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Weiße Biotechnologie: Clib bringt NRW und Heine-Uni nach oben

Weiße Biotechnologie: Clib bringt NRW und Heine-Uni nach oben

Bis zu 50 Millionen Euro stehen für Spitzenforschung zur Verfügung.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Die Klischees sind klar: Der Professor vom Institut für Molekulare Enzymtechnologie (IMET) lebt allein in seinem Labor und forscht an praxisfernen chemischen Verbindungen. Was er tut, auf welche Resultate man hoffen darf, ist den wenigsten bekannt. Die Wirklichkeit ist anders: Imet-Chef Karl-Erich Jaeger forscht im Bereich der "weißen Biotechnologie", an Experten wie ihn sind große Hoffnungen geknüpft. Den Geldgebern der Industrie geht es zwar vordringlich darum, "günstiger, sauberer und Energie sparender zu produzieren". Es geht folglich ums Geld - aber eben auch um einen besseren Umgang mit den Bio-Ressourcen und die Frage, welche Rolle Mikroorganismen dabei spielen können.

Jaeger hat Beispiele zur Hand, die eine Vorstellung vermitteln: Henkel - die Düsseldorfer sorgten dafür, dass der Begriff graue in weiße Biotechnologie geändert wurde - hätte gerne ein Vollwaschmittel für 30 Grad. Enzyme im Waschmittel könnten Prozesse auslösen, welche eine höhere Wirksamkeit verursachen. Anderen Unternehmen geht es um Aminosäuren, die Ergänzungsmittel beim Futter beinflussen.

Und natürlich spielt auch die große Politik eine Rolle: Die Degussa reagiert derzeit auf nervöse Ansagen amerikanischer Großkunden: Nach dem Einschwenken des US-Präsidenten im Streit um die Verringerung der Kohlendioxyd-Belastung glauben diese, dass einige ihrer Produkte bald unverkäuflich sein könnten - wegen einer zu schlechten Umweltbilanz. Also werden neue Zwischenprodukte für die Kunststoffherstellung nachgefragt, die eine grünen Stempel wert sind.

Universitäts-Rektor Alfons Labisch sieht in den Biowissenschaften die große Chance, die Hochschule wenigstens in einem Bereich in die internationale Top-Liga zu führen. Auch bei der nächsten Excellenz-Initiative könnte sich Düsseldorf dann auf dem Siegerpodest platzieren. "Dann können wir uns auch als kleine und feine Uni mit Aachen, Bonn und Köln auf einer Augenhöhe definieren."

Die Zeichen stehen für die nächsten fünf Jahre gut. Jaeger, sein Kollege Jörg Pietruska und zwei weitere Professoren der Heine-Universität gehören zum Zentrum für Mikrobielle Biotechnologie am Forschungszentrum Jülich. Mit ihnen und weiteren Hochschulen bilden die NRW-Großindustrie (Henkel, Bayer etc.) sowie 20 kleine und mittlere Unternehmen einen Verbund.

Dieses Cluster trägt den Namen CLIP und hat beim Bund 20 Millionen Euro eingeworben. Durch weitere 20 bis 30 Millionen Euro privater wie öffentlicher Mittel soll die NRW-Biotechnolgie ihren Spitzenplatz ausbauen. Auf em Wunchzettel es Rektors steht auch ein Labortrakt für die Studenten in Jülich.

Amerikanische und asiatische Experten sind auf Clip bereits aufmerksam geworden. Dessen Vorteil: Jetzt geht nicht mehr ein Unternehmen wegen eines Problems auf ein Institut zu - jetzt wird Wissen vernetzt und Qualität insgesamt angehoben.