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Wenn der Chef das Essen in Düsseldorf persönlich vor die Tür legt

Gastronomie : Wenn der Chef das Essen persönlich vor die Tür legt

In Windeseile haben die Gastronomen Ben und Fabian Schmidt-Pereira für ihren Laden Hitchcoq an der Nordstraße ein Alternativkonzept erarbeitet. Mit dem privaten Pkw wird geliefert. Das soll ihre Existenz in Zeiten von Corona sichern.

Noch am Wochenende war es im Hitchcoq rappelvoll. Fabian Schmidt-Pereira stand in der Küche und frittierte die marinierten Hühnchenteile im Akkord, Bruder Ben bediente die Gäste an den Tischen. „Es schien als würden die Leute noch einmal die letzte Gelegenheit nutzen, bevor sich die Auflagen verschärfen“, sagt der 39-Jährige. Dass die Lage nicht so bleiben würde, ahnten die Brüder aber bereits vor einer Woche. Sie entwickelten einen Notfallplan. „Einen, der uns, unsere Mitarbeiter und unsere Gäste vor einer Ansteckung schützt, der aber auch unsere wirtschaftliche Existenz sichern soll.“

Und mittlerweile ist es amtlich. Restaurants sollen frühzeitig schließen. „Wir haben ein Abendgeschäft. Wir öffnen normalerweise erst um 17 Uhr“, sagt Ben Schmidt-Pereira. „Wir müssen also jetzt handeln, um zumindest kostendeckend zu arbeiten.“ Die Gastronomen setzen alles auf eine Karte und haben in Windeseile ein Konzept für einen Lieferdienst ausgearbeitet. Der private Pkw wird zum „Coq-Express“, der Hühnchen, Craft-Bier und Wein mit einem Preisnachlass zu den verschiedenen Haushalten karrt, die Bezahlung läuft über ein eingerichtetes Paypal-Konto, die Übergabe des Essens konktaktlos – es wird vom Chef des Ladens persönlich vor die Tür gestellt.

Im November 2018 öffnete das Hitchoq an der Nordstraße 30, im früheren „Ratatouille“. Die Idee zum Konzept brachte der ältere Bruder Ben mit: Er hat 15 Jahre in Australien gelebt und dort ein ähnliches Konzept in Melbourne für sich entdeckt – einen Mix aus Speise- und Getränkeladen. Im Zentrum der Küche steht das Hühnchen: Nashville Hot Chicken, eine spezielle Variante des in den USA so beliebten „fried chicken“. Zwei weitere Pfeiler des Konzepts sind Bier und Wein. Es gibt eine große Auswahl an Naturweinen, aber auch an Craftbier. Und: „Wir sind die kleinste Hausbrauerei Düsseldorfs. Wir brauen unser eigenes Altbier.“

In den vergangenen 16 Monaten haben sich die Gastronomen damit einen großen Kundenstamm aufgebaut. Viele davon kommen aus dem Ausland, arbeiten in Düsseldorf. Für ihren Entschluss, das Essen nun zu liefern, bekamen die Brüder schon jetzt viel Zuspruch in den sozialen Netzwerken. „Viele loben, dass der Schritt verantwortungsbewusst ist. Genau das ist auch unser Anliegen. Natürlich könnten wir unsere Öffnungszeiten anpassen und aus finanziellen Gründen hoffen, dass es immer noch genug Kunden gibt, die es trotz der klaren Ansagen der Bundesregierung immer noch nicht verstanden haben, dass man jetzt besser komplett auf soziale Kontakte jeglicher Art verzichtet. Aber wir wollen Verantwortung übernehmen“, sagt Ben Schmidt-Pereira.

Inwiefern das Liefer- und Abholkonzept aufgehen wird und die Existenz der beiden über die nächsten Wochen sicherstellen wird, können die Brüder nicht abschätzen. „Wir haben einige Vorbestellungen erhalten. Aber ob das Ganze wirklich angenommen wird, können wir noch nicht sagen“, sagt Schmidt-Pereira. „Es ist ein Versuch.“ Der kleine, rote Skoda ist mit Klebestreifen beklebt und mit Edding beschriftet zumindest schon mal für die täglichen Touren durch Pempelfort, Derendorf, Düsseltal, Flingern und Stadtmitte präpariert. „Support your local chicken dealer“ haben die Jungs mit einem Augenzwinkern auf die Ladeklappe geschrieben. Auch wenn die Zeiten hart sind, der Humor darf schließlich nicht fehlen.

Auch andere Düsseldorfer Restaurant-Betreiber sind mittlerweile auf die Idee des Hol- und Bringdienst gekommen. So verkündete auch das Askitis, sein Essen ab sofort zu liefern, nach Düsseltal, Pempelfort, Flingern-Nord und Grafenberg.