Was die Fleher Brücke dem Kölner Dom voraus hat

Stadt-Teilchen : Was die Fleher Brücke dem Kölner Dom voraus hat

Eine Dauerbaustelle in Düsseldorf, die eine ganze Menge Vorteile hat.

Anfang der Woche musste ich sehr lachen. Da hörte ich im Radio die Meldung, dass die Fleher Brücke saniert werden soll und dass während der fünf Jahre währenden Arbeiten pro Fahrtrichtung nur jeweils zwei Fahrspuren zur Verfügung stehen werden. Das war deshalb lustig, weil ich mich just in dem Moment von Köln kommend auf der Auffahrt zur Fleher Brücke befand und mich im wie üblich zähfließenden Verkehr gerade wieder in die schon ewig bestehende Zweispurigkeit einfädelte. Das verwirrte mich. Im Radio wurde die Zweispurigkeit doch gerade erst angekündigt. In meinem Empfinden aber kenne ich die Fleher Brücke ohnehin nicht anders als zweispurig. Das, was gerade angekündigt wurde, ist also seit Jahren der Normalfall.

Ich kann mich an vieles von früher erinnern, aber eine Fleher Brücke ohne Baustelle will im Gewirr meiner Synapsen einfach nicht auftauchen. Wann das wohl war, dass man da mal ungehindert dreispurig drüberfahren konnte? Wahrscheinlich kurz nach der Eröffnung Ende 1979.

Möglicherweise ist die Fleher Brücke ohnehin nie dreispurig geplant worden. Ich schätze, sie war von vornherein als eine Art geheimes Testfeld geplant, auf dem man die Langmut der Autofahrer auf die Probe stellen kann. Erst hieß es deshalb, untenrum sei etwas kaputt. Da wurde repariert. Verkehr deswegen zweispurig. Dann mussten die Seile ausgetauscht werden. Verkehr deswegen zweispurig. Schließlich war wieder untenrum was defekt. Musste repariert werden. Verkehr deswegen zweispurig. Oder war es andersherum? Erst obenrum, dann untenrum? Egal. Nun hat man halt wieder Risse untenrum entdeckt, die Bauarbeiten nötig machen. Es bleibt also zweispurig bis mindestens 2024. Ich biete mal spontan die Wette an, dass spätestens 2024 jemand feststellen wird, dass es auch obenrum erneut Verbesserungsbedarf gibt.

Oder man lässt den Verkehr tatsächlich mal für zwei, drei Wochen dreispurig fließen, um dann, wenn die drüber laufende A 46 plötzlich aus den Stauberichten verschwindet, „Äääätsch“ zu sagen. „War nur eine Episode für „Verstehen Sie Spaß?“. Wir haben natürlich neue Schäden entdeckt, die dringend repariert werden müssen, und natürlich bleibt die Fleher Brücke ein Zweispurparadies.“

Ich finde ja ohnehin, dass man Autobahnbrücken immer doppelt planen sollte. Man baut dann nicht eine Brücke, sondern gleich zwei nebeneinander. Ist eine kaputt, nutzt man die andere, und wenn dann die eine wieder heil ist, kann man die strapazierten Fahrbahnen der anderen ausbessern. So gäbe es nie mehr Stau, und ich bekäme für die Erfindung der doppelten Autobahnbrücke den Nobelpreis in der Kategorie Stauvermeidung.

Zudem stellt sich natürlich bei jeder neuen Zweispurmeldung die Frage, wo die Brücke eigentlich hinführt. Nach Uedesheim und nach Köln. Mal ganz ehrlich gefragt: Wer will denn ohne Zwang nach Uedesheim und Köln? Was geht in Menschen vor, in deren Navigationsgerät diese Örtlichkeiten eingegeben werden? Sind das ganz besondere Zweispurliebhaber?

Oder wollen die zum Dom? Letzteres wäre verständlich, denn der Dom ist immerhin Weltkulturerbe und 157 Meter hoch. Aber vielleicht könnte man die Lust auf Dom mindern, wenn man den Menschen verriete, dass der Pylon der Fleher Brücke gerade mal zwölf Meter niedriger ist. Muss man also für zwölf Meter Unterschied rund 40 Kilometer fahren? Wäre es nicht angeraten, den individuellen CO2-Ausstoß zu mindern, indem man sich mit 145 Metern Pylonhöhe begnügt?

Zudem hat die Fleher Brücke im Vergleich zum Dom einen entscheidenden Vorteil. Den erkennt man, wenn man mal versucht, mit dem Auto unter den hohen Türmen der komischen Kölner Kathedrale hindurchzufahren. Das ist verboten. Streng. Und von Zweispurigkeit will im Dom auch niemand was wissen.

Nun gut, in Sachen Dauerbaustelle begegnen sich die Bauwerke quasi auf Augenhöhe. Irgendetwas zu reparieren ist immer. Ganz fertig wird man da nie. Zudem ist der Dom ein bisschen älter als die Fleher Brücke. Aber, und hier kommt das Knallerargument, er führt nicht über den Rhein. Er muss am linken Rheinufer verharren, erweist sich also standorttechnisch als eher unflexibel.

Die Fleher Brücke dagegen macht mal eben die Pylone breit, plustert sich zum alternativen Stadttor auf und schafft eine immerhin zweispurige Verbindung von hier nach dort und von dort nach hier. Sogar bis Uedesheim.

Das muss man auch erst einmal hinkriegen. Außerdem ist der manchmal auch despektierlich als Fleher Pimmel apostrophierte Pylon eine prima Landmarke, an der man sich schon von weitem orientieren kann. Natürlich ist das Teil nicht so dekorativ wie der Dom oder der Rheinturm, aber sehen lassen kann sich das hohe Ding schon. Selbst vom Flugzeug aus ist es gut zu erkennen.

Und dann hat die Fleher Brücke natürlich auch noch entspannenden Charakter. Wenn man mal von Westen kommend auf der A 46 im Stau vor der Verengung auf zwei Spuren steht, kann man prima nach Düsseldorf reinschauen, kann den Rheinturm sehen und die von Lohausen startenden Flugzeuge. Zudem ist man vorbereitet auf die Einfahrt nach Düsseldorf, wo jetzt überall Umweltspuren lauern. Die sind gerade sehr populär. Vielleicht könnten die Sanierer der Brücke ihre verkehrsbehindernden Maßnahmen daher nochmal überdenken. Sie sagen einfach, dass sie jetzt auch eine Umweltspur, auf der nur Baustellenfahrzeuge fahren dürfen, einrichten. Das klänge doch gleich viel besser als diese Nachricht von der ewigen Fahrbahnverengung. Und am Beginn des Staus wird dann ein pädagogisches Plakat aufgebaut. Auf dem steht: Wir üben für Düsseldorf.

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