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Wie die Unverpackt-Läden in Düsseldorf um Wirtschaftlichkeit kämpfen

Einkaufen in Düsseldorf : Wie die Unverpackt-Läden um ihre Wirtschaftlichkeit kämpfen

Vier Lebensmittelläden ohne Verpackungen gibt es mittlerweile in Düsseldorf. Nicht alle schaffen es aus den roten Zahlen.

Eine neue Kultur des Einkaufens ist in Düsseldorf angekommen. Vier Lebensmittelläden ohne Verpackungen gibt es mittlerweile. Doch wie wirtschaftlich ist das Konzept? Wir haben die Inhaber gefragt.

Flinse Der kleinste Laden war der erste. Im März 2018 eröffnete Christina Rau ihr Geschäft an der Lindenstraße in Flingern, anfangs mit 200 Produkten, mittlerweile sind es 400. Immer weiter hat Rau investiert, die Gesamtsumme beläuft sich nach ihrer Aussage auf 120 000 Euro inklusive Rücklage. Viel Wert legte sie auf hochwertige Materialien wie Holz und Metall bei den Regalen, die Spender sind aus Glas. Leben könne sie zurzeit nicht von ihrem Geschäft. Die Umsätze stiegen zwar, doch auch aufgrund der Investitionen mache sie ein monatliches Minus von 1000 bis 2000 Euro. Sie lebe von der Rücklage, die sie von KfW-Bank-Kredit und Eigenkapital gebildet habe. „Ich habe das Ziel meiner Liquiditätsplanung nicht erreicht“, sagt sie. Sie habe nicht bedacht, dass nach und nach so viele Unverpackt-Läden, auch in der Region, entstehen würden, was sich auf die Kundenfrequenz auswirke. Und viele Strukturen, etwa für die richtigen Bestellmengen und gewünschten Produkte, hätten sich erst finden müssen. „Ich bleibe dennoch positiv, dass es am Ende klappt. Das wird aber drei bis fünf Jahre dauern.“ Ihr Ziel sei es, dann auch mal Freizeit zu haben, sich einen Urlaub leisten zu können. Der größte Gewinn sei allerdings, wie die Flinse ihr Leben bereichert habe, manche Kunden seien fast zu Freunden geworden.

Pure Note Vor anderthalb Jahren zog an der Brunnenstraße in Bilk der zweite Unverpackt-Laden nach. Über Zahlen sprechen will Inhaberin Nubia Osorio-Torres nicht so gerne. „Wir können von den Einnahmen alles bezahlen.“ Also ihr Gehalt und das ihres Ehemannes, sowie von sechs weiteren Mitarbeitern, größtenteils Teilzeit- und 450-Euro-Kräften. Aber die Arbeitszeiten sind extrem. Die beiden stehen fast immer im Laden, und nach diesen acht Stunden ist die Verwaltung zu erledigen. „Das sind Zwölf-Stunden-Tage, sechs Mal die Woche.“ Man habe noch nicht so viele Mitarbeiter einstellen können, wie gewünscht. Zwar seien die Umsätze gestiegen, aber die Kundenfrequenz müsse noch besser werden. Für Marketing-Aktionen war zu wenig Zeit, jetzt gibt es immerhin mal einen Werbespot fürs Programmkino.

Ein Vorteil ihres Konzepts: es kam ohne große Kredite aus, viel Ausstattung und Einrichtung ist selbst gebaut oder stammt vom Trödel. Und noch etwas unterscheidet Pure Note von anderen Unverpackt-Läden: Es gibt eine Gastronomie mit Küche. Das bedeutet zwar hohe Personalkosten, aber auch zusätzliche Anziehungskraft, von der der Laden profitiert.

Und mit noch einem Ansatz will sich Osorio-Torres unterscheiden, auch von Bioläden, die nun ebenfalls zum Teil auf Unverpackt-Konzepte setzen: „Wir legen mehr Wert auf besondere Marken.“

Unverpackt „Unverpackt“ an der Rethelstraße gibt es seit November 2018 in Düsseltal. Hier investierten Björn Amend und Eva Wenndorf eine stolze Summe, auf 150 000 Euro schätzt Amend sie. Neben Eigenkapital konnten 16 000 Euro durch Crowdfunding gesammelt werden, einen Kredit von 100 000 Euro bei der KfW-Bank muss im Laufe von zehn Jahren abbezahlt werden. Das Konzept von Amend war von Anfang an, möglichst viele Produkte wie in einem Supermarkt anbieten zu können, auch Obst und Gemüse gibt es. Auf 1200 Artikel schätzt Amend das Sortiment, ohne das jede einzelne Schokoladensorte extra gezählt werde.

Das laufende Geschäft entwickelt sich wie in Bilk, die Kosten sind gedeckt. „Aber im Sommer haben wir nach einem sehr guten Start durch viel Publicity richtig Lehrgeld bezahlt.“ Deutlich weniger Kunden kamen, mache Produkte mussten aufgrund der Hitze abgeschrieben werden. „Die Schokolade ist uns in den Behältern geschmolzen. Das passiert uns natürlich nicht noch einmal.“ Insgesamt müsse man ein Gefühl für eine exakte Planung der Logistik entwickeln. Jetzt stiegen die Umsätze vor allem, weil der Durchschnittsbon höhere Beträge aufweise. Zudem hofft Amend, dass sich der gesellschaftliche Wandel in Richtung eines nachhaltigeren Lebens fortsetze und das durch mehr Unverpackt-Läden in der Stadt mehr Menschen ihre Hemmschwellen verlieren und dort einkaufen. In zwei bis drei Jahren könne er sich vorstellen, einen weiteren Laden zu eröffnen. „Noch haben wir allerdings Franchise-Angebote oder ein Angebot von der Wirtschaftsförderung in Neuss abgelehnt. Dafür brauchen wir mehr Routine.“ Und etwas mehr Freizeit, einen Urlaub hat sich Amend bislang nicht gegönnt.

Purabio Zuletzt kam im August 2019 ein Unverpackt-Laden an der Benrodestraße in Benrath hinzu. Dort allerdings ist Amra Kotlin enttäuscht. „Ich weiß nicht, wie und ob es weiter geht.“ Der Standort eigne sich nicht, es kämen viel zu wenig Kunden.