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Wie ein Düsseldorfer über die Mode plötzlich Influencer wurde

Mode : Düsseldorfer Influencer: Erst war da die Mode, dann kam Instagram

Kai Schmedes ist Influencer. Doch mit seinen Bildern in den Sozialen Medien Geld zu verdienen, war eigentlich nicht sein Plan.

Eine Suche nach dem Hashtag „Düsseldorf“ bei Instagram liefert etwa 415 000 Ergebnisse. Da sind Stadtansichten, klassische Touristenfotos, Privates, Inspirierendes – aber zwischendrin auch oft Fotos von jungen Menschen in modischen Outfits, die gedankenverloren die Königsallee entlanggehen oder am Burgplatz posieren. Einer davon ist Kai Schmedes. Dafür, dass er diese Bilder ins Internet stellt, bekommt er Geld – zumindest für manche der Bilder.

Bei Kai Schmedes sind es aktuell etwa 28 000 Menschen, die seinem Instagram-Profil folgen. Damit gehört er zu den sogenannten Mikro-Influencern – das sind die, mit mehr als 10 000 aber weniger als 100 000 Followern. Und die sind momentan besonders beliebt bei Firmen und Marken, wie verschiedene Studien und Fachmagazine feststellen. Denn beim Influencer-Marketing geht es um Authentizität, um Werbung durch Mundpropaganda – so wie unter Freunden. Und wie gut befreundet ist man schon mit einer Million oder mehr Nutzern?

Dass er einmal Influencer wird, das war ursprünglich nicht der Plan von Kai Schmedes. Schon seit er 16 Jahre alt war, hat der heute 29-Jährige in Bekleidungsgeschäften als Verkäufer gearbeitet – auch, um seine modischen Wünsche bezahlen und erfüllen zu können. Auch nach dem Abi und einer Ausbildung im Einzelhandel ist er in dieser Branche geblieben. Und das immer gut angezogen. „Wenn du als Verkäufer gut angezogen bist, vertrauen dir die Kunden eher, dass du stilsicher bist“, sagt Schmedes. Und im Endeffekt ist es ja auch genau das, was er als Influencer macht.

Sein Stil sei auch im Freundeskreis immer aufgefallen. „Mach doch mal ein Foto und poste das im Internet“, hieß es da immer wieder – und daraus ist dann auch sein Instagram-Account entstanden. Dort gibt es heute eine Mischung aus Bildern in Anzügen oder im Freizeit-Look, mal aus Düsseldorf, mal von Reisen. Geld verdient er damit nicht immer. Manche der Bilder zeigen seine normalen Outfits, immer wieder ist dazwischen auch mal eines, bei dem er für das Tragen bestimmter Kleidungsstücke auf dem Bild bezahlt wurde. Seine Social-Media-Aktivitäten sind finanziell nicht sein einziges Standbein – er arbeitet weiter in der Modebranche.

Das ist seine bewusste Entscheidung, sagt Kai Schmedes. „So habe ich einfach weniger Druck.“ Denn manche Influencer, so sagt er, nehmen viele Kooperationen an – und haben dann vielleicht einen weniger definierten Stil. „Da gibt es welche, die haben vielleicht mehr als eine Million Follower – aber dann irgendwie auch immer das gleiche an.“ Er könnte mehr Erfolg damit haben, vermutet er, wenn es eine höhere Priorität in seinem Leben einnehmen würde. Aber auch mal abzuschalten, das sei ihm dabei wichtiger.

Dass die Bilder gut aussehen, ist natürlich wichtig. Trotzdem sind die im Regelfall nicht professionell geknipst, sonder mit der Handykamera – von Freunden und Kollegen, so wie von Anfang an. Je mehr Bilder aufgenommen wurden, desto besser wurde irgendwann sein Gefühl dafür, was gut aussieht. Mal von der Seite, ein bisschen dynamisch in Bewegung, mal mit Lächeln, mal ohne. „Ich habe dann irgendwann versucht, bestimmte Marken mehr hervorzuheben“, sagt Schmedes. Irgendwann seien dann Agenturen auf ihn zugekommen – denn Influencer Marketing funktioniert oft über solche Büros, die zwischen Influencern und Firmen vermitteln

Oft funktioniere das dann so: Die Firmen schlagen ihm eine Reihe von Produkten vor, aus denen er sich die aussuchen kann, die zu ihm passen. Dann wird verhandelt, wie viele Fotos oder sogenannte Stories (Beiträge, die nach 24 Stunden wieder verschwinden) er mit den jeweiligen Produkten veröffentlichen soll – und wie viel er dafür bezahlt bekommt. Wie viel das ist, das richtet sich nach der Reichweite des jeweiligen Influencers. Bei den ganz großen, wie etwa „Bibisbeautypalace“, die mit 5,5 Millionen Followern als erfolgreichste deutsche Instagrammerin gilt, können das laut einer Studie von Werbeagentur Jung von Matt mit der Plattform Brandnew und Facelift schon mal über 20 000 Euro pro Post sein. Die meisten verdienen demnach aber wohl unter 500 Euro pro Beitrag

Dass man immer wieder Stadtmotive im Hintergrund erkennt, eben mal die Königsallee oder der Rheinturm zu sehen ist, sei wichtig, weiß Kai Schmedes. „Dadurch fühlen sich viele mehr mit einem verbunden.“ Gebe man den Ort auch im Beitrag an, könne das dazu führen, dass man eher gefunden wird. Also auch zu mehr Reichweite – und um die geht es beim Influencen nun mal.