Wer neue Bäume in Düsseldorf will, muss Parkplätze opfern

Stadtgrün : Wer neue Bäume will, muss Parkplätze opfern

Gartenamtschefin Doris Törkel besuchte Unterbilk und erlebte ein großes Bürger-Engagement zum Thema „Bienen, Blüten, Bäume“.

„Bienen, Blüten, Bäume“ – unter diesem Titel hatte die Bezirksvertretung 3 (u.a. zuständig für die Stadtteile Bilk, Friedrichstadt, Unterbilk, Oberbilk, Hamm und Volmerswerth) zum Bürgerforum eingeladen. Die Grün-Situation im einwohnerstärksten Düsseldorfer Stadtbezirk sollte beleuchtet werden. Ein Thema, das die Menschen bewegt. Bezirksbürgermeister Marko Siegesmund (SPD) und sein zweiter Stellvertreter Dietmar Wolf (Grüne) moderierten die Veranstaltung im Bürgersaal des Stadtteilzentrums Bilk am Dienstagabend.

Dabei betonte Mitorganisiator Wolf, wie die Bäume unsere Lebensqualität steigern, und erinnerte: „Stadtweit halfen Bürger ihren Straßenbäumen mit vielen Litern Wasser über den heißen Sommer. Nach diesem trockenen Hitzesommer 2018 rücken aber auch Vögel und Insekten weiter in den ganz direkten Blickpunkt. Bienenweiden wurden privat angelegt, in den Gärten finden Insektenhotels Platz.“ Sehr interessiert verfolgten die Zuhörer die Fakten zu Flora und Faune, die ihnen Gartenamtsleiterin Doris Törkel und Abteilungsleiter Tobias Krause vortrugen. Ihre Themen:

Straßenbäume: Mehr als 65 000 Straßenbäume gibt es in Düsseldorf, 18 400 im Bezirk 3. Noch läuft die Kartierung, doch 38 haben den Hitzesommer ganz sicher nicht überlebt. Insgesamt in der Stadt werden es mindestens 700 sein, die dem Rekordsommer zum Opfer gefallen sind, sagt Doris Törkel. Leider müsse man sogar von noch höheren Ausfällen ausgegen. Im Montag soll die Zahl der nötigen Fällungen im Fachausschuss bekannt gegeben werden. Die Gartenamtsleiterin erklärte, dass inzwischen jede Baumart ihre Schwäche (Krankheiten, Parasiten) habe. Weshalb die Stadt seit 2015 auch keine Kastanien mehr pflanzt, eine Baumart, die Insekten wichtige Nahrung bot.

1000 neue Bäume: Auch im Rahmen des Klima-Anpassungskonzeptes der Stadt sollen stadtweit in fünf Jahren 1000 neue Bäume gepflanzt werden. Doch wo können die Schattenspender – hier werden gezielt robustere Zukunftsbaumarten ausgewählt – gepflanzt werden? Törkel erklärt, die Standortsuche sei in der wachsenden Stadt schwierig, zudem von Versorgunsleitungen, Einfahrten und anderen Faktoren abhängig. Man legt Wert darauf, in Vierteln zu pflanzen, die dicht bebaut sind, neben klimatischen Gründen gibt es auch soziale. Im Bezirk 3 gebe es Defizite in Oberbilk und Friedrichstadt.

Schon bald wird die Gartenamtsleiterin mit Vorschlägen, wo neue Bäume gepflanzt werden können, in die Bezirksvertretungen kommen. Törkel sagt den Stadtteilpolitikern deutlich: „Ich brauche Ihre Rückendeckung.“ Denn klar sei, dass „für einen Baum oft ein Stellplatz wegfallen müsse.“ Doch wenn das globale Ziel laute, mehr Bäume in der Stadt zu pflanzen, müsse die Bezirksvertretung dies aushalten.

Wiederaufbau nach Sturm Ela: Pfingsten vor fünf Jahren hatte die Stadt durch den Sturm mehr als 30 000 Bäume verloren. Wie der Wiederaufbau in Parks, Stadtwald und entlang der Straßen bislang gelaufen ist, wird die Stadt am Montag kurz vor dem fünften Jahrestag bekannt geben. Für den Bezirk 3 steht fest, dass im Ständehauspark und im Volksgarten für je rund 90 000 Euro in der Pflanzperiode 2019/20 neue Bäume und Sträucher gepflanzt werden.

