen wären. Sogar eine Verkehrsinfrastruktur mit Booten sei denkbar.

Die Studentinnen Lena Katharina Bach und Franziska Niepenberg haben eine Wasserstadt entworfen. Foto: Celina Dolgner

Monika Dittrich und Kamila Lebert hingegen haben sich überlegt, wie man Siedlungen aus den 60er Jahren verdichten könnte, um dort mehr Wohnungen unterzubringen. Laura Bertelt und Nina Schumacher haben sich dem Linksrheinischen gewidmet. Die Theodor-Heuss-Brücke als Fußgängerzone – und viel neu Gebautes in Niederkassel und Heerdt. Außerdem sollen in ihrer Vorstellung die Stadtteile besser miteinander verbunden werden.

Bei der Debatte am Mittwoch sei besonders intensiv und interessant diskutiert worden, sagt Oliver Thill. Neben den Studierenden waren auch Vertreter der Stadt und Politik sowie einige Bürger in die Hochschule gekommen. Für die Studierenden sei es immer eine gute Sache, Ideen mit der Öffentlichkeit besprechen zu können. „Dahinter steckt viel Arbeit. Bei so einer Veranstaltung bekommen die Studierenden dann auch mal etwas zurück“, sagt er. Im Juni hätten sie noch einmal die Gelegenheit, Teile der Arbeiten im Stadtmuseum vorzustellen.

Zusätzlich sei es den Professoren und der Hochschule auch wichtig, den öffentlichen Dialog anzuregen. „Die größeren Städte haben mittlerweile erkannt, dass sie in Konkurrenz mit den anderen Städten stehen“, sagt Thill. Daher bemühe man sich, die eigene Stadt attraktiver zu machen. Die Frage sei dann eben: Wie soll sich die Stadt weiter entwickeln, damit man gerne dort leben möchte? Es sei wichtig, dass Städte solche Entwicklungsprozesse proaktiv steuern, klar formulieren, was und wie sie sein wollen. „Wir dürfen die Stadt nicht den Bauträgern überlassen“, sagt Thill.

Für Architekten und Investoren sei es eine Ehre, in Düsseldorf bauen zu dürfen, findet Thill. Immerhin nehme man Teil an den guten Bedingungen, der Infrastruktur und der Qualität einer Stadt. Dafür müsse man es aus dieser Perspektive auch als Aufgabe sehen, einen Mehrwert für die Stadt und ihre Bewohner zu schaffen. „Ein freier Markt ist toll, aber die Stadt darf sich nicht einfach bespielen lassen“, sagt Thill. Sie müsse selbst eine klare Position einnehmen – und ihre Bürger dies auch von ihr einfordern.

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