Düsseldorf: Widerstand gegen „Bonn Camillo“

Düsseldorf: Widerstand gegen „Bonn Camillo“

Die meisten Pfarrer und der Katholikenrat wollen Wolfgang Picken nicht als Stadtdechanten.

Düsseldorf. Wird der Bad Godesberger Pfarrer Wolfgang Picken neuer Stadtdechant und Lambertus-Pfarrer? Diese für das katholische Düsseldorf so wichtige Frage ist noch nicht entschieden. Das letzte Wort hat Kölns Erzbischof Rainer Woelki. Der hat Picken in Düsseldorf vorgeschlagen, stieß aber wie berichtet auf wenig Zustimmung.

Vergangenen Mittwoch teilten die leitenden Pfarrer dem Kardinal im Maxhaus ihre Bedenken gegen Picken mit. Nach WZ-Informationen haben 13 von 15 ein Votum abgegeben — elf sprachen sich gegen Picken, nur zwei für ihn aus. Picken sei zu sehr glamouröser Selbstdarsteller, der — entgegen dem Düsseldorf-Klischee — gerade nicht in die Stadt passe.

Bereits eine Woche davor äußerte sich der Katholikenrat, die Vertretung der Laien, ähnlich ablehnend. Nach Informationen der WZ heißt es in dem Brief des Katholikenrates an Woelki, man komme nach umfangreichen Beratungen zu dem Votum, „dass wir ihn (Picken) für die Düsseldorfer Situation als nicht geeignet ansehen müssen“. Aus Katholikenratskreisen heißt es weiter, man habe nichts persönlich gegen Picken, angesichts der komplexen Situation werde aber ein Kandidat benötigt, der die Stadt „aus langjähriger, eigener Erfahrung kennt“. Nächsten Montag fährt der Katholikenrat zu einem Gespräch mit Woelki nach Köln.

Ganz offensichtlich ist der 48-jährige Picken (Spitzname in Bonn: „Bonn Camillo“) eine Reizfigur. Er hat in Bad Godesberg viele Anhänger, die ihm jede Menge Erfolge von der stark gestiegenen Zahl der Gottesdienstbesucher bis zum Ausbau der Kindergärten attestieren. Und diese positive Botschaft verbreiten sie auch gezielt an Düsseldorfer Medien und Gremien. Ein anderer Teil der Bonner Großgemeinde (Katholiken im Burgviertel) dagegen wäre heilfroh, wenn Picken sie verließe. Dort wirft man ihm selbstherrliche Allüren vor. Auf der Homepage heißt es: „Er verwechselt die Aufgabe eines seelsorgerlichen Pfarrers mit der eines Managers“.

Ohne Beschädigungen kann die Personalie kaum noch erledigt werden. Caritas-Direktor Ronald Vogel bedauert das: „Aus meiner persönlichen Sicht als Christ ist es wichtig, dass Pfarrer Picken zunächst einmal eine faire Chance erhält, sich hier bekanntzumachen.“ Es dürfe keine gegenseitigen Ehrverletzungen geben.

Klar ist, dass der Kardinal die Sache schnell abhaken will. Freilich erwartet die Basis von ihm mehr Transparenz, mehr Mitsprache bei Entscheidungen des Bistums als unter Vorgänger Joachim Meisner. Gibt es in Köln einen Plan B, eine Alternative zu Picken? Von den Düsseldorfer Pfarrern kommen in erster Linie Ansgar Steinke (Düsseltal, Flingern) und Frank Heidkamp (Himmelgeist, Wersten, Holthausen) in Frage. Beide haben sicher das Format zum „obersten Katholiken“ der Stadt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung