Was noch gegen Gänse getan wird

Was noch gegen Gänse getan wird

Auch Höckerschwäne und duftende Pflanzen sollen die Tiere verjagen.

Parallel zum Gelegemanagement verfolgt die Stadt laut Norbert Richarz von der Unteren Naturschutzbehörde weitere Ansätze, um die Population der Tiere zu dezimieren — ein Überblick.

Ein Fütterungsverbot für wildlebende Tiere, also auch für Gänse, gibt es schon seit Jahren. Laut Stadt wird das auch kontrolliert und im Einzelfall geahndet. Dieses Jahr soll ein neues Hinweisschild an relevanten Orten in Parkanlagen darauf aufmerksam machen.

Zusätzlich sollen jetzt Flächen geschaffen werden, die Gänse eher meiden. Dazu gehören vor allem Wiesen, die nicht mit proteinreichem Gras bewachsen sind, und andere, in denen sich Gänse nicht sicher fühlen. Im Zuge der Neugestaltung des Spee’schen Grabens sei eine Fläche angelegt worden, auf der gezielt einheimische Kräuter statt Rasen angesiedelt wurden. „Das sind vor allem Kräuter mit behaarten Blättern, die die Tiere nicht mögen“, erklärt Richarz. Unter anderem sind die Gundelrebe, ein wintergrünes Kraut mit lilafarbenen Blüten, sowie der blühende Frauenmantel dabei. Eine andere Option sind besonders harte Grassorten, die zäher sind und den Gänsen nicht schmecken. Auf kleineren, spielplatznahen Flächen kann Rasen gegen Sand ausgetauscht werden, damit sich die Gänse nicht im unmittelbaren Umfeld aufhalten.

Eine weitere Möglichkeit sei die gezielte Ansiedlung von Höckerschwänen. Die dulden keine Gänse an ihren Brutplätzen und hindern diese am Brüten. Inseln in Parkanlagen sollen dafür so gestaltet werden, dass sie für Schwäne attraktive Brutareale darstellen. Es gibt allerdings einen Haken: Wegen ihrer Aggressivität muss die Zahl der Schwäne immer auf ein Brutpaar und deren Jungvögel begrenzt werden.

Es sei nicht das Ziel, die Gänse komplett aus der Stadt zu vertreiben, sagt Norbert Richarz. „Somit wird es auch weiter Verschmutzungen auf Wegen und Spielplätzen geben — dafür aber weniger stark.“ Deswegen werde weiter gereinigt, besonders rund um den Wasserspielplatz im Zoopark sei das für das Jahr 2018 schon veranlasst.

Kanadagänse unterliegen als wildlebende Tierart zwar dem Jagdrecht — das sieht aber erstens Schonzeiten vor, die eine ganzjährige Jagd verbieten. Zudem sind innerstädtische Parkanlagen sogenannte „befriedete Bereiche“, in denen grundsätzlich nicht gejagt werden darf, weil die Jagd zu einer Gefährdung der Bevölkerung führen könnte. „Deswegen schließen wir eine Jagd auf Gänse aus“, sagt Norbert Richarz. „Wie soll das gehen? Wir können keinen Jäger in den Park schicken, während ein paar Meter weiter Kinder spielen.“ Das Problem sei darüber hinaus ein landesweites, mit anderen Städten und dem NRW-Umweltministerium habe man sich abgesprochen und diese Entscheidung getroffen.

Der Erfolg einer Bejagung sei zudem keineswegs gesichert. Dass ein Abschuss nicht nur rechtlich unzulässig wäre, sondern auch schlicht nicht den gewünschten Effekt einer Populationsabnahme hätte, merken auch Iris Bellstedt von den Grünen und Michael Süßer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) an. „Da sind so viele wilde Gänse unterwegs, dass die frei gewordenen Brutplätze einfach nachbesetzt würden“, sagt Süßer.

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