Düsseldorf-Reisholz: Wie die Stadt das Castello füllen will

Düsseldorf-Reisholz: Wie die Stadt das Castello füllen will

Seit rund zwei Jahren ist in der Halle nicht mehr viel los. Nun versucht die Stadt, die Basket- und Handballer zu fördern, um das Castello wieder neu zu beleben.

Düsseldorf. Im Oktober wird das Castello in Reisholz zehn Jahre alt. Ein rauschendes Geburtstagsfest ist allerdings nicht zu erwarten. Denn nach Feiern ist derzeit niemand zumute, der mit der Multifunktionshalle an der Karl-Hohmann-Straße zu tun hat. Nicht der Stadt, der das Castello gehört. Und auch nicht der Stadttochter „Düsseldorf Congress Sport & Event GmbH“ (DCSE), die neben Arena und Dome auch die dritte Profisportstätte vermarktet.

Foto: DY

Seitdem sowohl die Profi-Basketballer (Magics, Giants, Baskets) als auch die -Handballer (HSG) aufgaben oder abstiegen, steht die Halle die meiste Zeit leer. In diesem Jahr waren erst ganze drei Veranstaltungen im Castello: der Deutsche Webvideopreis (13. Juni), die Deutsch-Türkische Kulturolympiade (17. Mai) sowie die Show-Basketballer von den Harlem Globetrotters (22. März). Vergangenes Jahr waren es lediglich wenige TV-Shows wie das „Promi-Boxen“ oder Abi-Bälle. Ansonsten findet dort gerade noch Schul- sowie Breitensport statt. Nicht viel für eine Halle, in die die Stadt schon weit mehr als 30 Millionen Euro gesteckt hat.

Foto: David Young

Deswegen versucht die DCSE seit vergangenem Herbst, den hallentauglichen Profisport selbst anzukurbeln. Nachdem die städtische Agentur im September eine Kooperation mit den Viertliga-Handballern des ART geschlossen hatte, waren vergangene Woche die Basketballer der Giants dran. Auch die spielen nur in der vierten Liga. Doch weil beide Clubs gute Nachwuchsarbeit leisteten, investiert die Stadttochter in deren Zukunft. Für jeden Euro, den ART und Giants von Sponsoren einnehmen, gibt die DCSE 50 Cent.

„Die Giants haben das Potenzial zu mehr“, sagte der städtische Sportdezernent Burkhard Hintzsche mit Blick auf das aktuelle Dasein in der vierten Liga und sprach von der „Perspektive Bundesliga“. Auch Martin Ammermann, einer der drei DCSE-Geschäftsführer, will mit der Finanzhilfe „professionelle Strukturen fördern und Grundlagen schaffen“.

Zwar ginge es nicht darum, „den Aufstieg aus städtischen Mitteln zu finanzieren“, Ammermann wollte aber nicht verhehlen, dass es bei dem Sponsoring auch um das Castello geht: „Die Grundlage von dem, was wir tun, ist, für ausgelastete Hallen zu sorgen und den Sport zu fördern“, sagte der Geschäftsführer und brachte für ein mögliches erstes Basketball-Spiel im Castello nach langer Zeit die kommende Saison ins Gespräch. Dann treffen sich Giants und ART in der Regionalliga zu zwei Derbys.

So wird ein eventuelles Viertliga-Spiel zum Hoffnungsschimmer für ein Projekt, das unter dem Namen „Mehrzweckhalle Düsseldorf-Süd“ einst so verheißungsvoll gestartet war. Noch unter Oberbürgermeister Joachim Erwin wurde der Bau einer neuen Halle, die Hand- und Basketball auf Profiniveau ermöglicht, konzipiert. Anstatt sie aber selbst zu finanzieren, suchte sich die Stadt einen Betreiber — und fand ihn in der Freien Christlichen Schule nebenan. Die gründete einen Sportverein, der sich um das Castello kümmern sollte.

Doch nach knapp fünf Jahren war der Verein insolvent — obwohl die Stadt die Kosten für die beiden Hauptmieter (HSG und Magics) übernommen hatte und jährlich 1,32 Millionen Euro an den Verein überwies. Weil im Zuge der Wirtschaftskrise 2008 und 2009 aber zahlreiche Firmenevents abgesagt worden seien — so stellte es zumindest der damalige Geschäftsführer Wolfgang Frommmann dar — wären 60 Prozent der erwarteten Einnahmen weggebrochen.

Der Verein konnte seine Kredite bei der Stadtsparkasse nicht mehr bedienen, die Stadt musste — wie zuvor vertraglich geregelt — einspringen und die Halle übernehmen. Der „Heimfall“ kostete sie knapp 25 Millionen Euro. Hinzu kommen die jährlichen Kosten für Abschreibungen und Instandhaltung, die der damalige Kämmerer Helmut Rattenhuber 2010 auf etwa 1,87 Millionen Euro bezifferte. Etwas viel für eine Halle in der fast nichts los ist. Aber das soll sich bald ändern. Mit Geld der Stadttochter.

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