Werstener kämpfen für ihren Supermarkt

Werstener kämpfen für ihren Supermarkt

Kaiser’s verlässt das Werstener Feld und geht ins Falkenberg-Center. Eine Bürgerinitiative hofft, dass Ersatz gefunden wird.

Düsseldorf. Im Backwarenladen von Gerhard Lambertz an der Kölner Landstraße/Ecke Werstener Feld liegen Unterschriftenlisten aus. Weit über 600 sind in kurzer Zeit zusammengekommen. Sie sollen dem Oberbürgermeister übergeben werden. Protestiert wird gegen die am 18. August anstehende Schließung der benachbarten Kaiser’s-Filiale.

Die hat zwar seit kurzem einen neuen Geschäftsführer, der den Laden wieder in Schwung gebracht hat, bietet aber keinen Platz für Erweiterungen. Die Zentrale von Kaiser’s/Tengelmann in Mühlheim an der Ruhr hat aber Größeres vor: Sie will im September ins Holthausener Falkenberg-Center ziehen. Aus Konzernsicht ist der kleine Laden am Werstener Feld nun verzichtbar.

Bäckermeister Lambertz sieht das anders. „Mit der Schließung von Schlecker Anfang Juli und dem geplanten Wegzug von Kaiser’s droht unser kleines Zentrum zu veröden“, sagt er. Dass der Fleischer, den es früher in dem Zentrum gab, auch dicht gemacht habe, sei zwar durch das verbesserte Sortiment bei Kaiser’s aufgefangen worden.

„Aber der Verlust eines Supermarktes ist für unseren Bereich eine Katastrophe. Auch wenn man an der Entscheidung von Kaiser’s wohl nichts mehr ändern kann, muss so schnell wie möglich ein neuer Supermarktbetreiber gefunden werden“, sagt er.

Und dabei denkt er nicht nur an sich. „Auf der benachbarten Langenfelder Straße wurde vor kurzem ein Haus mit betreutem Wohnen eröffnet, auf der anderen Straßenseite ist ein zweites im Bau. Das wurde doch nur gemacht, weil man glaubte, hier eine intakte Infrastruktur inklusive guter Einkaufsmöglichkeiten vorzufinden“, sagt er.

Vor diesem Hintergrund empfindet er das Antwortschreiben auf seinen Protestbrief an die Kaiser’s/Tengelmann-Gruppe als blanken Hohn. Die vorhandene Filiale an der Kölner Landstraße 174 neben der Stadtsparkasse sei mit dem Rad oder den öffentlichen Nahverkehrsmitteln gut zu erreichen, das Gleiche gelte für die neue Filiale im Falkenberg-Center, heißt es darin.

„Aber was ist mit den Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind oder nicht mehr Rad fahren können?“ fragt er. Viele ältere Menschen gingen, um halbwegs selbstständig zu bleiben, mit ihrem Rollator einkaufen. Für diese sei der Weg zur Kölner Landstraße 174 ein gewaltiger Marsch.

Auch Ines Rosenberg würde die Filiale am Werstener Feld vermissen. Dabei wohnt sie an der Werstener Dorfstraße und der Weg zur Mitte der Kölner Landstraße wäre eigentlich kürzer. „Aber da habe ich meine beiden Racker nicht so gut im Blick“, sagt sie. Ihre „Racker“ sind zwei quirlige schwarze Yorkshire-Terrier, die sie an den Fahrradständern neben der Bushaltestelle nach Eller anbindet. Und diese Möglichkeit hat sie an der Kölner Landstraße nicht.

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