Weg von der Königsallee, hinein in die Kieze

Weg von der Königsallee, hinein in die Kieze

Kiez, Szene, modernes Reisen: NRW-Tourismus-Projekt „#Urbanana“ wird beim Berlin Travel Festival vorgestellt.

Nirgendwo sonst reihen sich urbane Räume so dicht aneinander wie an Rhein und Ruhr. Dementsprechend könnte man das Gebiet von Köln über Düsseldorf bis ins Ruhrgebiet als „Großstadtdschungel“ bezeichnen. „Tourismus NRW“ macht das. Und reizt die exotische Metaphernwelt weiter aus. Zöge man um die drei urbanen Zentren NRWs — Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet — eine Umrisslinie, erkenne man das Bild einer Banane. Diese exotische Perspektive auf Großstadtregionen in NRW führte zum Motto der Kampagne „#Urbanana“, die Ende 2016 gestartet wurde.

Das Kampagnenmotto führte zu Verwirrungen. Auf der offiziellen Homepage des Projektes heißt es nämlich: „Wir gründen gemeinsam eine urbane Bananenrepublik ohne klare Grenzen“. Das weckte natürlich automatisch Assoziationen mit dem, was man gemeinhin unter einer Bananenrepublik versteht: ein Staat, in dem Korruption, Bestechlichkeit und Willkür herrschen. Die Form der Banane und die Ausrufung einer Bananenrepublik seien humoristisch zu verstehen, korrigiert Julie Sengelhoff, Pressesprecherin von „Tourismus NRW“. Freilich klingt „#Urbanana“ sexier als der offizielle Projekttitel: „NRW als Destination für Urban Lifestyle und Szene“. Und dahinter verbirgt sich ein zeitgemäßes und vielversprechendes Tourismus-Konzept. Dafür haben sich die Tourismus-Verbände aus Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet mit „Tourismus NRW“ zusammengeschlossen. „#Urbanana“ wird vom Land und der EU gefördert und verfügt über ein Budget von 1,2 Millionen Euro. Projektleiter Jan-Paul Laarmann aus Düsseldorf stellt „#Urbanana“ heute beim Berlin Travel Festival vor. Das Ziel: Weg von „klassischen“ Touristenzielen hin zu den Kiezen und Szenevierteln. Für Düsseldorf heißt das: Weg von der Königsallee, dem Medienhafen und dem Rheinturm, hinein in Szene-Stadtteile wie Flingern, wo Modegeschäfte, Hinterhofwerkstätten, Off-Räume, Kneipen oder Cafés immer mehr Menschen anlocken. Dazu werden etwa Reisemagazine veröffentlicht, in denen Kenner der Stadtteilszene ihre touristischen Highlights ankündigen. Ebenso dienen Hotels nicht mehr als reine Übernachtungsstätten, sondern auch als Orte für Konzerte oder Ausstellungen. Etwa das „hotel friends“ am Worringer Platz, in dem seit einigen Jahren immer wieder Kunstprojekte stattfinden.

„#Urbanana“ verleiht auch einen Award für Konzepte, die originelle touristische Erlebnisse liefern. Die Düsseldorfer Modedesignerin Marion Strehlow etwa hat ihn gewonnen. Ihr Projekt: „Behind the Scene“. Sie möchte die Designer-Szene für Einheimische und Touristen „greifbarer“ machen. Mit einer Stadttour, die durch die Mode-Ateliers verschiedener Stadtteile führt. Besucher sollen hinter die kreativen Prozesse von Modemachern blicken und idealerweise auch Kleidung aus den Kollektionen kaufen.

„#Urbanana“ läutet somit das Ende des klassischen Tourismus ein. In Zeiten von Bed and Breakfast, Airbnb und Couchsurfing hat sich das Reisen verändert: Touristen auf aller Welt wollen sich nicht mehr als Touristen fühlen, sondern sich in die einheimischen Szene- Viertel begeben, um das Leben vor Ort so echt wie möglich zu erfahren.

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