Düsseldorf „Welcome Dinner“: Kennenlernen geht durch den Magen

Sieben Düsseldorfer sind Gastgeber beim „Welcome Dinner“ für sieben syrische Flüchtlinge.

Düsseldorf:  „Welcome Dinner“: Kennenlernen geht durch den Magen
Foto: Judith Michaelis

Düsseldorf. Es duftet verführerisch nach Falafel und Spargelsuppe. Ungewöhnliche Kombination? Schon möglich. Aber beim „Welcome Dinner“ in der Löricker Kochwerkstatt sind diese Klassiker deutscher und syrischer Küche an diesem Abend genau die richtige Mischung: Sieben Düsseldorfer möchten als Gastgeber gemeinsam mit sieben Geflüchteten, die ihre Gäste sind, kochen. Jeweils ein Düsseldorfer und ein Gast bilden ein Kochteam. Jedes der Köche-Paare wird in den nächsten zwei Stunden gemeinsam ein Gericht für das sechsgängige Menü zubereiten.

Bereits kurze Zeit später wird in der Küche geschnibbelt, gebrutschelt, aber auch ausgiebig geklönt, gefachsimpelt und gelacht. „Du muss schön rühren, dass er nicht anbrennt“ — diesen Tipp hatte Gastgeberin Melanie eingangs ihrem Gast Salan gegeben. Das Duo bereitet den Nachtisch zu — Grießbrei mit Rhabarber. Salan, der erstaunt feststellt, dass Rhabarber hierzulande nicht so wie in Syrien als Unkraut gilt, muss jedoch später bei Hanna Feuerwehr spielen.

Diese bereitet mit ihrem Gast Bashar Taboulleh vor und benötigt dringend Hilfe. Lachend sagt Hanna: „Ich habe mich beim Petersiliehacken ungeschickt angestellt, und so zeigt Salan mir das.“ Salan hingegen erweist sich als Vollprofi im Kräuterhacken. „Ich bin Kellner und Koch“, verrät er. Elias, einstiger „Welcome Dinner“-Gast von Tim, hat derweil ein Auge auf die Zubereitung der syrischen Speisen. „Tim fand sehr schnell heraus, dass Elias gut kochen kann“, erzählt Sonja Scheiper, eine der ehrenamtlichen Akteure der Initiative „Welcome Dinner Düsseldorf“.

In hochkonzentrierter Teamarbeit kämpfen derweil Nils und Mihmed mit dem Thermomix. Nicht ohne erste Bande zu knüpfen („Wie lange bist du schon in Deutschland?“). Unter ihrer Federführung entstehen Falafel, jede Menge Kichererbsen, Zwiebeln und Kräuter gilt es zu verarbeiteten. Fazit: In Syrien wird Falafelmasse mit einem Fleischwolf verarbeitet. Geht leichter.

Während Natalie Osama erklärt, wie dieser den Spargel für die Spargelsuppe schält, kommen auch hier Gastgeberin und Gastgeber ins Gespräch. „Bist du mit deiner Familie hier? Hast du irgendwelche Hobbys?“, interessiert sich Natalie. Caro ist „Wiederholungstäterin“. Sie berichtet: „Ich bin vor vier Jahren aus Belgien gekommen und das Konzept hat mich angesprochen.“ Heute ist Bashar ihr Gast. Auch die beiden kommen beim gemeinsamen Kochen schnell ins Gespräch.

Caro erfährt, dass Bashar aus Aleppo stammt. Caro: „Er hat von seiner Ankunft in Deutschland erzählt und wir haben über Sprache gesprochen.“ Auch Anastasia und Said plaudern beim Zubereiten der Spinattarte angeregt. „Kochst du jeden Tag? Hast du schon mal Bratwurst oder Schnitzel probiert oder Reibekuchen?“ Anastasia findet: „Es ist schön, dass man sich persönlich kennenlernt, und der kulturelle Austausch ist interessant.“ An einer großen Tafel klingt der Abend beim gemeinsamen Essen aus.

Sonja Scheiper über „Welcome Dinner“: „Wir haben uns 2015 gegründet, als die großen Flüchtlingswellen hier ankamen. Es ist eine schöne Art, willkommen zu heißen. Es gibt viele Leute, die schon länger in Düsseldorf wohnen und keinen Kontakt zu Düsseldorfern haben.“ Die Gäste werden unter anderem in Sprachschulen akquiriert. Luden die Gastgeber die Gäste vormals zu sich nach Hause ein, möchten die Akteure fortan eine Plattform auf neutralem Boden bieten. Hierfür kooperiere man mit Restaurants und Cafés. So fanden etwa im Flingerner Café „A.nni“ ein „Welcome Dinner“-Abendbrot und in der Kaffeerösterei Schvarz ein Kaffeeklatsch statt.

Es kann bei einem Dinner bleiben, aber bei Vielen haben sich Freundschaften entwickelt. Scheiper: „Es gab schon oft Gegeneinlandungen. Ich selber war schon bei einer Familie aus dem Iran eingeladen. Einige Gastgeber konnten Gästen auch helfen, eine Wohnung zu finden oder Jobs zu suchen.“ Das „Welcome Dinner“ finanziert sich selbst. Jeder Gastgeber zahlt eine Lebensmittelumlage. „Wir sind jedoch auf Spenden für die Schürzen und Flyer angewiesen“, sagt Sonja Scheiper.