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Wie man Fahrangst überwinden kann

Psychologie : Wie man Fahrangst überwinden kann

Interview Simone Morawietz ist Heilpraktikerin und Coach. Sie hilft Menschen, für die Autofahren nur noch Stress bedeutet.

Es gibt immer mehr Menschen, die unter Fahrangst leiden. Sie vermeiden entweder Autobahn-Fahrten oder fühlen sich im wachsenden Stadtverkehr unsicher und gestresst. Im schlimmsten Fall bekommen sie Panikattacken am Steuer. Und trauen sich schließlich nur noch bestimmte Strecken oder gar nicht mehr zu fahren. Ein Problem, von dem Simone Morawietz vor zehn Jahren immer häufiger hörte. Damals machte die heute 44-Jährige eine Ausbildung zur Fahrsicherheitstrainerin. Die gebürtige Düsseldorferin überlegte sich, wie sie Menschen helfen könnte, diese Angst zu überwinden. Denn nach einem BWL-Studium hatte sie umgesattelt. Morawietz ist ausgebildete Heilprakterin mit dem Schwerpunkt Psychotherapie. Wir sprachen mit ihr in ihrer Praxis an der Kaiserstraße. Wobei sie klarstellt, dass es bei Fahrangst kein Patentrezept gebe, sondern eine sehr individuelle Herangehensweise.

Frau Morawietz, Sie sprechen Menschen an, die gar nicht mehr oder nur sehr angespannt und ängstlich Auto fahren. Wer sucht Ihren Rat?

Simone Morawietz: Es sind mehr Frauen als Männer, die in die Praxis oder zu meinen Vorträgen beispielsweise in der Volkshochschule kommen. Viele Menschen sprechen nicht gerne über ihre Fahrangst, Männern fällt das noch schwerer als Frauen.

Sind es Fahranfänger oder ältere Menschen, die zu Ihnen kommen?

Morawietz: Auch. Aber die meisten sind Anfang 30 bis Mitte 50 Jahre alt. Viele hatten in der Vergangenheit keine Angst zu fahren und sind auch viel gefahren.

Ist ein Unfall oft Auslöser für die innere Sperre, sich ans Lenkrad zu setzen?

Morawietz: Selten. Meistens haben die Betroffenen nichts Schlimmes erlebt. Dann muss man die Ursachen erforschen.

Sie machen dies in einem kostenlosen Erstgespräch, das immer in Ihrer Praxis stattfindet.

Morawietz: Ja, man muss Detektiv spielen. Oft hat die Fahrangst auch mit der gesamten Lebenssituation des Betroffenen zu tun. Die Fahrkompetenz ist ja da, aber das Problem betrifft die mentale Ebene.

Was belastet die Betroffenen?

Morawietz: Manche machen sich einen Kopf, was im Straßenverkehr alles Schlimmes passieren könnte. Dadurch blockieren sie sich total. Doch daran kann man arbeiten, darüber reden, dass die Schlussfolgerungen zu übertrieben sind.

Welche Situationen fürchten die Autofahrer?

Morawietz: Es sind ganz unterschiedliche. Manche Leute haben Angst, auf der Autobahn von einem Lkw übersehen zu werden. Manche fürchten bei einer Panikattacke auf der Autobahn keine Fluchtmöglichkeit zu haben, wenn beispielsweise ein Standstreifen fehlt.

Wer eine solche Panikattacke erlebt hat, traut der sich überhaupt noch zu fahren?

Morawietz: Ja, aber ich kenne viele, die dann bestimmte Strecken nicht mehr gefahren sind oder die neue, ihnen unbekannte Strecken, ganz vermeiden. Doch dann denken sich viele: So geht das nicht weiter.

Haben Sie ein Beispiel aus Ihrer Praxis?

Morawietz: Ja, ein Außendienstler kam zu mir. Er hatte Angst auf Autobahnen zu fahren und fuhr nur noch über Landstraßen. Dadurch war er für seinen Job viel mehr Stunden unterwegs als nötig, manchmal mehr als drei täglich. Das schränkte ihn sehr ein.

Wie können Sie die Probleme angehen, wenn Sie die Gespräche mit den Betroffenen führen?

Morawietz: Ich gehe mit den Klienten gemeinsam die Situation durch. Dadurch finde ich heraus, welche Herangehensweise und Techniken die richtigen für den Betroffenen sind. Das ist höchst individuell. Außerdem lösen wir mentale Blockaden auf. Und üben z.B. Entspannungstechniken gemeinsam in sicherer Umgebung ein.

Sie führen aber nicht nur Gespräche mit Ihren Klienten.

Morawietz: Richtig. Im zweiten Schritt beginnt das Fahrtraining. Ich fahre zu den Betroffenen nach Hause und nehme dann als Beifahrerin in ihrem Fahrzeug Platz.

Wo findet das Fahrtraining dann statt?

Morawietz: Wir fahren Strecken ab, die für die Leute entscheidend sind. Stellen, an denen sie besonders ängstlich sind, zum Beispiel Autobahnauffahrten. Es ist wichtig, dass der Klient viele positive Erfahrungen sammelt. Dafür sind dosierte Schritte im Fahrtraining grundlegend. So können viele nach kurzer Zeit auch (wieder) eigenständig fahren. Meine Arbeit steht unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“. Vielen hilft ein Beifahrer. Oft ist das allerdings mit dem eigenen Partner schwierig.

Wie lange dauert so ein unterstützendes Coaching mit Ihnen?

Morawietz: Das ist sehr unterschiedlich und sehr individuell. Manchmal merke ich schon nach dem ersten Gespräch, dass jemand nur ein paar Fahrstunden und Praxis braucht. Hier arbeite auch ich mit einer Fahrschule zusammen. Ich biete Gesamtpakete an. Manche benötigen nur einen kleinen Schubs, um sich das Autofahren wieder zuzutrauen. Andere, die schon eine Panikattacke im Auto erlebt haben, brauchen möglicherweise eine Psychotherapie, weil ganz andere Ursachen der Angststörung zu Grunde liegen.

Und was zahlt man für Ihre Unterstützung?

Morawietz: Nach dem ersten kostenlosen Beratungsgespräch mache ich mit den Klienten einen Paketpreis aus. Auch das ist sehr individuell, deshalb kann ich keine Zahlen nennen.

Wie sind die Rückmeldungen Ihrer Kunden?

Morawietz: In den meisten Fällen positiv. Die Menschen lassen mich ja sehr nah ran an ihre Ängste und für mich ist es ein Geschenk, wenn ich ihnen helfen konnte. Viele meiner Klienten sind froh, dass sie das Fahrangst-Problem angegangen sind. Ihr Leben hat sich dadurch verändert. Manche haben sogar wieder Spaß am Autofahren. Es ist wirklich entscheidend, dass man selbst etwas gegen die Fahrangst tut. Tut man nichts, verändert sich nichts und es wird eher schlimmer.

Fahren Sie selbst gerne?

Morawietz: Ich verzichte zwar in der Stadt auch auf das Auto, aber ja, ich fahre sehr gerne. Am liebsten lange Strecken und ich höre dabei Musik.

www.fahrangstcoach.de