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Wer hat was wann gewusst?

Wer hat was wann gewusst?

Klinik-Skandal: Geschäftsleitung soll im Januar informiert worden sein.

Düsseldorf. Nach eigenem Bekunden will die Geschäftsführung des Verbundes Katholischer Kliniken (VKKD) erst am 20. Februar von den Vorwürfen gegen den Chefarzt der Inneren Medizin am St. Vinzenz-Krankenhaus erfahren haben. Der WZ liegen Dokumente vor, die diese Darstellung zumindest zweifelhaft machen. Der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung (MAV) hat die Rechtsabteilung nach eigener Aussage schon Mitte Januar über die pauschale Gabe von Psychopharmaka an Privatpatienten informiert.

Derweil wird über die Gründe des Chefarztes gemutmaßt: "Die Motivlage ist völlig offen", sagt VKKD-Geschäftsführer Jürgen Braun. "Darüber kann man im Moment nur spekulieren." Das machen freilich auch andere. Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Derendorfer Krankenhaus, der Mediziner habe an jeder Untersuchung ordentlich (mit-)verdient. Patienten, die sich auf der Station wohlfühlten, hätten Therapien und Untersuchungen bereitwillig zugestimmt. Das sind allerdings Behauptungen, die bisher nicht belegbar sind. In der Geschäftsführung kann man sich das "nicht vorstellen".

Geld ist Gerüchten zufolge auch der Grund, warum der Mediziner bisher nicht beurlaubt oder sogar entlassen worden ist. Das Krankenhaus könne sich eine Abfindung in Millionenhöhe nicht leisten. Innerhalb der Klinik- und Verbund-Geschäftsführungen soll es diesbezüglich allerdings unterschiedliche Ansichten geben. Offiziell sagt Braun: "Wir müssen arbeitsrechtlich sauber vorgehen".

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob es einen Anfangsverdacht gibt, der Ermittlungen rechtfertigt. Das werde allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen, meint Sprecher Johannes Mocken. Ob dann wegen Körperverletzung ermittelt werde, ist fraglich. Der anonymen Anzeige sei nicht zu entnehmen, ob ein Patient durch das Antidepressivum Aponal zu Schaden gekommen ist. Der Vorgang ist bei der Abteilung für ärztliche Behandlungsfehler angesiedelt.