Wie das Düsseldorfer Handwerk die Digitalisierung angeht

Wie das Düsseldorfer Handwerk die Digitalisierung angeht

Vier Lehren aus der Diskussion beim Dreikönigsforum des Handwerks NRW.

3D-Druck beim Zahntechniker, Drohnen im Einsatz bei Dachdeckern — es gibt viele Beispiele dafür, dass die Digitalisierung im Handwerk angekommen ist. Aber wie viele Betriebe nutzen die Möglichkeiten, welche profitieren auch davon? Darüber diskutierten die Gäste des Dreikönigsforums von Handwerk NRW. Vier zentrale Thesen der Runde:

1. Digitalisierung ist nicht nur Digitalwirtschaft. Innovationen und neue Techniken betreffen nicht nur Internet- und Computer-Firmen oder Start-ups. „Sie erfasst die Realwirtschaft in ihrer ganzen Breite“, sagte Andreas Ehlert, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf. Gebäude- oder Fahrzeugtechniker seien ebenso betroffen wie Friseure und Kosmetiker. Ehlert nannte in diesem Zusammenhang einen Scanner für Friseursalons, der die Haare analysiert und es ermöglicht, ein personalisiertes Shampoo zu mischen.

2. Es gibt noch einen anderen Fachkräftemangel. Sebastian Grehte, Gründer einer Plattform für Stahlhandel („Mapudo“) mit Sitz an der Erkrather Straße, schilderte ein Problem in der Digitalisierungsdebatte: „Es gibt einen enormen Kampf um Programmierer.“ Ein Unternehmen wie das Reiseportal Trivago hole in Düsseldorf viele gute Leute. Andere Bewerber seien theoretisch stark, fänden in der Praxis aber kaum selbstständig Lösungen.

3. Die Rahmenbedingungen sind gar nicht so digital. Bürokratie werde zwar im Umfeld der Gewerbeanmeldung abgebaut, aber noch nicht im Umfeld der Gewerbeausübung, kritisierte Kammerpräsident Ehlert. Letztlich geht es darum, dass Handwerker zum Beispiel Parkausweise übers Internet bei der Stadt bestellen können. Auch Justus Haucap, Wirtschaftsprofessor an der Heine-Universität, vermisst Initiativen aus der Politik. Es müsse eine Kommission gegründet werden, die untersucht, welche allgemeinen Barrieren es beim Zu- und Umgang mit der Digitalisierung gibt und wie man sie beseitigen kann.

4. Digitalisierung sollte in einem Meter Flughöhe stattfinden. Zwei Drittel der Kunden von Start-up-Unternehmer Grethe sind Handwerker. Er kennt daher Nöte und Bedürfnisse im Umgang mit digitalen Möglichkeiten. „Es braucht viele kleine Instrumente.“ Eine Internet-Plattform könne zum Beispiel helfen, die Einkäufe außerhalb der Hauptarbeitszeiten zu tätigen. Diese Strategie nennt Grethe „Digitalisierung in einem Meter Flughöhe“. Angebote und Rechnungen per E-Mail oder Kunden bitten, bei Google eine Bewertung abzugeben — von all diesen kleinen Schritten sollte man sich insbesondere jetzt, in guten Wirtschaftszeiten, nicht abbringen lassen.