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Wie Heinz Helfgen mit Rad von Düsseldorf aus die Welt erkundete

Menschen aus Düsseldorf : Auf den Spuren des Fahrrad-Globetrotters Heinz Helfgen

Vor 70 Jahren fuhr Heinz Helfgen an der Engelbertstraße los, um die Welt zu umrunden. Erst 28 Monate später kehrte er zurück.

Heinrich Johann Helfgen, genannt Heinz, war ziemlich sportlich, so viel steht fest. Er hat Fußball gespielt und kletterte gerne, hat als Sportlehrer gearbeitet und hätte nach eigener Aussage fast an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin im Zehnkampf teilgenommen. Ob das und einiges andere so stimmt, sei dahingestellt. Aber verbürgt ist vor allem eines: Heinz Helfgen hat eine Art Weltumrundung absolviert – auf dem Fahrrad, einem simplen Reiserad der Marke Patria WKC mit drei Gängen.

Im September 1951 brach er im Alter von 41 Jahren mit 3,80 Mark in der Tasche, so zumindest hat er es später erzählt, und 15 Kilo Gepäck an der Engelbertstraße 27 in Flingern auf, im Dezember 1953 kehrte er aus Brasilien zurück. Darüber hat er zwei Reisebücher („Ich radle um die Welt“) geschrieben, die waren in den 50er Jahren der Renner, die Auflage lag bei 600 000 Stück.

Hans Bernd Jerzimbeck will an Helfgens Denkmal gar nicht rütteln. Aber es haben sich seiner Meinung nach Ungenauigkeiten, vielleicht sogar Unwahrheiten in die Biografie des Reiseschriftstellers eingeschlichen, gerade was die Vorgeschichte des gebürtigen Saarländers betrifft. Hatte er wirklich einen Doktor? „Ich glaube nicht, er hat den Titel frei erfunden“, sagt Jerzimbeck – um nur ein Beispiel zu nennen. Zumindest den Wikipedia-Eintrag würde er gerne überarbeitet wissen.

Der Unterrather möchte alle ihm zur Verfügung stehenden Dokumente wissenschaftlich auswerten, und er hat so einiges auftreiben können. Jerzimbeck hat auch Kontakt zur Erbengemeinschaft aufgenommen. Und sollte er am Ende wirklich ausreichend Material zusammenbekommen, kann es auch mehr werden als nur eine Internet-Korrektur. Eine Biografie, ein Buch über Heinz Helfgen? „Gegenüber den Archiven musste ich mich oft darauf festlegen, wozu ich die Recherche betreibe. Ich habe mich auf ein selbstständiges Buchprojekt festgelegt, in dem Recherche ein Ausgabeposten in Bezug auf das Finanzamt ist“, sagt der 66-Jährige.

Heinz Helfgen sah sich selbst als Abenteurer, Globetrotter. Er war bisweilen aufbrausend, konnte aber immer gut auf Menschen zugehen. So machte er im Verlauf seiner Reisen die Bekanntschaft von Tito und Ernest Hemingway, dem König von Vietnam und dem Dalai Lama. Er schloss sich nach dem Studium 1927 der Fremdenlegion an, weil er sich vom Vater nicht akzeptiert fühlte. Er heiratete 1933 Kunigunde, trat wohl schon früh der NSDAP bei, distanzierte sich aber später in einem Zeitungsartikel davon – und wurde verhaftet. Nach seiner Freilassung arbeitete er als Journalist, wurde dann zur Wehrmacht eingezogen. Er geriet 1943 in Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde. Und Helfgen begann wieder, als Autor und Reiseschriftsteller zu arbeiten. Diese Eckdaten sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, sind sie doch auch Bestandteil der Recherchen von Hans Bernd Jerzimbeck.

Ob alles so hundertprozentig zutrifft, was Helfgen im Zuge seiner Weltreise auf dem Rad und den zurückgelegten 40 000 Kilometern an Abenteuern so erlebt haben will, muss man vielleicht gar nicht so eng sehen. Einem Autor müssen ja auch gewisse Freiheiten zustehen. Demnach war er auf Wüstenstraßen und Sumpfstrecken, verschneiten Gebirgspässen und im glühend heißen Dschungel mit dem Rad unterwegs, neben Berglöwen und Leoparden lauerten ihm stets Räuber auf, auch die Amöbenruhr überlebte er.

Helfgen nächtigte frierend im Zelt, aber ebenso in vornehmen Bungalows von Gouverneuren oder in Palästen von Maharadschas. Er hat mit Einheimischen geraucht und gezecht. Denn das bestätigt auch Jerzimbeck: „Er hatte ein einnehmendes Wesen, hat das Gespräch gesucht – und wurde meistens empfangen.“ Helfgen schrieb das alles im Stile eines Karl May nieder, er hatte aber ebenso journalistisches Gespür. Denn die Frankfurter Abendpost, eine Boulevardzeitung, druckte seine Reiseberichte ab – was ihm und vor allem seiner Frau, seinen beiden Töchtern und dem Sohn – Gudrun, Sigrun und Ortwin – zu Hause in Düsseldorf Geld einbrachte.

Alle Länder zu benennen, die Helfgen durchquert hat, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Von Düsseldorf ging es über Zagreb und Belgrad nach Istanbul und Ankara. Er war in Bagdad und Haiderabad, Bombay und Kalkutta, Rangun, Pnom Penh und Saigon. Er hat Hongkong und Tokio gesehen. In den USA waren unter anderem San Fransisco, Las Vegas und Los Angeles seine Ziele. Über Dallas und New Orleans ließ er sich nach Habana und Kingston übersetzen. In Südamerika radelte er von Caracas durch die „grüne Hölle“ nach Manaos, in Belem endete die Reise und er bestieg ein Schiff in Richtung Heimat. Eine Zeit lang konnte die Familie ganz gut von den Einnahmen der Bücher leben. Dann zog es ihn wieder hinaus in die weite Welt. Er trampte zum Nordpol und folgte der Spur entlang der Wüste. Doch der ganz große Erfolg sollte sich nicht mehr einstellen. Heinz Helfgen starb 1990 mit 80 Jahren in Völklingen.