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Wie der Streit um die Rheinterrasse das jecke Feiern verändern könnte

Karneval in Düsseldorf : Wie der Streit um die Rheinterrasse das jecke Feiern verändern könnte

Stadt, Stockheim und Karnevalisten haben einen Kompromiss gefunden – eine Analyse der Folgen.

Jahrzehntelang schunkelten viele Narren am liebsten in der Rheinterrasse. Das hat sich geändert, nachdem die Firma Stockheim die Saalmiete drastisch erhöht hat. Oberbürgermeister Thomas Geisel ist als Vermittler eingesprungen und hat einen Kompromiss vermittelt. Doch ausgestanden ist die Sache damit noch lange nicht.

Worum geht es bei dem Streit? In dieser Session kostet der Radschläger-Saal inklusive Nebenkosten 2095 Euro. In der kommenden Session steigt der Preis auf 5460 Euro an. Dazu kommen kommen noch die Nebenkosten in Höhe von 2330 Euro, plus Technikkosten und eine Bierhandling-Pauschale, falls nicht das Altbier vom Vertrags-Partner Füchschen getrunken wird. Nach einem überstandenem Insolvenzverfahren sah sich die Firma Stockheim als Vermieter nicht mehr in der Lage, die ihrer Meinung nach zu günstigen Mietpreise der vergangenen Jahre aufrecht erhalten zu können.

Ab der Session 2020/2021 gewährt die Firma Stockheim nach dem nun ausgehandelten Kompromiss den Karnevalisten einen Rabatt von 50 Prozent auf die Saalmiete. Das bezieht sich aber nicht auf die Nebenkosten. Eine Sonderregelung wird es für die Karnevalsfreunde der katholischen Jugend geben, bei denen die Eintrittspreise sehr niedrig sind, weil sie auch Karneval für ältere und auch sozial schwache Jecken anbieten. Dementsprechend ist der Umsatz bei den Sitzungen meist sehr niedrig. Außerdem werden sie die Nebenräume weiterhin kostenfrei benutzen können.

Gibt es weitere Vergünstigungen? Ja, außerdem spendet die Firma Stockheim 25 000 Euro an das Comitee Carneval. Dieses Geld können die Verantwortlichen nach eigenem Ermessen an die angeschlossenen Vereine weiterleiten.

Wie ist dies möglich geworden? Die Stadt Düsseldorf als Eigentümer der Rheinterrasse übernimmt in der Zukunft einen Teil der Investitionsaufwendungen für die Rheinterrasse. Wie viel das genau sein wird, kann man heute noch nicht sagen.

Wer geht, wer bleibt? Für viele Vereine kommt die Vereinbarung viel zu spät. Denn die Sitzungsprogramme und der Veranstaltungsort müssen lange im Voraus gebucht werden. So ist die Buchungsphase für die Session 2020/21 schon längst abgeschlossen. Im Juni beginnt schon die Buchungsphase der Session 2021/22. So werden die Narrenzunft, die Närrischen Marktfrauen und die Düsseldorfer Bürgerwehr in Zukunft ihre Veranstaltungen im Stahlwerk an der Ronsdorfer Straße austragen. Die Elf vom Dörp feiert demnächst im Hilton-Hotel. Zudem gab es auch Beschwerden über die Anzahl der abgerechneten Stunden durch die Technikfirma. Auch die Weissfräcke überlegen noch, in der Rheinterrasse zu bleiben. Sicher werden die Venetien dort auch im kommenden Jahr feiern.

Was bedeutet das für die Narren? Teilweise wird die Qualität bei den Sitzungen leiden. Da lange nicht klar war, wo die Jecken feiern werden, haben Vereine auch an ihren Programmen gespart, um die Kostensteigerung handeln zu können. Das kann jetzt kaum noch rückgängig gemacht werden, weil alle Künstler nun schon gebucht sind. Bei den Vereinen, die überlegen, in der Rheinterrasse zu bleiben, kann es zu einem Anstieg bei den Kartenpreisen kommen. Bei der Rheinischen Garde kann das bis zu fünf Euro pro Karte ausmachen.

Was hat das Stahlwerk den Narren zu bieten? Seit vielen Jahren feiert die KG Regenbogen schon ihre Partys im Stahlwerk. In dieser Session kam die Narrenzunft dazu. Außerdem lassen es dort auch die DEG und Fortuna zu Karneval krachen. „Das sind allerdings Veranstaltungen, wo mehr gestanden als gesessen wird“, merkt Stahlwerk-Chef Stefan Prill an. Mit seiner Saalmiete von 11,11 Euro ist er unschlagbar günstig, ihre Technik können die Vereine selbst mitbringen. Sein Konzept: „Wir wollen Bier verkaufen.“ Umgekehrt könnte die „jüngere Location“ den Vereinen auch ein neues Publikum bescheren.