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Werden Autofahrer in Düsseldorf zu sehr gegängelt?

Pro und Contra : Werden Autofahrer in Düsseldorf zu sehr gegängelt?

In Düsseldorf gibt es mehr und mehr Stellen auf Hauptverkehrsstraßen, wo Autofahrer mit nur noch einer Spur auskommen müssen. Ist das Schikane oder war das höchste Zeit?

Pro

Es ist erst ein paar Wochen her, da bin ich zum ersten Mal auf der Umweltspur im Düsseldorfer Süden gefahren. Das war auch ganz prima, denn wir waren mit drei Personen unterwegs und schneller in der Innenstadt als früher. Hätte ich in dem Stau auf der linken Spur gestanden, wäre meine Laune wahrscheinlich deutlich schlechter gewesen. Immerhin kann ich inzwischen nachvollziehen, dass eine Umweltspur an Strecken sinnvoll sein kann, wenn es dort Engpässe gibt. Die Autofahrer müssen sich einfach daran gewöhnen und beim Bilden von Fahrgemeinschaften ein bisschen kreativer werden. Dann klappt’s auch mit dem Mitfahrer.

Ich habe aber große Zweifel daran, ob sich dieses Modell auf das ganze Stadtgebiet übertragen lässt. Die neuste Idee, auch auf der Oberbilker Allee eine Spur abzutrennen, ist zumindest fragwürdig. Denn wenn man nicht gerade zu Stoßzeiten unterwegs ist, fließt der Verkehr dort weitgehend ohne größere Störungen. Und wo kein Stau ist, werden auch Bahnen und Busse nicht  behindert. Wenn dort durch eine mögliche Einschränkung künstlich der Verkehr behindert wird, kann man schon nachvollziehen, dass Autofahrer sich gegängelt fühlen und berechtigte Zweifel daran haben, ob das alles sinnvoll ist, was da gerade im Sinne der Verkehrswende passiert.

Das gilt übrigens auch für manche Rad- und Busspur, die auch zu Hauptverkehrszeiten einfach leer ist. Ob an der Kaiserstraße oder an der Breite Straße,  oft sitzen Autofahrer ihre Zeit neben verwaisten Spuren ab, auf denen weit und breit kein Radfahrer zu sehen ist. Zumal die zumindest an der Kaiserstraße ohnehin lieber durch den Hofgarten fahren. Tatsächlich muss die Politik auch daran denken, dass Autofahrer nicht aus Lust und Laune unterwegs sind. Zuletzt hatte sogar die Düsseldorfer Unternehmerschaft beklagt, dass es Arbeitnehmer gebe, die überhaupt keine Lust mehr haben, sich das anzutun. Das ist dann auch eine Art Verkehrswende. si

Contra

Um die Frage in der Überschrift dieses Artikels zu beantworten, drehen wir die Perspektive am besten um. Denn in Wahrheit ist es ja die Massivität des Autoverkehrs, der die Stadt und seine Bewohner gängelt. Lärm, schlechte Luft, hohe Unfallgefahr und ein völlig überdimensionierter Verbrauch von Platz, der in der Großstadt Düsseldorf besonders knapp bemessen ist. Der symbolische Anachronismus, dass ausgerechnet sie Hochburg der besonders raumgreifenden SUVs ist, zeugt vom ungerührt überbordenden Selbstwertgefühl vieler Autofahrer. Motto: „Was verändern? Ich? Ist doch so bequem in meinen eigenen vier Wänden auf Rädern.“ Das stimmte sogar lange, weil in der Stadtplanung nach dem Zweiten Weltkrieg den Autos ungeheuer viel Platz eingeräumt wurde. Doch selbst diese XXL-Kapazitäten sind in der weiter wachsenden Stadt erschöpft. Die Zukunft der Mobilität kann nicht das eigene Auto sein.

Zumal das so oft beschworene Angewiesensein auf das Auto meist vorgeschoben ist. Die Hälfte aller Autofahrten ist kürzer als fünf bis sechs Kilometer. Die Hälfte! Es geht bei der Verkehrswende gerade nicht um die Menschen, die aufgrund von langen, schlecht an den ÖPNV angebundenen Pendelwegen oder körperlichen Einschränkungen das Auto wirklich benötigen. Es geht um den großen Rest, der anders könnte.

Leichter fiele der Umstieg auf Fahrrad oder Bus und Bahn natürlich, wenn die Infrastruktur besser wäre. Dafür gilt es allerdings, den Raum gerechter für nachhaltigere Mobilität bereitzustellen. Und wer sie nutzt, soll dafür zumindest nicht bestraft, in dem die Straßenbahn in einem autogemachten Stau wie zum Beispiel auf der Oberbilker Allee stecken bleibt. Deswegen ist es natürlich richtig, dort eine ÖPNV-Spur einzurichten. Auffällig ist, dass gerade die über Sonderspuren meckern, die zugleich die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs kritisieren. Da muss man sich entscheiden. Denn mehr Vorfahrt für Bus und Bahn macht diese zuverlässiger. ale