Wie Regisseur Wim Wenders über Schule denkt

Bildung : Wie Wim Wenders über Schule denkt

Der Regisseur Wim Wenders hat das nach ihm benannte Gymnasium in Düsseldorf-Oberbilk besucht. Nicht alle Schüler sind schon mit seinem Werk vertraut.

An der Bekanntheit seiner Filme unter Fünft- und Sechstklässern muss Wim Wenders noch arbeiten. Ob er auch Action-Filme mache, sei der Regisseur bei seinem Besuch der nach ihm benannten Schule an der Schmiedestraße von Schülern gefragt worden. Er habe das verneinen müssen, „aber ich habe die Situation gerettet, indem ich erzählt habe, dass ich schon mal mit einem Schauspieler von ,X-Men’ zusammengearbeitet habe“, erzählt der drei Mal für einen Oscar nominierte Regisseur vor Eltern, Schülern und Medienvertretern.

An diesem Freitag ist an der Wim-Wenders-Schule kaum etwas normal. Mit dem Namensgeber sind unter anderem der Düsseldorfer Oberbürgermeister und Stadtdirektor, der Bürgermeister von Palermo und einige Journalisten zu Gast an der Schmiedestraße. Der 73-Jährige sitzt mit den genannten Personen sowie mit Eltern und Lehrern in einem leicht überheizten Klassenraum und erzählt, wie es sich anfühlt, Namensgeber eines Gymnasiums zu sein. Er habe zunächst gezögert, als der Wunsch an ihn herangetragen wurde, so Wenders. Schließlich bedeute der Name ja auch Verantwortung. Doch nach einem Treffen mit Schulleiterin Antonietta Zeoli und Schülern habe er sich gesagt: „Das mache ich, weil Lernen ist eines der tollsten Dinge im Leben.“

Es ist einer von vielen Sätzen, in denen Wenders die Bedeutung von Schule hervorhebt. Er selbst, erzählt er mit ruhiger Stimme, sei in Urdenbach zur Grundschule gegangen, die damals noch Volksschule hieß. „Das war eine tolle Zeit, doch sie hörte mit einem kleinen Trauma auf“, so Wenders. Und wer erwartet, dass nun Geschichten über mobbende Mitschüler oder ungerechte Lehrer folgen, der wird überrascht: Er sei aufs Gymnasium gekommen und habe einfach niemanden gekannt.

Wenders ging in Benrath aufs Gymnasium

Das Gymnasium, das er in den 50er Jahren besuchte, war das Schloss-Gymnasium, das damals im Schloss Benrath untergebracht war. „Ein traumhaftes Gymnasium“, sagt Wenders. Sein Schulweg habe durch den Schlosspark geführt. Und dann erzählt er die Anekdote, wie er mit François Mitterrand im Élysée-Palast seinen Film „Paris,Texas“ geschaut hat. Er habe auf einem Gemälde Schloss Benrath entdeckt und dem französischem Präsidenten erklärt, dass in seinem Amtssitz ein Bild seiner Schule hänge. „Meine Schulzeit war die beste Zeit in meinem Leben“, sagt Wenders.

Die Schule der Gegenwart stehe vor ganz anderen Herausforderungen als noch zu seiner Jugend. „Die Schule muss heute vor allem Sozial- und Medienkompetenz vermitteln“, sagt Wenders. Er mache sich Sorgen, dass Kinder zu früh Dinge wahrnehmen, die sie noch nicht verarbeiten können. Mit seiner in Flingern angesiedelten Stiftung entwerfe er bereits Unterrichtsmaterial.

Auch mit den Neubauplänen für „sein“ Gymnasium an der Schmiedestraße habe er sich schon befasst. Er hoffe, dass diese Phase für die Schüler reibungslos vorüber gehe – schließlich werde ihr alter Lernort abgerissen. Nach den Unterrichtsbesuchen und Gesprächen steht für ihn fest: „Ich komme wieder.“

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