Was Düsseldorfer Schule gegen Online-Spielsucht bei Jugendlichen tut

Online-Sucht : Spielsucht bei Jugendlichen: Wenn man nicht mehr „offline“ kann

Exzessives Spielen wird immer mehr zum Problem. Die Werner-von-Siemens-Realschule reagiert mit einem Projekt.

Shayan ist jeden Tag etwa drei bis vier Stunden an Handy und Computer beschäftigt – schätzt er. Am Wochenende können es auch mal sechs Stunden sein. Was er da macht? „Spielen, Videos gucken und sowas“, sagt der 15-Jährige. Manchmal macht er auch am Rechner eine Nacht durch. Seinen Online-Konsum findet er ok – auch wenn das Durchmachen vielleicht nicht so gut ist. „Das sollte ich lieber nicht mehr machen“, sagt er.

Shayan geht auf die Werner-von-Siemens-Realschule. Dort fand ein Projekt für Schüler zum Thema exzessives Computerspielen statt, organisiert von Schule und Crosspoint, der Stelle für Suchtprävention von Caritas, Diakonie und Drogenhilfe in Düsseldorf. Denn dass Jugendliche die Kontrolle über ihr digitales Verhalten verlieren, kommt immer wieder vor.

Seit etwas mehr als einem Jahr hat auch die Weltgesundheitsorganisation WHO Online-Spielsucht offiziell zur Krankheit erklärt und in ihren Katalog mit aufgenommen. Die Sucht nach Digitalem verläuft eigentlich genauso, wie andere Suchten, weiß Hedwig Claes von Crosspoint. „Es fängt an mit Ausprobieren, irgendwann findet man Gefallen daran und dann gerät die Nutzung außer Kontrolle“, beschreibt sie den Verlauf. Auch wenn das nicht bei allen so sein muss.

Hedwig Claes (l.) und Lehrerin Julia Grieß kennen die Probleme der Online-Sucht. Foto: Carolin Scholz

Nach einer Studie der Krankenkasse DAK aus dem vergangenen Jahr erfüllen zum Beispiel etwa 2,6 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren in Deutschland die Kriterien für eine Social-Media-Abhängigkeit – Mädchen mit 3,4 Prozent etwas häufiger als Jungen mit 1,9 Prozent. Mädchen sind es auch, die besonders viel Zeit in den Sozialen Netzwerken verbringen, etwa drei Stunden am Tag, eine halbe Stunde länger als Jungen.

Mädchen nutzen mehr Social Media, Jungen mehr Spiele

Bei den Online-Computerspielen sind eher die Jungs aktiv. Laut Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums nutzen 77,1 Prozent der internetnutzenden Frauen zwischen 14 und 24 hauptsächlich soziale Netzwerke und nur 7,2 Prozent hauptsächlich Spiele. Bei den Männern im gleichen Alter nutzen 64,8 Prozent hauptsächlich Online-Spiele und 33,6 Prozent Soziale Netzwerke.

Auch die Schüler an der Düsseldorfer Realschule kennen das. „In unserer Klasse sind Mädchen, die sind Tag und Nacht bei Instagram“, sagen Sabine und Jasmine, beide 14. Ihre eigene Nutzung haben sie gut im Griff. Auf anderthalb bis zwei Stunden schätzen sie ihre tägliche Online-Zeit. Realistisch? „Ich muss oft auf meinen kleinen Bruder aufpassen. Da habe ich gar nicht so viel Zeit fürs Smartphone“, sagt Sabine.

Das Problem, so Lehrerin Julia Grieß, sei oft, dass den Schülern zu wenig Grenzen gesetzt werden. „Die Schüler kennen sich selbst super aus. Die Eltern schon weniger“, sagt sie. Deshalb sei es schwierig, Regeln festzulegen. Denn viele Eltern wissen nicht: Was macht mein Kind da eigentlich die ganze Zeit mit Handy und PC? Da könne es helfen, als Eltern auch Interesse zu zeigen, sich verschiedene Spiele oder Apps zeigen und erklären zu lassen – um dann besser entscheiden zu können, wann es zu viel wird.

Problematisch werde es dann, wenn die viele Nutzung auch das restliche Leben beeinflusse. „Viele, die süchtig sind, ziehen sich mehr und mehr aus dem Sozialleben zurück“, sagt Hedwig Claes. Auch die Schulnoten werden dann oft schlechter. Daher gelte es, Alternativen zum Online-Konsum zu finden. Im gemeinsamen Projekt bietet die Expertin den Schülern solche an – Sport, gemeinsam Kochen, rausgehen, Freunde treffen.

Doch das gelte nicht nur für Jugendliche – auch bei Erwachsenen ist exzessive Nutzung von PC und Co ein wachsendes Problem. „Da muss man sich einfach selbst auf die Probe stellen“, sagt Hedwig Claes – wie bei einer anderen Sucht eben auch. Mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, wenn man auf Handy und Online-Angebote verzichtet. Und versuchen, eben doch öfter mal offline zu bleiben.