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Wenn das Geld im Alter nicht reicht

Wenn das Geld im Alter nicht reicht

Immer mehr Senioren verarmen. Ein Bündnis bietet Hilfe an.

Düsseldorf. Familie P. hatte nie finanzielle Sorgen. Gemeinsam bekamen Hubert (71) und Erna (68) P. monatlich 1320 Euro Rente. Privat vorgesorgt hatten sie wie so viele aus der ersten Nachkriegsgeneration nicht.

„Die Renten sind sicher“, bekamen sie immer wieder von Politikern zu hören. Nach Abzug aller Fixkosten — Miete, Telefon, Versicherungen, GEZ und Kreditraten summierten sich auf 963 Euro — blieben 357 Euro monatlich zum Leben. Damit waren zwar keine großen Sprünge drin, aber die beiden kamen über die Runden.

Doch dann starb Hubert P., und die Welt von Erna geriet aus den Fugen. Ihre Witwenrente, 60 Prozent der Rente ihres Mannes, beläuft sich auf 792 Euro. Nun fehlte ihr nicht nur Geld zum Leben, sie hatte zu Monatsbeginn bereits 171 Euro zu wenig, um überhaupt die laufenden Kosten zu decken.

Erna P. ist kein Einzelfall. Ob durch den Verlust des Partners, steigende Lebenshaltungskosten, nicht eingeplante Ausgaben für Pflege oder eigene Fehler: Immer mehr Senioren verarmen im Alter und haben Schulden. Doch die wenigsten suchen sich professionelle Hilfe.

Etwa 650 Rentner kamen im vergangenen Jahr zum Verbund der Schuldnerberatungsstellen, in dem sich die Verbraucherzentrale, der SKFM, die SWT-Stiftung, die Awo und die Stadt zusammengeschlossen haben. Doch die Zahl der betroffenen Senioren liegt weit darüber.

„Viele trauen sich nicht, zu uns zu kommen. Sie schämen sich, weil sie es bislang nie nötig hatten, finanzielle Hilfe anzunehmen“, erklärt Bettina Seidel von der Verbraucherzentrale.

Zu der Scham kommen häufig altersbedingte Probleme, wie Vereinsamung oder mangelnde Mobilität. „Manche wissen nicht mal, dass es die Beratung gibt“, sagt Sandra Bellstadt von der SWT-Stiftung.

Dabei kann der Gang zu den Experten Probleme lösen. Diese überprüfen Unterlagen und Verträge, erstellen Haushaltspläne, helfen, aus Abo-Fallen herauszukommen, oder beim Behördengang, um Unterstützung zu beantragen. „Die Menschen erfahren oft erst bei uns, welche Ansprüche sie haben“, sagt Gabriele Hellendahl vom SKFM.

Erna P. konnte geholfen werden. Sie bekommt zu ihrer Witwenrente (792 Euro) nun 22 Euro Grundsicherung, dazu wurde die Kreditrate (420 Euro) eingestellt, sie wurde von der GEZ befreit, und zahlt nur noch zehn Euro für Versicherungen. Nun hat sie 329 Euro im Monat zum Leben.