Wenn der Bass wie eine unsichtbare Kugel durch den Körper rollt

Wenn der Bass wie eine unsichtbare Kugel durch den Körper rollt

Zum Ende des Free Spirit Festivals steht ein Tanzwettbewerb auf dem Programm — eines der Highlights der Woche.

Düsseldorf. Der Bass, der Rhythmus — sie scheinen wie eine Kugel durch den Körper des Tänzers zu rollen. Da geht ruckartig die Schulter hoch, mit seiner Hand drückt er sie herunter, die imaginäre Kugel rollt die Seite hinunter in die Hüfte. So wechselt er zwischen harten, abgehackten und sanften, geschmeidigen Bewegungen. Immer den Beat im Ohr und in jeder Faser seines Körpers.

Im Tanzhaus war am Wochenende Hip-Hop angesagt. Beim Free Spirit Festival gab es jede Menge Workshops und Erfahrungsaustausch. Gekrönt wurde das Festival am Sonntagabend durch das Hip-Hop Championship. In verschiedenen Kategorien und unterschiedlichen Tanzstilen traten die besten aus ihren Reihen gegeneinander an. Darunter waren Dozenten des Festivals und geladene Gäste. „Dieses Jahr hatten wir eine hohe internationale Beteiligung“, sagt Sonja Reischl vom Veranstalter. Mit dabei waren Tänzer aus Japan, China, den USA, Brasilien, aber auch aus vielen europäischen Ländern wie Italien, Norwegen, Frankreich, außerdem Russland und der Ukraine.

(Blick in einen der Workshops beim Free Spirit Festival, angeleitet von Tänzer Ben Wichert. Foto: Eva Berten)

Es geht gewissermaßen ein Beben durch das Tanzhaus. Die vibrierenden Bässe, die eingängigen Rhythmen sind im ganzen Haus zu spüren. Auch das Publikum um die kleine Bühne in der Mitte des Veranstaltungsraumes ist ständig in Bewegung. Wippende Knie, nickende Köpfe, immer wieder mal ein erhobener Zeigefinger im Takt oder ein in die Luft gestreckter Arm. An den Seiten die stehen die wartenden Kandidaten für den Wettbewerb, sie trainieren ihre Schritte oder lassen sich einfach mitreißen — man kriegt den Beat eben nicht aus dem Tänzer.

Auf der Bühne ist Macker-Gehabe heute erlaubt — auch bei den wenigen Frauen, die teilnehmen. Immerhin muss das Tanz-Revier markiert werden. Da kommen sich die Gegenspieler schon einmal näher, tanzen sich an, zeigen, wer der Stärkere ist — oder winken ab, bei den aufwändigen Moves des Tänzers, der gerade dran ist — „Damit kannst du nach Hause gehen“.

Der Wettbewerb selbst läuft so ab. In verschiedenen Kategorien — zum Beispiel Hip-Hop allgemein, Breakdance oder Popping, eine Unterform des Breakdance, bei der sich der Tänzer mechanisch-roboterhaft bewegt — treten die Kandidaten alleine oder in Zweier-Teams gegeneinander an. Jeder hat eine Minute Zeit, sein Können unter Beweis zu stellen — bei den Zweier-Gruppen läuft das abwechselnd, je einer aus dem Team im Wechsel mit der anderen Gruppe. Dann wird bewertet. Eine vierköpfige Jury aus namhaften Tänzern — in diesem Jahr sind das Tiptop, Bboy Junior, Jr Boogaloo und OG — gibt seine Stimme ab. Bei Gleichstand müssen die Tänzer nochmal ran. So geht es von Runde zu Runde bis in die Finals, am Ende bleibt ein Tänzer oder ein Team übrig und holt den Titel.

Und auch der ungeübte Zuschauer bemerkt, wie sich das Niveau von Runde zu Runde steigert. Jeder Tänzer legt nochmal eine Schippe drauf. Schnellere Bewegungen, mehr Akrobatik, Handstände, Sprünge, Drehungen. Das Publikum hält sich mit seinem Urteil nicht zurück. Bei schwierigen aber trotzdem gelungenen Bewegungen geht oftmals ein Raunen durch die Menge. Auch einzelne rufen dazwischen „Ja, Mann!“. Nach jeder Schlacht wird sich auf der Bühne abgeklatscht und geherzt. Und all das sieht nach einer Menge Spaß für alle Beteiligten aus.