Wie in einem Blumenladen in Düsseldorf der Generationswechsel gelingt

Porträt : Generationswechsel im Benrather Blumenladen

Erika Isensee hat 40 Jahre in ihrem Geschäft gearbeitet. In Verena Schneider hat sie eine Nachfolgerin gefunden. Und gefühlt auch ein neues Familienmitglied.

Einfach ist der Abschied Erika Isensee ganz und gar nicht gefallen. Immerhin hat sie schon seit fast 40 Jahren hier gearbeitet, seit knapp 30 Jahren auch als Inhaberin. Doch irgendwann sei es eben mal Zeit, einen Schnitt zu machen. Und immerhin gibt es eine Nachfolgerin, bei der sie ihre Kunden gut aufgehoben weiß. Denn auch sie ist kein unbekanntes Gesicht.

Der Laden ist schmal und überschaubar. Viele bunte Blumen, Gestecke und Töpfchen stehen draußen und in der vorderen Ecke hinter dem Schaufenster. Ein Gang, am Ende Kühlraum und Tisch – das ist alles. Und doch läuft der Laden seit vielen Jahren. Erika Isensee, heute 68 Jahre alt, hat im Jahr 1980 hier angefangen. Das Haus an der Hauptstraße 26, in dem der Laden ist, ist ihr Elternhaus. Früher hat sie oben gewohnt.

„Am Anfang habe ich hier nur einen Tag pro Woche gearbeitet“, sagt sie. Das sei praktisch gewesen. Die Töchter waren oben bei Oma, unten wurde gearbeitet. Dabei ist Erika Isensee keine gelernte Floristin: Ursprünglich hat sie bei der Sparkasse gelernt. Doch für die bunten Gestecke konnte sie sich schon immer begeistern.

1989 übernahm Isensee dann den Laden von ihrer Vorgängerin. „Die Fähigkeiten habe ich mir über die Zeit abgeschaut und angeeignet“, sagt sie. Damals, am Anfang, hätten die Leute noch ganz andere Dinge gekauft, eher Bundware. 30 Rosen, 20 Nelken. Doch Erika Isensee fing irgendwann an, Sträuße vorzubereiten und vorn zu präsentieren. „Erst waren viele skeptisch. Mittlerweile fragen sie nach, wenn die Sträuße ausverkauft sind.“

Seit 2005 kennt Isensee ihre Nachfolgerin bereits

Doch dass sie den Laden nicht ewig behalten würde, das wusste Erika Isensee. Deshalb machte sie sich Gedanken über ihre Nachfolge. Und da kam Verena Schneider ins Spiel. 2005 kam die Idee, einen Ausbildungsplatz zu stellen. Da steckte Verena Schneider noch in einer Erzieherausbildung, die ihr nicht sehr gefiel. „Ich wusste nicht so recht, was ich machen will. Einen ganz genauen Traumjob hatte ich nie“, sagt sie. Weil sie immer kreativ arbeiten wollte, schlug die Berufsberatung die Ausbildung im Blumenladen vor.

Und dort hat es schnell gefunkt. „Sie hat hier angerufen und war auch sofort bereit, mal vorbeizukommen“, erinnert sich Erika Isensee. Bis es an die Ausbildung ging, dauerte es aber noch. Denn Erika Isensee war ja keine Floristin. Da sie aber lange genug in diesem Beruf gearbeitet hatte, kam der Floristenbrief doch noch und es konnte losgehen.

14 Jahre arbeiten die Frauen nun schon zusammen. Und auch wenn sie auf den ersten Blick sehr unterschiedlich scheinen, so seien sie doch von Anfang an ein gutes Team gewesen. „Wir müssen gar nicht viel sprechen, wir verstehen uns auch so“, sagt Verena Schneider. Das Verhältnis zwischen den beiden sei immer gut gewesen. Immerhin hätten sie auch viel Zeit zusammen verbracht, denke man mal an die arbeitsreichen Zeiten vor Feiertagen oder dem Muttertag, wo jeder einen schönen Strauß oder ein Gesteck braucht.

Verena Schneider gehört mittlerweile auch schon so ein bisschen zur Familie. Die 33-Jährige ist im Alter von Erika Isensees Töchtern, halte schon mal die Oma bei Laune. Und nun übernimmt sie eben für Isensee den Laden. Dass es wahrscheinlich irgendwann dazu kommt, wurde ihr schon ganz am Anfang angekündigt. „Da wurde ich so gedrillt, dass ich das Geschäft auch irgendwann übernehmen kann“, sagt sie und schmunzelt.

Überhaupt habe sie schon immer sehr selbstständig arbeiten dürfen, habe auch schon den morgendlichen Einkauf erledigt und die Buchhaltung übernommen, wenn die Chefin im Urlaub war. So verändert sich für sie erstmal nicht so viel. Die Abläufe kennt sie gut – und auch die Kunden. Ob sie in Zukunft auch Dinge am Laden verändern will, weiß sie jetzt noch nicht so genau.

Und auch auf ihre alte Chefin muss sie noch nicht ganz verzichten. „Ich komme schon immer wieder mal vorbei“, sagt die. Sich nach so langer Zeit zu trennen, sei nicht einfach. „Ich habe meinen Beruf geliebt und jeden Tag mit Freude und Stolz die Tür meines Ladens geöffnet“, sagt Erika Isensee. Dass sie nun den kleinen Blumenladen in die nächste Hand geben kann, macht den Abschied aber ein wenig leichter.

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