Terrorismus in der eigenen Stadt?: Wie Düsseldorfer mit der Angst vor Terror umgehen

Terrorismus in der eigenen Stadt?: Wie Düsseldorfer mit der Angst vor Terror umgehen

Die Anschlagspläne der vier verhafteten Syrer waren offenbar schon viel konkreter als bisher angenommen. Das macht viele nachdenklich.

Düsseldorf. Allein die Vorstellung ist purer Horror: Zwei Selbstmordattentäter sprengen sich mitten in der Altstadt in die Luft — und zwar in zwei, wie es heißt, „parallel zueinander verlaufenden Straßen“. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um zu ahnen, dass damit wohl Bolker- und Kurze Straße gemeint sind. Und dann wird auf die flüchtenden Menschen gezielt geschossen. Für das Ausmaß des Blutbades reicht keine Phantasie.

Wie gehen die Düsseldorfer mit diesen Gedanken um? DJ Theo Fitsos etwa, der auch regelmäßig in der Altstadt auflegt, hat schon seit dem Anschlag auf den Musikclub in Paris manchmal ein mulmiges Gefühl: „Wenn ich hinter dem Mischpult stehe, denke ich schon darüber nach, was ich mache, wenn mal etwas passiert.“ Er hat festgestellt, dass nach einem Terroranschlag deutlich weniger Menschen ausgehen: „Aber das normalisiert sich nach einigen Wochen wieder. Offenbar glaubt jeder, dass ihm schon nichts passieren wird. Das Leben muss ja weitergehen.“

„Erschreckend, dass so etwas vor unserer Haustür geschehen soll“, meint Angela Erwin, Tochter des früheren Oberbürgermeisters Joachim Erwin. „Aber wir dürfen unsere Lebensweise nicht aufgeben und müssen für unsere Werte kämpfen.“ Ein denkbares Mittel, um solchen Gefahren vorzubeugen, ist ihrer Meinung nach der europaweite Austausch von Infos über Gefährder und die elektronische Fußfessel: „Dann würde man wenigstens wissen, wo sich diese Personen aufhalten.“

„Ich fühle mich nicht bedrohter als anderswo auch“, meint Isa Fiedler, Sprecherin der Altstadt-Wirte. Ihrer Meinung nach ist die Altstadt gut aufgestellt: „Es gibt genügend Kameras und es ist immer genug Polizei da. Natürlich wirkt es erschreckend, dass die Altstadt ein potenzielles Anschlagziel ist, aber will man sich dem ergeben?“

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Rimkus meint: „Die Heinrich-Heine-Allee liegt im Herzen von Düsseldorf, auch ich bin oft zu Fuß am U-Bahnhof unterwegs. Dass genau dort ein Anschlag geplant war, der viele Menschen hätte treffen können, hat auch bei mir für ein beklemmendes Gefühl gesorgt. Wir leben in einer Zeit des ’Terrors vor der Haustür’, bei dem es nicht darum geht, einen bestimmten Personenkreis zu treffen, sondern nur darum, möglichst vielen Menschen Schaden zuzufügen.“ Seiner Meinung funktioniert der Sicherheitsapparat, das sehe man daran, dass der geplante Anschlag vereitelt werden konnte.

Auch die Karnevalisten machen sich so ihre Gedanken mit Blick auf die tollen Tage. Aber: „Das Comitee Carneval wird auf diesen konkreten Einzelfall nicht reagieren“, erklärte Sven Gerling, Leiter Organisation und Sicherheit, am Donnerstag. Das Sicherheitskonzept für den Rosenmontagszug sei schon auf sehr hohem Niveau und auch verschiedene Szenarien seien dort mit eingearbeitet. „Deshalb hat sich auch an der allgemeinen Bedrohungslage nichts geändert. Obwohl es natürlich gruselig ist: Berlin hat uns den Terror nahe gebracht, aber wenn man dann den Namen Bolkerstraße hört, wird einem doch schon ganz anders zumute“, sagt Gerling.