Mähaktionen, Baumscheiben, Baumpaten: Kritik erntete die Stadt im vergangenen Jahr, als die Awista bei Reingungsaktionen auch von Bürgern ausgesäte Glockenblumen oder Stockrosen einfach wegmähte oder fegte. Damit dies nicht wieder vorkommt, hat die Baumschutzgruppe Düsseldorf, die sich ebenfalls auf dem Bürgerforum vorstellte, gerade Umweltdezernentin Stulgies eine Liste mit 1000 Unterschriften übergeben, damit bei solchen Aktionen zur Stadtsauberkeit nicht erneut Blütenpflanzen zerstört werden.

Für Baumpaten, die gerne die Baumscheiben bepflanzen möchten, hat Doris Törkel einen Tipp: Es gibt nun ein kleines Schild, das kostenlos (zum Beispiel in der Bezirksverwaltungsstelle 3, Stadtteilzentrum Bilk, Bachstraße) ausgegeben wird und auf dem steht: „Mein Baumpate pflegt mich.“ Dies sei ein Zeichen, dass dort nicht mehr gemäht werde.

Wildblumenwiesen: Sie sind für die Artenvielfalt ein großes Thema und Törkel erklärte, dass sich im Bezirk 3 auf dem Hügel nahe der Autobahnauffahrt Südring/Münchener Straße eine der größten extensiven Wiesen der Stadt befinde. Die müssten aber ein- bis zwei Mal im Jahr gemäht werden, sonst würden sich die Wiesen in Wälder verwandeln und nicht mehr blühen. Ein schönes neues Beispiel für eine Wildblumenfläche lieferte Theo Hilger vom Bürger- und Heimatverein Volmerswerth. Auf rund 500 Quadratmetern südlich der Wendeschleife der U72 wurden mit Unterstützung der Rheinbahn Wildblumen eingesät. Und mit finanzieller Hilfe der Bezirksvertretung stellt der Verein, der weitere Grünanlagen ehrenamtlich pflegt, dort einen offenen Bücherschrank auf.

Maßnahmen im IHZ-Park und Volksgarten: Die Grünflächen haben für die Düsseldorfer viele Erholungsfunktionen. Das Gartenamt muss da die unterschiedlichen Wünsche bei der Gestaltung der Flächen berücksichtigen, ob für Spielplätze, Sport oder Spaziergänger. Törkel kündigte an, dass die Teichanlage im IHZ-Park in Oberbilk entschlammt werden müsse und eine neue Wassertechnik bekomme. Sonst kippe das Gewässer um. Die Arbeiten, die 295 000 Euro kosten, werden sollen im Spätsommer abgeschlossen sein. Die zunehmende Verdichtung rund um den Park mit dem geplanten Wohnquartier „Grand Central“ (mehr als 1000 Wohnungen) könnte zu Veränderungen im IHZ-Park führen. Noch sind im Neubaugebiet nicht genügend Spielflächen ausgewiesen, sie könnten in den Park verlegt werden.

Dafür gibt es für den Wasserspielplatz an der Emmastraße im Volksgarten gute Nachrichten: Ein großer Teil der Fläche soll, laut Törkel, noch vor den Sommerferien freigegeben werden. Der Bereich für Kleinkinder folge im Herbst. Die Sanierung kostet 600 000 Euro.

Gänse-Plage: Die Gänse-Plage hinterlässt im Ständehauspark kahle Ufer am Gewässer und nervt die Düsseldorfer in ihrer Freizeit vor allem mit ihren Hinterlassenschaften in Südpark und Volksgarten. Doch Tobias Krause, Vogelexperte im Gartenamt, erklärte, dass das Gänse-Management erste Wirkung zeige. Der Bestand der Kanadagänse habe sich von 2017 von 956 auf insgesamt 923 im letzten Jahr Gänse reduziert. Den Gänsen werden die Eier weggenommen, nur zwei markierte werden nicht entfernt.

Da die Tiere im Mai und Juni flugunfähig seien, ist Krause zurzeit dabei, die Tiere im Stadtgebiet zu beringen und damit zu zählen. Doch das sei ein mühseliger Job: Da die Gänse schlau seien und ihn erkennen, muss Krause bei seinen Aktionen oft die Kleidung wechseln. Am Freitag wird die Stadt das Thema erneut aufgreifen: Sie stellt einen Flyer vor, der eindringlich sensibilisieren möchte, die Wildtiere nicht zu füttern.

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