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Wie ein Labor in Düsseldorf schmerzfreien Sport ermöglichen will

Fitness : Richtig bewegen – damit es nicht wehtut

Wer mit Sport anfangen will, kann sich durchchecken lassen. Im Bewegungslabor wird so eine Inspektion angeboten. Ein Versuch.

Wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2018 feststellte, dass sich mehr als ein Viertel der erwachsenen Weltbevölkerung zu wenig bewegt, dann gehöre ich auf jeden Fall dazu. Und doch packt mich die Motivation immer wieder mal. Die Joggingschuhe von anno dazumal werden aus dem Schrank geholt und eine Runde im Park gedreht. Doch schon nach wenigen solcher Ausflüge melden sich dann die Knie.

Das ist eine Geschichte, die Orthopäde und Sportmediziner Dr. Markus Granrath von vielen Patienten hört. Doch der Grund müssen nicht kaputte Gelenke sein. Denn wer die meiste Zeit bequem vor dem Bildschirm sitzt und auch sonst wenig in Bewegung ist, kann normale Bewegungsabläufe verlernen. Es kommt zu Fehlhaltungen und in der Folge zu Beschwerden. Doch dagegen kann man etwas tun. Übungen und langsam herantasten.

Seit Mai 2018 gibt es in der Gemeinschaftspraxis an der Königsallee ein Bewegungslabor. Dort gibt es ganz unterschiedliche Messmethoden, mit denen die Defizite in verschiedenen Bewegungsabläufen festgestellt werden können. Eine gute Gelegenheit, um Sport und Knie doch noch in den Griff zu bekommen.

Ganz oben über der Praxis wartet bereits Sportwissenschaftlerin Anna Lambertz im Labor. In einer Ecke gibt es ein Laufband, auf dem Boden eine dunkle Fläche. Beides dient der Ganganalyse. In einer anderen Ecke ist ein Gerät mit verschiedenen Hebeln. Auch Bälle liegen dort bereit. Doch ich soll erst einmal ein paar Stellen an den Beinen frei machen. Die Sportwissenschaftlerin legt dort Elektroden an, mit denen die Muskelaktivität gemessen werden soll. „Da stellen wir fest, wann der Muskel wie aktiv ist. Wie kräftig er ist, misst man aber an einem anderen Gerät.“

Mit kleinen Kästchen über den Knien, an der Wade, auf den Füßen und am Steißbein über dem Hosenbund geht es dann zuerst auf eine kleine Fläche auf dem Boden, auf dem zwei Fußabdrücke abgebildet sind – so kann das Gerät eingestellt werden – und dann aufs Laufband. Komisch, so unter Beobachtung loszujoggen. Zur Entspannung gibt es ein bisschen Musik.

Und dann tauchen auf Anna Lambertz Bildschirm schon die ersten Daten auf. „Wir können hier eine Riesenmenge Daten sammeln. Deshalb ist es wichtig, vorher den Fokus auf eine bestimmte Sache zu legen“, sagt sie. Die verschiedenen Graphen zeigen an, wann welcher Beinmuskel aktiv ist. Wenn alles ok ist, sollten die Kurven bei beiden Beinen gleichmäßig sein. Gibt es hier einen Unterschied, kann das ein Hinweis auf die Ursache von Beschwerden sein. Außerdem gibt es im Ablauf eines Schrittes Phasen, in denen die Muskeln entspannt sein sollten. Auch wenn es hier Abweichungen gibt, sollte man genauer hinsehen.

Aber nicht nur die Sensoren, die auf meine Beine aufgeklebt sind, messen meinen Gang – auch das Laufband prüft, wie ich auftrete. Um meinen typischen Gang zu analysieren, muss ich eine Weile laufen – da nicht jeder Schritt gleich ist, soll so eine Art Durchschnitts-Bild entstehen. Nach dem Laufband geht es für mich auch noch auf die dunkle Fläche auf dem Boden. Hier können besonders die, die kein Laufband gewöhnt sind, ihren ganz normalen Gang testen lassen. Denn man läuft einfach weiter über den Fußboden und dann über die Sensoren. Insgesamt entsteht so ein dreidimensionales Bild von jedem Schritt, das auch auf dem Bildschirm von Anna Lambertz mit einem kleinen Männchen dargestellt wird.

Die große Datenfülle auf dem Computer ist nun nicht auf den ersten Blick zu fassen. Doch eine Ahnung hat die Sportwissenschaftlerin schon. An den Waden und am Becken gibt es Nachholbedarf. Ein paar Abweichungen zwischen den beiden Beinen gibt es auch. Aber für die genaue Analyse muss ich noch ein wenig Geduld haben.

Einige Übungen können Helfen, die Beschwerden zu lindern

Eine Weile später liegt dann eine E-Mail in meinem Postfach mit drei Dateien. Gang, Report und Übungsbeispiele heißen die. In der ersten finde ich viele bunte Bilder und Kurven. Normalerweise besprechen die Mitarbeiter diese mit den Patienten, ein paar Dinge sind aber auch so verständlich. Wo liegt der meiste Druck auf den Fußsohlen? In welcher Phase eines Schrittes liegt wo die Aktivität? Und wie verhalten sich die Beine zueinander?

Im Report wird das dann genauer erklärt und Empfehlungen ausgesprochen. Etwa Dinge genannt, die ich mit meinem Arzt abklären sollte. Außerdem in Worten zusammengefasst, welche Erkenntnisse Anna Lambertz aus den Daten schließen kann. Aus der Messung und den Gelenkwinkeln etwa. Zudem Hinweise auf Übungen, die ich machen kann. Die sind in der dritten Datei genau mit Fotos genau erklärt. Damit es also bei mir mit dem Sport ohne Schmerz losgehen kann, habe ich nun einige Hausaufgaben vor mir.