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Wenn eine ehemalige Kaserne zum Wohntraum wird

Wenn eine ehemalige Kaserne zum Wohntraum wird

Am Wochenende können 23 Neubauten besucht werden. Mit dabei ein Projekt von Tita Giese.

Düsseldorf. Am Wochenende werden sich zum Tag der Architektur wieder Hunderte von Neugierigen auf den Weg machen, um den Architekten über die Schulter zu bauen. Der Architektenkammer als Organisator kommt es dabei schon längst nicht mehr auf besonders erlesene Bauwerke, um eine neue Schönheit des Bauens, neue Stile oder Erfindungen an. Das praktische Denken hat die Stadtplaner, Architekten und Landschaftsarchitekten erfasst. Es geht eher um energetische Verbesserungen und um Barrierefreiheit als um herausragende Baukunst. Manche Bauherren verbinden mit ihren Umbauten auch nur eine PR-Arbeit für Arzt- oder Büroadressen. Doch es gibt Ausnahmen. Die WZ empfiehlt einige originelle Bauten.

Wenn eine ehemalige Kaserne zum Wohntraum wird
Foto: Melanie Zanin

Karl-Heinz Petzinka, Architekt

Als besonders ergiebig erweist sich die Revitalisierung historischer Bauten. Zwei Gebäude an der Ulmenstraße 134 und 136, genannt „Wandersleb“ und „Liszt-Haus“, sind schöne Beispiele. Es handelt sich um ehemalige Ulanenkasernen aus der Zeit um 1900. Der Architekt Karl-Heinz Petzinka hat, wie er sagt, „eng mit dem Denkmalpfleger des Landes zusammengearbeitet, denn die Häuser stehen unter Schutz, durften aber erweitert werden.“ Haus Wandersleb wurde aufgeschlitzt. Die alten Deckenbalken und der Dachstuhl blieben, aber an den Komplex wurde angebaut. Ehemalige Außenmauern sind jetzt zu Innenmauern geworden. Neben den Backsteinfassaden grüßen jetzt die modernen Computer in den Gewerberäumen. Die historische Struktur kommt dadurch einprägsam zur Geltung.

Entstanden sind im Neubauflügel Lofts, die rau und elegant zugleich wirken. Ein durchgehender Luftraum vom Erdgeschoss bis zum Dachstuhl lässt auf einen Blick die neue Struktur des aufgeschlitzten Hauses erkennen. Diese revitalisierten Bauten setzen sich wohltuend von einer weiteren Kaserne an der Ecke Uerdinger Straße und Ulmenstraße ab. Dieses Gebäude, ursprünglich im Besitz der Stadt, durfte vom Investor im Innern abgerissen werden, so dass nur noch wenig originale Fassade übrig bleibt.

„Anders wohnen im Hinterhof“ nennt der Architekt Carsten Blankenhorn die Werkstatt von 1888 an der Herzogstraße 88, die zu einem Wohnloft von 180 Quadratmetern mit einem Appartement von 55 Quadratmetern umgebaut wurde. Auch hier verweisen alte Mauern im Innern auf die historische Substanz. Die vorgefundene Bebauung wurde in Holzbauweise aufgestockt. Im Laufe der Bauzeit konnte der Nachbarhof erworben und renoviert werden. So entstand ein neues Ensemble zum Wohnen.

Aber auch bei der Gartengestaltung gibt es schöne Beispiele. So hat die Architektin Uta Meyer-Morick mit Tita Giese ein Konzept zur Begrünung eines kahlen, staubigen Betriebshofs entwickelt. Zuvor mussten allerdings ein Entwässerungssystem, diverse Betonkübel und auf dem Dach eines Anbaus doppelwandige Metallkübel gesetzt werden. Auch der Statiker musste sein Plazet geben, damit die einstige Dachterrasse begrünt werden konnte.

Tita Giese, Gartengestalterin

Tita Giese staffelte die Pflanzen in verschiedenen Höhen. Sie setzte winterharten, großblättrigen Bambus und kombiniert ihn mit Clematis, die je nach Sorte und Jahreszeit rosarot bis blau blühen. Die Wände sind mit Efeu und wildem Wein bepflanzt, so dass im Herbst eine rote und grüne Blätterwand die Fassaden emporklettert.

Besonders liebevoll hat Tita Giese einen Allerweltsfeldahorn behandelt, der bislang vor sich hingammelte. Sie lichtete ihn aus und erklärt nun: „Ich schicke jetzt Clematis bis in die Spitzen der Baumkronen. Der Baum soll eines Tages in roter und weißer Blüte stehen.