Düsseldorf: West LB: Kein Denkmal - Abriss beschlossen

Düsseldorf: West LB: Kein Denkmal - Abriss beschlossen

Politik stimmt für Neubau auf dem Grundstück der ehemaligen West LB.

Düsseldorf. Auf der Expo Real in München wird Oberbürgermeister Thomas Geisel in der kommenden Woche den Bau des neuen Büro- und Geschäftshauses an der Friedrichstraße/Ecke Fürstenwall vorstellen. Und erst auf Europas größter Messe für Gewerbeimmobilien (4. bis 6. Oktober) möchte der Investor Art Invest erste Visualisierungen für die markante Ecke am Kirchplatz öffentlich zeigen. Zustimmung für Abriss und Neubau gab es am Dienstagabend in der Bezirksvertretung 3 (u.a. zuständig für Friedrichstadt und Unterbilk).

Allerdings hatte das Stadtteilparlament den Beschluss zur Bauvoranfrage Ende August erst einmal vertagt. Es folgte damit dem Wunsch von Thorsten Graeßner (Grüne), der wissen wollte, warum das Gebäude nicht unter Denkmalschutz stehe.

Die Begründung lieferte Jörg Heimeshoff dem Stadtteilparlament nicht nur schriftlich. Der Chef des Instituts für Denkmalschutz und Denkmalpflege bei der Bauaufsicht, stellte sich den Fragen während der Sitzung der Bezirksvertretung.

Und sein Urteil über das Gebäude, das 1949 vom Architekten Heinz Thoma entworfen und 1952 fertiggestellt wurde, fällt deutlich aus: „Das Gebäude ist nicht als Denkmal eingestuft. Es handelt sich um eine Architektur, die längst überholt war.“ Heimeshoff ergänzt: „Das ist eine sehr konservative Architektur, sie gehört in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.“

Als Beispiel für Düsseldorfer Gebäude, die als Baudenkmäler der 50er Jahre gelten, nennt Heimeshoff u.a. das Amerikanische Konsulat, das Dreischeibenhaus und das Mannesmann-Hochhaus. Der oberste Denkmalpfleger der Stadt betont: „Ich bekomme grundsätzlich alle Abbruchanträge.“ Er habe sich den Komplex, der mehrfach umgebaut wurde, angesehen und auch innen keine bemerkenswerten Details gesehen. Heimeshoff: „Es ist ein 08/15-Bürohaus.“

Das einzig Besondere sei die historische Fassade der ehemaligen Landesbank von Architekt Hermann vom Endt aus dem Jahr 1895 und ein Relief. Beides werde auch in den Neubau von Art Invest wieder integriert.

Thorsten Graeßner war mit dieser Bewertung nicht zufrieden. Die Fassade sei im guten Zustand, viele Bürger würden den Abriss nicht verstehen. Unterstützung bekam er von Dieter Sawalies von den Linken. „Das Gebäude ist prägend für das Stadtviertel.“ Auch er meint, dass die Bevölkerung den Denkmalschutz anders sehe.

Doch in ihrer Mehrheit stimmten die Politiker von CDU, SPD, der FDP und auch Teile der Grünen für Abriss und Neubau. Marko Siegesmund (SPD) stellt fest: „So wie das Gebäude heute ist, ist es nicht mehr zu nutzen.“ Und Frank Optensteinen (CDU) sieht das Projekt positiv für die Entwicklung des Standortes Friedrichstraße.

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