Was die Wahlplakate über die Kandidaten verraten

Was die Wahlplakate über die Kandidaten verraten

Eine Stilberaterin und ein Politologe haben für die WZ die Plakate zur Kommunalwahl begutachtet.

Düsseldorf. Die Stadt ist mal wieder mit Wahlplakaten zugekleistert. Doch was wollen uns die Politiker eigentlich sagen? Und was verraten sie uns unbewusst? Darüber hat die WZ mit der Stilberaterin Thekla Tillmann und dem Politologen Jens Walther gesprochen.

Die CDU setzt auf ihr bekanntestes Gesicht in Düsseldorf - den Oberbürgermeister. Dabei steht Dirk Elbers gar nicht zur Wahl. Das sei zwar legitim, meint Jens Walther. "Aber dass man daraus das zentrale Motiv der ganzen Kampagne gemacht hat, grenzt an Wählertäuschung. Denn es wird suggeriert, Elbers stünde zur Wahl. Das finde ich schwierig."

Für die Gestaltung der Plakate gibt’s gute Noten. "Er guckt offen und hat einen tatkräftigen Mund - da kommt die Botschaft rüber: ,Wir schaffen das’", lobt Thekla Tillmann. "Er steht vor den Gehry-Bauten wie ein König vor seiner Burg. Das wirkt." Sein Outfit freilich sei optimierbar: "Er trägt ein klassisches Business-Outfit, okay. Aber seine Krawatte hätte man besser farblich auf das Sakko abstimmen können."

Ein dickes Lob gibt’s für die Plakat-Gestaltung: "Das beste Bild von allen", findet Tillmann. "Ein Hingucker", meint Walther. Auch der Slogan "Für ein starkes Düsseldorf" sei passend. Aber: "Alle anderen CDU-Kandidaten haben denselben Spruch. Ein individueller Satz wäre womöglich besser gewesen."

Den haben die Kandidaten der politischen Konkurrenz freilich auch nicht. Der Einheits-Slogan "Zupackend. Kompetent. Sozial." steht unter Kandidaten-Fotos, die nicht gut wegkommen. Die Augen von Spitzenkandidat Günter Wurm wirken auf die Stilberaterin "etwas bedrohlich, sie signalisieren keine Offenheit". Bürgermeisterin Gudrun Hock läge beim Outfit daneben: "Sie trägt einen schwarzen Blazer, weiße Perlenohrringe und eine Kette aus grauen Steinen - das passt nicht. Dabei habe ich sie als sehr stilsicher kennengelernt."

Diese Details werden den meisten Düsseldorfern wohl verborgen bleiben. Das zentrale Plakat ist ein Team-Motiv mit den Bildern von allen 41 Kandidaten. "Das hat den Charme einer bebilderten Tabelle", findet der Politologe. Ein großes Lob gibt’s aber für die "Nadelstich-Plakate": In vielen Stadtteilen hat die SPD Text-Plakate aufgestellt, die konkrete Forderungen für den jeweiligen Ort transportieren. "Das ist richtig gut. Wenn man was reißen will, muss man konkret werden."

Recht positiv fallen die Urteile zu den Grünen aus: "Die Fotos mit den je zwei Vertretern, Mann/Frau oder Jung/Alt sind gelungen", findet Walther. Aber: "Die Slogans sind große Worte, Null-Aussagen wie ,Zeit für Grün’ passen allenfalls im Bund, aber nicht lokal. Was soll ,Schule demokratisch gestalten’ heißen?"

Am besten sei das Plakat "Wir planen mit". Tillmann empfindet die Kampagne als "klassisch grün": "Beim Thema Verkehr sieht man ein Fahrrad und eine Bahn, aber natürlich kein Auto." Optisch unvorteilhaft sei die Wand beim Plakat mit der alten und der jungen Dame: "Schade. Die Ältere geht völlig unter, weil sie Hellblau vor hellblauem Mosaik trägt."

Viel zu starke Worte bemängelt der Politologe auch bei der FDP. "Düsseldorf ist schuldenfrei - wozu braucht es da Mut?", fragt Walther. Gut sei, dass neben den Köpfen auch lokale Symbole wie der Fernsehturm zu sehen seien, "und das ,Zuhause’ ist schön doppeldeutig".

Thekla Tillmann findet das Strack-Zimmermann-Plakat gelungen, "außer dem schwarzen Blazer und der weißen Bluse, damit kann sie auch servieren gehen". Doch das Lächeln der Bürgermeisterin sei offen, natürlich und ansteckend. Ganz im Gegensatz zu Manfred Neuenhaus: "Der versucht zu lächeln und schafft es nicht. Außerdem ist sein Blick abschätzend, etwas von oben runter, das ist schlecht."

Fazit: Licht und Schatten bei allen Parteien. Was würden die Experten empfehlen? Mehr Geld investieren? "Nein. Die Kampagnen müssten kreativer und konkreter sein", meint Walther. Tillmann sieht das ähnlich: "Die Individualität bleibt auf der Strecke. Um das zu ändern, braucht man kreative Ideen, aber nicht mehr Geld."

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