Was Düsseldorf von anderen Städten für seine Festivals lernen kann

Was Düsseldorf von anderen Städten für seine Festivals lernen kann

Kulturpolitiker diskutieren derzeit, wie sie mit dem Open Source, dem New Fall oder dem Düsseldorf Festival umgehen sollen. Mögliche Antworten kommen aus Berlin, Hamburg, Köln und Stuttgart.

Die Gemengelage will geordnet werden. Die Bestandteile des unübersichtlichen Status quo: 1. Im Kulturentwicklungsplan steht als ein Ziel: „Düsseldorf als Festivalstadt profilieren“. 2. Die Macher einiger Festivals treten regelmäßig an die Stadt heran und präsentieren ihre Vorstellung einer angemessenen Förderung. 3. Die Ergebnisse sind sehr individuell und schwer zu vergleichen. 4. Zuletzt wurde die Lage noch dadurch verkompliziert, dass die Gesellschaft hinter dem New Fall Festival finanzielle Schwierigkeiten meldete.

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Auf dem Weg zu geordneten Verhältnissen wollen sich Düsseldorfs Kulturpolitiker Inspiration in anderen Städten holen und diese fragen, wie sie es denn so mit den Festivals halten. Wir haben genau das gemacht und einige interessante Modelle kennengelernt.

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Berlin Die Bundeshauptstadt scheint Probleme wie die Düsseldorfer zu kennen, denn dort entsteht gerade ein neues „Festivalprogramm“, das ab 2020 gelten soll. Es sieht vor, dass Festivals dann eine vierjährige Förderung erhalten können. Voraussetzung dafür ist, dass sie etabliert und „stadtpolitisch relevant“ sind. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, soll ein unabhängiges Expertengremium entscheiden. Details zu den Zielen und ihrer Kontrolle werden derzeit noch erarbeitet.

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Hamburg Jurys als Entscheider über Förderung gehören auch zum Modell der Hansestadt Hamburg. Dort ist darüber hinaus vor allem ein Teil des Finanzierungsmodells spannend. Mittel werden auch aus der 2012 eingeführten (und vorher ordentlich umstrittenen) Kultur- und Tourismustaxe zur Verfügung gestellt. Privatreisende, die in Hamburg übernachten, zahlen je nach Zimmerpreis zwischen 50 Cent und vier Euro. So sind im Jahr 2016 rund 13 Millionen Euro zusammengekommen. Gut 1,5 Millionen davon gingen an Veranstaltungen wie das Internationale Musikfest Hamburg, das Reeperbahn-Festival oder das „MS Dockville“, welches Musik und bildende Kunst verbindet.

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Köln Gleich neun Festivals aus verschiedenen Sparten der Populärmusik erhalten Geld von der Stadt Köln. Das spricht eine klare Sprache, wie Köln sich profilieren möchte. Und genau das ist die Voraussetzung für Zuschüsse: Ein Festival muss die künstlerische Qualität und den Pop-Standort stärken sowie ein innovatives Programm mitbringen.. Wörtlich: „Die Projekte sollten nach Möglichkeit multiplizierend wirken und einen nachhaltigen Effekt für die Kölner Szene haben.“ Das c/o pop Festival hat sogar eine eigene Stelle im städtischen Haushalt und bekommt einen regelmäßigen Betriebskostenzuschuss in Höhe von derzeit 160 000 Euro.

Stuttgart Die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg fördert in beachtlichem Maße zahlreiche Musikfestivals, etwa passend zur dortigen Bachakademie. Eines der Festivals stammt aus Düsseldorf. Das New Fall erhält für seine Stuttgarter Ausgabe 40 000 Euro jährlich. Dies verdankt es einer Initiative der Grünen-Fraktion im Gemeinderat und hat ihm wenig Gegenliebe der Veranstalterszene beschert. Bedingung ist, dass die lokale und regionale Popszene bereichert und dortige Musiker gefördert werden. Dazu ist ein Nachwuchsabend beim Festival geplant.

Fazit Folgende Elemente erscheinen für Düsseldorf spannend: Eine Jury, die über die Förderung entscheidet. Der Zusammenhang der Festivals mit touristischen Zielen der Stadt. Ein klares, über mehrere Jahre angelegtes Bekenntnis zu Veranstaltungen, die dem Standort helfen.

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