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Woche des Sehens: Was Sehbehinderten im Alltag hilft

Woche des Sehens : Was Sehbehinderten im Alltag hilft

Die Woche des Sehens: Marienhospital und Sehbehindertenverein Düsseldorf luden zum Aktionstag in die Klinik ein.

Düsseldorf. Ein Stock, ein Hund und die Punktschrift — das sind die bewährten Hilfsmittel, mit denen sich Blinde und Sehbehinderte im Alltag orientieren. Mittlerweile gibt es jedoch erstaunliche technische Möglichkeiten, die blinden Menschen den Alltag erleichtern. Das Marienhospital und der Sehbehindertenverein Düsseldorf luden Dienstag anlässlich der bundesweiten „Woche des Sehens“ zum Aktionstag in die Klinik ein. Knapp 200 sehende wie sehbehinderte Besucher kamen zwischen 13 und 17 Uhr ins Foyer und informierten sich über die Angebote.

So gibt es etwa ein spezielles Hilfsmittel zum Erkennen von Lebensmitteln durch Auslesen des aufgedruckten Barcodes. Inhalt und Gewicht von vielen Millionen handelsüblichen Produkten liest der kompakte, 300 Gramm schwere und akkubetriebene „Einkaufs-Fuchs“ der Firma Syn-Fhon mit klarer Stimme vor. Dank mitgelieferter Strichcode-Etiketten und integrierter Spracheingabe kann alles, was schnell zur Hand sein soll, beschriftet werden — von der selbst eingekochten Marmelade über Medikamente, Tiefgefrorenem, selbstgebrannten CDs bis zu Büchern und Dokumenten. Die Kosten für den Einkaufs-Fuchs übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen, dennoch haben längst nicht alle Sehbehinderten dieses Hilfsmittel zur Verfügung: „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt“, sagt Verena Tomuschat (56), deren Mutter an einer altersbedingten Schädigung der Makula (der Punkt des schärfsten Sehens auf der Netzhaut) leidet. Die 56-Jährige ist ins Marienhospital gekommen in der Hoffnung, hier neue Möglichkeiten zu finden, um das Leben ihrer Mutter aktiver gestalten zu können.

Wolfgang Ziem, Senior-Chef des Optik- und Hörgerätegeschäftes an der Heinrich-Heine-Allee, weiß um die Ahnungslosigkeit vieler Betroffener: Es sind ja sehr viele Senioren von Sehbehinderung betroffen und die haben meist Angst vor scheinbar komplizierter Technik. Wenn eine Brille die Sehleistung jedoch nicht mehr ausgleichen kann, müssen geeignete Lösungen für den Alltag gefunden werden“, erklärt der Fachmann. „Wir trainieren die Leute, damit sie lernen, mit den Hilfsmitteln umzugehen.“

So gebe es zum Beispiel ein Komfortglas, das weitgehend unbekannt am Markt sei: „Es hilft bei der Makula-Degeneration und wirkt wie ein Fernrohr.“ Vorlesegeräte, die auf einfachen Knopfdruck gedruckte Texte aller Art vorlesen, Screenreader, die Bildschirminhalte akustisch als Sprachausgabe wiedergeben, handliche elektronische Lupen, die als mobile Sehhilfen im Einsatz sind und modernste kleine und mobile Bildschirmlesegeräte, auf denen sich der Sehbehinderte auch selbst sehen kann, präsentiert Maik Thiessat von der Firma Baum mit seinen Mitbewerbern Stephan Gawin von der Firma Reinecker und Patrick Rapp von der Firma Papenmeier.

Die meisten der angebotenen Produkte sind nicht neu auf dem Markt, aber neu für viele Betroffene: „Man hat oft den Eindruck, dass die Behinderten nicht ausreichend von Augenarzt und Optiker informiert werden“, beklagt Thiessat. Birgit Oepen ist Medizinproduktberaterin mit Sitz in Düren. Im Marienhospital zeigt sie eine Auswahl ihrer Angebotspalette wie das Farberkennungsgerät. „Das ist wichtig, damit die Wäsche sortiert werden kann und damit der Sehbehinderte sich nicht ungewollt bunt kleidet“, erklärt sie.

Sprechende Küchen- und Personenwaagen, Blutdruck- und Zuckermessgeräte, Fieberthermometer — wer ohne Sehkraft alleine zurechtkommen muss, braucht eine entsprechende Ausstattung. „Wir haben auch Kartenspiele und Nähnadeln für Blinde oder einen Füllstandanzeiger mit akustischem Signal, der zeitig vor einem Überlaufen warnt, zum Beispiel wenn Kaffee in eine Tasse geschüttet wird“, sagt Oepen. „Wer den neumodischen Kram für sich zulässt, kann sein Leben mit Behinderung besser meistern“, sagt Wilhelm Decker, dessen Netzhaut infolge von Diabetes geschädigt ist. Der 71-Jährige ist dankbar für diesen Aktionstag mit seinen vielen Informationen. Seit nunmehr 15 Jahren findet der Aktionstag jeweils im Oktober statt.