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Düsseldorf: Wie der Großmarkt fit für die Zukunft gemacht werden soll

Düsseldorf : Wie der Großmarkt fit für die Zukunft gemacht werden soll

Seit 80 Jahren ist der Markt an der Ulmenstraße. Stadt, Händler und Experten von außen arbeiten an einem Konzept, wie er bleiben kann.

Düsseldorf. Zwei wichtige Entscheidungen zum Thema Großmarkt sind gefallen, und beide sind positiv: Der Umschlagplatz für Lebensmittel aller Art sowie Blumen und Pflanzen soll neu gestaltet werden und behält seinen Standort an der Ulmenstraße 275 in Rath. Im Rathaus ist die Rede davon, der seit 80 Jahren bestehende Markt „wird zukunftsfit gemacht“. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD): „Unser Ziel ist es, diesen Standort im Schulterschluss mit den Großmarkthändlern dauerhaft zu sichern.“

Düsseldorf: Wie der Großmarkt fit für die Zukunft gemacht werden soll
Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Laut einer Pressemitteilung werden dazu die Stadt und der Interessenverband der Händler und Erzeuger gemeinsam mit Experten ein Konzept entwickeln. „Der Düsseldorfer Großmarkt gehört zu den 18 bedeutendsten in Deutschland. Diesen Standortvorteil wollen wir weiter ausbauen“, sagt Verbraucherschutzdezernentin Helga Stulgies.

Die Händler und Erzeuger sind in der so genannten Großmarktgilde organisiert. Noch wird der Großmarkt von der Stadt verwaltet. Die Gilde kann sich vorstellen, dies künftig in Eigenregie zu tun. „Wir müssen ein Betreibermodell finden. Aber ob es mit oder ohne Verwaltung weitergeht, darum kümmern wir uns zum Schluss“, sagt Klaus Meyer, der zuständige Leiter des Amtes für Verbraucherschutz, also der Vermieter der 18 Hallen. Bis Ende des Jahres soll die Projektgruppe verlässliche Daten vorlegen.

Zunächst geht es darum, eine Bestandsaufnahme zu erstellen. Rund 170 Händler und Erzeuger setzen nach Angaben der Stadt an 300 Markttagen im Jahr für rund 500 Millionen Euro Obst und Gemüse um. Das Geschäft mit Blumen und Pflanzen kommt noch hinzu. Aber niemand weiß verlässlich, ob und wie sich die Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden und die Vertriebswege künftig ändern. Bislang gibt es nur Hinweise und Tendenzen. „Die Leute suchen hier eher Dauerpflanzen als Schnittblumen“, erklärt Klaus Meyer. Baumärkte und Discounter seien eine starke Konkurrenz. Offen ist auch, ob die Einzelhändler, Gastronomen, Kantinenbetreiber und Wochenmarkthändler weiter früh morgens vor Ort einkaufen wollen oder die Ware künftig online bestellen und sich liefern lassen.

Die Verwaltung hat nach den Worten von Meyer durch das Institut für Handelsforschung in Köln ein Gutachten erstellen lassen. Ein Ergebnis ist: Früher dienten Großmärkte der Grundversorgung in Ballungsgebieten. Heute kommen Kunden mit hohen Ansprüchen und sehr speziellen Wünschen. Beispielsweise sind seltene Pilze und ausgefallene Meerestiere gefragt.

Im zweiten Schritt wird es darum gehen, die bauliche Substanz zu analysieren und gegebenenfalls auch neue Anbieter zu gewinnen. Drei der 18 Hallen werden abgerissen, an zwei Gebäuden aus den 1950er Jahren sind statische Mängel festgestellt worden. Die Fahrbahnen sind zum Teil veraltet, moderne Hygieneschleusen brauchen EU-Zulassungen. Und neue Händler, so die Gilde, kämen nur dann nach Düsseldorf, wenn sie eine langfristige und verlässliche Perspektive hätten. In einem dritten Schritt soll dann wohl ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben und entschieden werden, wer den Großmarkt der Zukunft betreiben wird.

Viel Arbeit für die ressortübergreifende Projektgruppe, der neben den Händlern für Stadt die Ämter für Wirtschaftsförderung, Stadtplanung und Verbraucherschutz angehören. Externen Sachverstand soll nach dem Wunsch der Gilde der Berliner Projektentwickler Andreas Foidl beisteuern. Er war elf Jahre Geschäftsführer des Berliner Großmarktes, der während des laufenden Betriebes modernisiert worden ist. „Er kennt alle wichtigen Standorte, er ist einer von uns“, sagt Konrad Koester von der Gilde.

Ob der Experte beraten darf, ist noch offen. Die Händler freuen sich über das deutliche Bekenntnis des Oberbürgermeisters zum Großmarkt. Diesen Rückenwind will die Gilde nutzen. „Wir erleben einen Strukturwandel. Die Wochenmärkte sterben alle aus. Die Verbraucher decken ihren Bedarf im Supermarkt“, sagt Koester. „Wir müssen den Großmarkt neu beleben“, fasst der Fruchtgroßhändler zusammen. Nur dann sei der Handel in den Hallen an der Ulmenstraße fit für die Zukunft.