Wetterwechsel: 25 Rohrbrüche durchs Tauwetter

Wetterwechsel: 25 Rohrbrüche durchs Tauwetter

Feuerwehr fast im Dauereinsatz. Bringt der Regen jetzt auch die Grippewelle?

Düsseldorf. Mehrere tausend Liter Wasser sind Dienstagmittag gegen 11.30 Uhr aus einer geplatzten Hauptversorgungsleitung an der Kopernikusstraße ausgelaufen, sie vermischten sich mit Heizöl aus einem unterirdischen Tank. Die Feuerwehr musste die Kanalisation abdichten und das Wasser-Öl-Gemisch abpumpen. 18 Einsatzkräfte waren zwei Stunden lang vor Ort.

Vermutlich war die Leitung bereits während der Frostperiode in der vergangenen Woche geplatzt, aber erst in der Nacht zu Dienstag aufgetaut. Überall in der Stadt zeigen sich zurzeit Frostschäden auf diese Weise: Der Einsatz Kopernikusstraße war für die Feuerwehrleute seit Samstagnachmittag der 25. wegen eines Rohrbruchs. Darunter waren drei Fälle, bei denen je rund 5000 Liter Wasser abgepumpt werden mussten.

"Bei minus 13 Grad selbst in der Innenstadt bleibt es nicht aus, dass Rohre platzen", sagt Feuerwehrsprecher Heinz Engels. "Dass tausende Liter Wasser in den Keller fließen, geht dann ganz schnell." Hauseigentümer sollten daher die Rohre bei dem jetzigen Tauwetter kontrollieren. Und auch für die Dächer sind sie verantwortlich: Dort lösen sich zurzeit Eisplatten, die auf die Straße stürzen können. Verletzte gab es zum Glück bislang nicht.

Auch der Rhein wird das Tauwetter wohl bald spüren. Jan Böhme, Gewässerkundler beim Schifffahrtsamt: "Es hat im gesamten Rheingebiet geschneit und jetzt taut es überall gleichzeitig. Ich gehe davon aus, dass das Wasser steigen wird." Allerdings sei der Stand des Rheins zurzeit so niedrig, dass die Hochwassergefahr noch nicht groß ist.

Einen sehr viel spürbareren Effekt dürfte das nass-kalte Wetter auf die Abwehrkräfte haben. "Wir hatten schon während der Kältewelle viele grippale Infekte", sagt der niedergelassene Internist Winfried Thraen. "Ich glaube, das wird jetzt noch zunehmen." Vor allem der Wechsel zwischen seit der Düsseldorfer Eiszeit überheizten Räumen und der Feuchtigkeit im Freien sei problematisch.

Aber nicht nur fiese Erkältungskrankheiten sind im Aufwind. Auch die echte Grippe - die Influenza - ist offenbar im Anmarsch. Laut Robert-Koch-Institut ist Nordrhein-Westfalen zurzeit Hochrisiko-Gebiet. Das Gesundheitsamt hat zwar bisher erst sechs nachgewiesene Influenza-Fälle registriert. Doch der AOK-Internist Maik Irmisch glaubt: "Da gibt es eine hohe Dunkelziffer. Es sind sicher schon weit mehr Fälle." Der Virus sei in diesem Jahr aggressiver als im letzten. Und er trifft bei den geschwächten Immunsystemen der kältegeplagten Düsseldorfer auf ideale Bedingungen. Irmisch: "Man sollte sich auf jeden Fall jetzt noch impfen lassen."

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