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Wie Düsseldorfer Händler mit der Mehrwertsteuer-Senkung umgehen

Wirtschaft : Wie Düsseldorfer Händler mit der Mehrwertsteuer-Senkung umgehen

Hat der Beschluss aus Berlin in der Landeshauptstadt für Schwung gesorgt? Wir haben nachgefragt.

Mit „Wumms“ wollte die Bundesregierung die Wirtschaft nach dem Lockdown wieder in Gang setzen und verabschiedete im Juni ein milliardenschweres Konjunkturpaket. Unter anderem wurde der Mehrwertsteuersatz bis Dezember 2020 gesenkt. Seit vier Wochen gilt dieser nun, und wir wollten wissen, ob die Reduzierung auch beim Kunden ankommt. Denn die Weitergabe durch Händler und Dienstleister ist nicht zwingend vorgeschrieben.

„Anfangs dachte ich, dass es eine gute Idee ist, die Mehrwertsteuer abzusenken. Inzwischen sehe ich aber keinen großen Nutzen mehr darin“, sagt Jörg Heeckt, Verkaufsleiter der Ford-NRW-Garage. Also ist der von Finanzminister Olaf Scholz erhoffte Wumms eher ein Wümmschen? „Eigentlich noch nicht einmal das. Viele Händler haben schon vorab die Preise erhöht. Wenn jetzt mit Rabatten und Preissenkungen gelockt wird, zahlen die Kunden im Grunde das gleiche wie zuvor“, sagt Heeckt. Seine Niederlassung auf der Automeile war eine der wenigen, die während des Lockdowns durchgängig geöffnet hatten. „Wir waren mit voller Mannschaft immer da und hatten auch keine Kurzarbeit. Vor allem wurde Service nachgefragt, und im Juni, als die Maschinerie so langsam wieder anlief, kamen auch Kunden, die sich für Gebrauchtwagen interessierten.“ Für einen Neuwagen entschieden sich hingegen die wenigsten.

Olga Sabristova betreibt seit neun Jahren eine Kaffeerösterei an der Schwerinstraße. Sie hat entschieden, die Mehrwertsteuersenkung nicht an ihre Kunden weiterzugeben und hat die Gründe dafür offen kommuniziert. „Wir hatten während des Lockdowns sehr viel Unterstützung durch Nachbarn und Kunden. Aber unsere Umsatzeinbußen waren extrem, wie bei vielen in der Gastronomie.“ Das Team von „Die Kaffee“ sollte vollzählig bleiben und da zähle jeder Cent. „Die Kunden stehen dabei voll hinter uns“, sagt Olga Sabristova. „Wir haben seit der Eröffnung 2011 nie unsere Preise erhöht und bieten nach wie vor fünf Prozent Rabatt auf mitgebrachte Becher und zehn Prozent für Studenten an. Transparenz und Ehrlichkeit zahlt sich immer aus. Ich glaube, die Kunden möchten einfach nicht an der Nase herumgeführt werden.“

Davon ist auch Daniela Perak überzeugt. Sie betreibt auf der Nordstraße die Boutique „Roberta – Organic Fashion“ und hat sich entschieden, ihren Kunden die Wahl zu lassen, ob sie die reduzierte Mehrwertsteuer haben möchten oder sie dem Geschäft überlassen. „Was ich super fand, war der Vorschlag einer Kundin, die meinte, lass uns den Betrag doch teilen. So haben wir beide etwas davon“. Viele verzichteten zugunsten der Boutique auf die Reduzierung. „Ich kann aber auch verstehen, wenn zum Beispiel Studenten, die nur wenig Geld haben, diese in Anspruch nehmen“, sagt Daniela Perak.

Wenn es um die Abrechnung über das Kassensystem geht, bedeutet die Umstellung von 19 auf 16 oder beim geringeren Satz von 7 auf 5 Prozent für die meisten nur einen Kopfdruck. Anders sieht es bei der Auspreisung der Ware aus. Für Gabriele Tischler, die in der Fichtenstraße die „Pfotenbar“ betreibt, hätte das bedeutet, von der Futterdose für Bello und Mieze bis hin zu Leinen und Decken alles neu auszupreisen. „Ich habe mich entschieden, den Kunden an der Kasse die reduzierte Mehrwertsteuer abzuziehen“, sagt sie. „Der reduzierte Steuersatz ist für mich nur ein durchlaufender Posten, den ich direkt weiter ans Finanzamt gebe. Aber für die Kunden kann es eine – wenn auch kleine – Erleichterung für den Geldbeutel sein.“

Alle befragten Händler konnten aufgrund der Senkung in den vergangenen vier Wochen keine nennenswerten Zuwächse im Umsatz verzeichnen. Ob sich der „Wumms“ tatsächlich noch einstellt? Da sind sie alle skeptisch. Aber abgerechnet wird erst Ende Dezember, und da hoffen viele Branchen auf einen Aufschwung durch das Weihnachtsgeschäft.