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Düsseldorf: Wie Altersarmut bekämpft werden kann

Düsseldorf : Wie Altersarmut bekämpft werden kann

Bei einem Fachtag im Rathaus tauschten sich Experten aus. Und hatten jede Menge Ideen und Vorschläge.

Die Zahl der reichen Menschen in NRW steigt, laut der jüngsten Erhebung des Statistischen Landesamtes IT NRW lebten allein in Düsseldorf im Jahr 2013 fast 400 Einkommensmillionäre. Denen gegenüber stehen aber auch rund 9000 Senioren in der Landeshauptstadt, die am Rand der Armutsgrenze sind, und nach Angaben der Stadt ist die Tendenz steigend. Grund genug, sich mit dem Thema Altersarmut zu befassen und nach Lösungen zu suchen. Rund 270 Männer und Frauen versuchten gestern genau das bei einem Fachtag im Rathaus.

Mit von der Partie waren Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden, Seniorenrat, Integrationsrat, Gesundheitswesen, Kirchen, Wohnungswirtschaft, Sozialverbänden, Gewerkschaften, Initiativen und Organisationen und aus dem Beirat zur Förderung der Belange von Menschen mit Behinderung sowie dem Jobcenter. Betroffene kamen ebenfalls zu Wort. In Workshops untersuchten die Teilnehmer vier unterschiedliche Aspekte. Sie entwickelten zahlreiche Ideen und Vorschläge.

Wohnortnah sollen Teilhabemöglichkeiten geschaffen, etwa Nachbarschaftshilfen aufgebaut werden. Denkbar wären etwa Streetworker für Senioren oder eine Seniorenhotline, bei der sich einsame Menschen melden können. Grundsätzlich müsse der Umgang mit Senioren empathischer und respektvoller sein, finden die Workshop-Teilnehmer. Wichtig sei es, auf Senioren zuzugehen und Hilfen an sie heranzutragen.

Vergünstigungen für Senioren sollen in einer Broschüre zusammengefasst werden, wünschen sich die Teilnehmer des zweiten Workshops. Vielleicht gleich mit den Unterlagen zur Seniorenratswahl im kommenden Jahr. Es müssen Multiplikatoren gefunden werden, etwa die Angestellten von Banken und Apotheken, die Angebote transparent machen und verbreiten. Zudem soll Beratung im Amt verbessert, vielleicht Hausbesuche angeboten werden. Auch zusätzliche Vergünstigungen für den Düsselpass und ein Zertifikat für sozial nachhaltige Unternehmen schlägt die Gruppe vor und wünscht sich außerdem einen niedrigeren Preis für das Sozialticket.

Das Thema muss enttabuisiert werden, lautet das Ergebnis aus dem dritten Workshop. Vorschläge sind eine vereinfachte Kommunikation mit Behörden, präventive Hausbesuche oder eine andere Art, aktiv auf die Senioren zuzugehen. Für die Zentren plus wünschen sich die Teilnehmer eine Aufstockung der guten Angebote.

Von den 330 000 Wohnungen in der Stadt sind nur 1,5 Prozent barrierefrei. Das muss sich dringend ändern, findet die vierte Gruppe. Und nicht nur mehr barrierefreier, sondern auch rollstuhlgerechter Wohnraum muss her. Vorhandene Wohnungen sollen zudem geschützt, also für Einwohner genutzt statt zu Ferienwohnungen und Gästezimmern umfunktioniert werden. Wohnungstausch könnten sich die Workshop-Teilnehmer als funktionierendes Modell vorstellen. Wohnprojekte sollen professionell begleitet, für Investoren Anreize oder gar Verpflichtungen geschaffen werden.

Die Stadt möchte das Thema Altersarmut aufgreifen, sagt Michael Bergmann vom Amt für Kommunikation. Um passende Strategien zu finden oder Bestehendes auszuweiten, sollen die erarbeiteten Vorschläge nun auf ihre Realisierbarkeit näher untersucht werden. „Die wachsende Zahl der Betroffenen und auch die überwältigende Resonanz beim Fachtag zeigen, wie wichtig das Thema ist und bleibt.“