1. NRW
  2. Düsseldorf

Wie im Capitol in Düsseldorf eine Reise ins Reich der Schatten gelingt

Theater : Eine Reise ins Reich der Schatten

Das Tanztheater Catapult zeigte am Sonntagabend mit seiner Show „Magic Shadows“ im Capitol-Theater, wie Körper zu Schattenbildern werden können.

Schattenspiele, das kennen viele noch aus der Kindheit. Wenn aus zwei übereinanderliegenden Handflächen im Lichtschein einer Lampe der Umriss eines Krokodils an der Wand entstand oder aus zwei gespreizten an den Daumen aneinandergelegten Händen ein Vogel. Über solche Kinderspiele sind die sechs Frauen und zwei Männer von Catapult längst hinaus. Wenngleich so mancher Schattenriss, den sie auf die Bühne brachten, noch an zaghafte Versuche aus Kindertagen erinnerte.

Vor der Show zeigten sich die Akteure dem Publikum. Alle trugen enganliegende Sporthosen und die Frauen entsprechende Oberteile, während die beiden männlichen Ensemble-Mitglieder sich oben ohne präsentierten. Kein zu weit geschnittenes Textil sollte die Schattenbilder stören.

Der ersten Hälfte des Abends hatte das Tanztheater verschiedenen Themenwelten gewidmet, wie den vier Jahreszeiten. Passend zum Frühling hüpften Frösche über die Bühne, blühten Tulpen auf und flatterte ein Schmetterling durch die Luft. Dabei bewiesen die Künstler Humor, als sie eine Entenmama mit ihrem Nachwuchs über einen Teich dümpeln ließen, frei nach dem Kinderlied „Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh‘“.

Für den Sommer nahm die Gruppe das Publikum mit in eine Unterwasserwelt, bevölkert mit Delfinen, Quallen und Tintenfischen. Sie stellte Schwimmszenen nach und natürlich tauchte irgendwann die markante dreieckige Finne eines Hais auf. Für den Herbst wuchs ein kleiner Kürbis zu einer Halloween-Laterne heran und im Winter gaben sich Pinguine, Eisbären und ein Schneemann ein Stelldichein.

All diese Szenen wechselten in schnellen Abfolgen. Die Tänzer waren ständig in Bewegung und bereisten im folgenden Themenblock die Welt, mit Stationen in Indien, Venedig, Paris, China und Afrika. Passend zu jedem Land stellten sie mit ihren Körpern mal den Eiffelturm nach, wurden zu Elefanten oder zur vielarmigen hinduistischen Göttin Kali, Sinnbild für Zerstörung und Erneuerung.

Theaterbilder von der Mondfahrt bis zu Mozart

Ein Highlight war sicherlich die Reise zum Mond mit der aus Körpern im Schattenriss dargestellten Landefähre Eagle, der stilecht ein Astronaut entstieg.

Choreograf Adam Battelstein ließ seine Tänzer für eine James Bond Persiflage in atemberaubendem Tempo Szenenbilder verändern. Der US-Amerikaner zeichnete vor „Magic Shadows“ bereits als Creative Director und Dance Master des erfolgreichen Schattentheaters „Shadowland“ verantwortlich, das er 2009 mit gegründet hat.

War der erste Teil der Show geprägt von Schattenbildern, die mal Tiere, mal Pflanzen oder Hubschrauber und Dampfloks darstellten, ging es im zweiten Teil um den erzählenden Moment.

Das Ensemble entführte die Zuschauer ins Salzburg zu Mozarts Zeit. Genauer in dessen Geburtshaus, das nicht nur seiner Familie ein Dach über dem Kopf bescherte, sondern auch einer Mäusefamilie. Der Nagernachwuchs hatte, ähnlich wie Klein-Wolfgang Amadeus Ambitionen, ein großer Pianist zu werden. Aus dem Off wurde die Geschichte der Freundschaft zwischen „Mouzart“ (dem Mäuserich), dem Musik-Genie und eines talentierten Mädchens aus der Nachbarschaft, das nicht Musik machen darf, erzählt. Die tänzerische Darstellung stand dabei mehr im Vordergrund als auf den vorher so mitreißend gesehenen Schattenfiguren. Ein wenig erinnerte die Inszenierung an das Wayang, das klassische Schattentheater, wie es beispielsweise aus Indonesien bekannt ist. Dabei werden Papierfiguren oder Marionetten dazu verwendet, Mythen und Märchen zu erzählen.

Die zweite Hälfte der Show ist eher etwas für Kinder

Zwar gab es auch hier Möbel, Instrumente oder auch Häuser, die vom Ensemble nachbildet wurden, doch vor allem wurde eben getanzt. Die Erzählung zog sich dabei ziemlich in die Länge und die Bilder wiederholten sich. Sehr schade, denn zwischenzeitlich traten die Künstler auch einmal vor die Leinwand und zeigten mit Hilfe eines speziellen Strahlers eine Lichtinszenierung, die einen kleinen Eindruck davon vermittelte, was ansonsten hinter der Leinwand passierte.

Fazit: Die erste Hälfte war das, was man von einer Show wie „Magic Shadows“ erwartet und sich wünscht. Die zweite Hälfte wäre eher etwas für ein Kinderpublikum gewesen.